Das Matthiae-Mahl dient seit jeher der Verständigung Hamburgs mit den Nachbarn und der Welt. Die Linkspartei hat sich die Rechnung für das älteste Festmahl genauer angeguckt und spricht von „Elitenspeisung“.
Das Mahl, das morgen wieder stattfinden wird, entwickelte sich zu einem Brauch, „Vertreter der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte“ am Matthias-Tag zu einem Festessen einzuladen. Seit 1356 feiern die Hamburger mit ihren Gästen das Matthiae-Mahl. Es ist damit das weltweit älteste heute noch begangene Festmahl. Eine historische Anordnung sieht vor, dass das Matthiae-Mahl nur stattfindet, „wenn die Zeitläufte es erlauben“.
Die Linksfraktion im Rathaus hat damit Probleme:
„Rund 380 Gästen werden anwesend sein, die Kosten im letzten Jahr beliefen sich auf ca. 87.762,87 Euro, damit werden pro Person ca. 231 Euro ausgegeben (Drs. 20/1720). Obwohl das Matthiae-Mahl in Einklang mit der Tradition in schwierigen Zeiten ausgesetzt werden kann, sieht auch der SPD-Senat dafür keine Veranlassung. Genauso wenig möchte der Senat das Festmahl für die zahlungskräftigen Gäste durch Eintrittspreise finanzieren oder die Gästeliste um Arme und Obdachlose ergänzen.“
Cansu Özdemir, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, erklärt dazu: „Angesichts der wachsenden sozialen Spaltung, der hohen Obdachlosigkeit, der wachsenden Wohnungsnot und Armut in der Stadt ist es politisch nicht tragbar, dass der Senat öffentliche Gelder für ein Luxus-Festmahl verschwendet. Die teure Elitenspeisung sollte nicht von den Steuerzahlern, sondern von den zahlungskräftigen Gästen finanziert werden.“
Während im Rathaus für voraussichtlich 230,95 Euro pro Person gespeist wird, müssen sich Hartz IV-EmpfängerInnen gegenwärtig mit 4,43 Euro den ganzen Tag verpflegen, Gefangene mit 3,10 Euro (Stand 2010), wovon 0,87 Euro für das Abendessen vorgesehen sind.