Die Leiharbeitsbranche boomt. Seit 2007 stieg die Zahl der Leiharbeiter bundesweit um fast 200.000 auf eine neue Rekordhöhe von 909.500 an. Im Norden, von Flensburg über Hamburg bis nach Rostock, wurde eine Zunahme um rund 25 Prozent gemessen.
In Schleswig-Holstein erhöhte sie sich seit 2007 die Zahl von 14.045 auf 17.782 (Zunahme von 26,6 %), in Mecklenburg-Vorpommern von 8.777 auf 10.976 (Zunahme von 25,1 %) und in Hamburg von 26.491 auf 33.289 (Zunahme von 25,7 %).
Im ersten Halbjahr 2011 war der Zuwachs der Leiharbeit dabei besonders hoch. „Hinter dem gern beschriebenen Job-Wunder in Deutschland steht eine Zunahme von unsicherer und schlechter bezahlter Arbeit“, sagte der für die drei norddeutschen Bundesländer zuständige DGB Bezirksvorsitzende Uwe Polkaehn zu den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zur Leiharbeit.
Ein langfristiger Vergleich der Entwicklung der Leiharbeit und der Gesamtbeschäftigung zeigt, dass in dem Zeitraum 2000 – 2010 die Leiharbeit doppelt so stark anstieg wie die Gesamtbeschäftigung.
Die „Unsicherheit“ eines Leiharbeitsplatzes lässt sich an der Dauer ablesen. Rund die Hälfte aller Leiharbeitsverhältnisse wird nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bereits innerhalb der ersten drei Monate beendet. Hinzu kommt, dass Leiharbeitnehmer in der Regel über ein Drittel weniger verdienen als regulär Beschäftigte. „Leiharbeit ist ein Instrument, um gezielt Druck auf die Löhne auszuüben“, kritisiert Polkaehn. Während der Median der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von hochqualifizierten vollzeitbeschäftigten Bürofach- und Hilfskräften in Hamburg bei 4.590 Euro liegt, beträgt er in der Leiharbeit nur 2.391 Euro. Bei qualifizierten Elektrikern reicht der Unterschied von 3.343 Euro bei der regulären Beschäftigung bis hin zu 1.786 Euro in der Leiharbeit. „Armut trotz Arbeit ist in der Leiharbeit besonders häufig anzutreffen. Aufgrund der kurzen Beschäftigungsdauer in der Leiharbeit werden oftmals auch keine neuen Ansprüche in der Arbeitslosenversicherung erworben, so dass die Betroffenen direkt ins Hartz IV-System fallen“, analysiert der DGB Bezirk Nord.
Optimistisch verteidigen die Befürworter der Leiharbeit die prekären Beschäftigungsverhältnisse mit dem Hinweis, dass etwas zwei Drittel der neuen Leiharbeitnehmer vorher keine Beschäftigung hatte und deshalb die Leiharbeit Beschäftigungsperspektiven für Arbeitslose und Berufseinsteiger eröffne. Angesichts der kurzen Beschäftigungszeit in der Leiharbeit trübt hier jedoch die ideologische Brille den Blick für die Realität. Leiharbeit sei nur ein schmaler Steg in reguläre Beschäftigung, schreiben die wissenschaftlichen Experten der Bundesarbeitsagentur den Leiharbeitsbefürwortern ins Stammbuch.