Krümmel: Darum war der Brand so gefährlich

Warum der Brand im Vattenfall-Atomkraftwerk Krümmel so schwerwiegende Folgen hatte, wunderte zunächst viele Beobachter. Die Hamburger Fachgruppe Energie erklärt die Zusammenhänge.

Krümmel: Reaktorstörung nach Brand

Wegen der unzureichenden Information durch Vattenfall sind einige Meldungen in die Presse gelangt, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen.

Der Brand in einem Transformator ist ein Störfall, der von den Betreibern kalkuliert werden muss. Er darf zu keinem ernsthaften Problem führen, nur zum Ausfall der Anlage. Aber offensichtlich hat er doch zu Problemen geführt, über die nur in Bruchstücken berichtet wird.

1. Problem: Schnellabschaltung

Bei einem Brand dieser Art muss der Reaktor abgeschaltet werden, aber nicht unbedingt mit einer Notbremsung. Es reicht, wenn die Kettenreaktion unterbrochen und der weiter erzeugte Dampf um die Turbine herumgeleitet wird (sehr vereinfacht ausgedrückt). Wenn allerdings die Notbremse gezogen wird, kommt es zum Abschluss des Reaktors, und die noch großen Dampfmengen, die weiterhin im Reaktor erzeugt werden, gelangen durch Abblasventile in ein Wasserbecken innerhalb des Sicherheitsbehälters und kondensieren dort. Gleichzeitig muss die Hochdruck-Notkühlung einsetzen, um den Wasserverlust im Reaktor zu ersetzen. Eine Eigenstromversorgung des Kraftwerks ist dann natürlich auch nicht mehr nötig.

Was von Vattenfall so langsam durchsickert, legt nahe, dass es eine Notbremse gegeben hat: Eigenstrom war ausgefallen, Ansprechen der Ventile, Dampfverlust im Reaktor. Aber die Notbremse hat nicht einwandfrei funktioniert. Entweder sind die Abblasventile zu lange offen geblieben – ein Fehler, der seinerzeit zur Kernschmelze in Harrisburg geführt hatte – oder die Hochdruck-Notkühlpumpen haben nicht richtig gearbeitet. Beides ist ein schwerwiegendes Problem für die Sicherheit eines Atomkraftwerkes, das eigentlich nicht auftreten darf.

2. Rauchgas im Kontrollraum

Große Transformatoren werden oft mit Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen gekühlt, einer Flüssigkeit, die chemisch sehr stabil und relativ brandsicher ist. Wenn sie allerdings weit höherer Temperatur als normal ausgesetzt wird, entstehen etliche giftige Verbindungen, unter anderem auch Dioxine. Daher muss die Feuerwehr bei einem solchen Brand generell mit Atemschutzgerät arbeiten.

Offensichtlich ist aber Rauchgas durch die Zulüftung in die Gebäude, sogar in die Schaltwarte gelangt. Dadurch wird die Steuerung des Reaktors selbstredend erheblich beeinträchtigt. Ob dies durch mangelnde Vorsorge oder eine technische Panne geschehen ist, wurde noch nicht mitgeteilt. Es handelt sich aber auf jeden Fall auch hierbei um ein Problem, das eigentlich nicht auftreten darf.

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