Kraftwerk Moorburg: Ärzte schlagen Alarm!

40 Mediziner aus Wilhelmsburg und der Veddel schlagen Alarm: Sie haben eine Erklärung verfasst, mit der sie vor den gesundheitlichen Folgen des von Vattenfall und dem Senat geplanten Kohlekraftwerks Moorburg warnen. Stäube und Abgase treffen bei der in Hamburg vorherrschenden Windrichtung vor allem die Menschen in Wilhelmsburg und auf der Veddel. Brief und Erklärung der Ärzte finden Sie hier.

Der Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

angesichts des geplanten Steinkohlekraftwerkes in Hamburg – Moorburg sehen
wir Wilhelmsburger und Veddeler Ärzte unsere Verantwortung, auf mögliche
gesundheitliche Folgen dieses Großprojektes hinzuweisen. Wir haben daher
eine Erklärung der Wilhelmsburger Ärzte verfaßt, die von 40 der in
Wilhelmsburg und Veddel tätigen Ärzte und Psychologen mit getragen wird.

Diese Erklärung finden Sie im Anhang. Desweiteren bereiten wir zusammen mit
dem Verein „Zukunft Elbinsel“ eine Veranstaltung vor, die am 6.2. 2008 um
19.00 Uhr im Bürgerhaus Wilhelmsburg stattfinden wird und auf der mögliche
gesundheitliche Folgen diskutiert werden sollen. Sobald die Referenten
feststehen, werden wir weiteres darüber berichten.

Ich möchte Sie schon heute vorab informieren und Sie bitten, uns bei der
Ankündigung dieser Veranstaltung und der Verbreitung der „Erklärung der
Wilhelmsburger Ärzteschaft“ zu unterstützen.

Dr. Klaus-J.Harloff

Erklärung der Wilhelmsburger Ärzteschaft zum geplanten Kohlekraftwerk Moorburg

Vattenfall will in Moorburg ein Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von 1640 Megawatt und damit das größte dieser Art in der gesamten Bundesrepublik bauen. Bei der Verbrennung von Steinkohle fallen gesundheitsschädigende Abfallprodukte an.

Als Ärzte machen wir uns vor allem um die gesundheitlichen Folgen für die Hamburger Bevölkerung Sorgen. Luftverschmutzung in Form von Feinstaub, Schwefeldioxid, Ozon oder Stickoxiden hat ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit (WHO, 2006).

Das geplante Kohlekraftwerk wird zu einer zusätzlichen Umweltbelastung für den Ballungsraum Hamburg führen. So wird z.B. ein Ausstoß von ca. 400 Tonnen Feinstaub und 8 Millionen Tonnen CO2 jährlich erwartet. Der Ausstoß von CO2 des geplanten Kraftwerkes wäre damit doppelt so hoch wie der CO2 Ausstoß des gesamten Hamburger Straßenverkehrs.

Ein Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und Atemwegserkrankungen wird von niemand angezweifelt. Die für Deutschland geltenden Belastungsgrenzen liegen deutlich über den von der WHO gerade noch als tolerabel angesehenen und bereits diese wurden im Jahr 2006 an mehreren Hamburger Messstationen – in der Innenstadt, in Hamburg-Veddel, Finkenwerder – an mehr als 20 Tagen/Jahr überschritten.

Eine Erhöhung der Feinstaubkonzentration schon um 10ug/m3 im Jahresmittel führt zu einer steigenden Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu einer erhöhten Rate an Lungenkrebs und allgemeiner Sterblichkeit!

Weitere Abfallprodukte der Steinkohleverbrennung, wie z.B. Schwefeldioxide, Stickoxide weitere organische und anorganische Substanzen führen zu einem zusätzlichen nicht kalkulierbaren Risiko für unsere Gesundheit.

Leider sind es gerade kinderreiche Stadteile wie Wilhelmsburg, Veddel, Rothenburgsort, Billstedt, die gesundheitsschädigenden Umweltfaktoren in besonderer Weise ausgesetzt sind. Neben den Folgen sozialer Faktoren wie Armut, schlechte Ernährung, geringere Bildungschancen, gehören dazu Lärm, Verkehr und Luftbelastung. Hier haben die Menschen eine geringere Lebenserwartung und ein größeres Risiko an Krebs oder Herzinfarkt zu sterben als anderswo. Wir befürchten, dass ein Kohlekraftwerk in Moorburg zu einer erheblichen Steigerung dieser Risikosituation führt und in unverantwortlicher Weise die Gesundheit vor allem unserer Kinder aufs Spiel setzt.

WIR SAGEN NEIN zu einem Kohlekraftwerk dieser Größenordnung, welches der Gesundheit der Hamburger Bevölkerung wissentlich Schaden zufügt !

Wir, die Wilhelmsburger Ärzteschaft, fordern hiermit den Hamburger Bürgermeister und den Hamburger Senat auf, den Bau des Kohlekraftwerkes Moorburg zu stoppen, da dies zu einer weiteren, nicht zu tolerierenden Belastung der Hamburger Bevölkerung und insbesondere des heute schon höchstbelasteten Süderelberaumes führt.

Wir, die Wilhelmsburger Ärzteschaft, fordern darüber hinaus alle Hamburger Bürger, Ärzte und Mandatsträger auf, gemeinsam mit uns NEIN ZU EINEM KOHLEKRAFTWERK in Hamburg – Moorburg zu sagen und diese Erklärung der Wilhelmsburger Ärzteschaft mit zu tragen.

Wilhelmsburger Ärzteschaft im Januar 2008

4 Gedanken zu „Kraftwerk Moorburg: Ärzte schlagen Alarm!“

  1. Schade, dass so viele Leute aufgrund der vorab erteilten Bau-Vorgenehmigung bereits aufgehört haben, für ihr Recht auf saubere Luft zu streiten. Für all diese:

    Wie kurzfristig bekannt wurde, wird die Anhörung zur Volkspetition gegen das Kohlekraftwerk am kommenden Donnerstag, den 24.01.2008 ab 17:00 Uhr stattfinden.

    Dort werden die Vertreter der Volkspetition sowie die interessierte Öffentlichkeit nochmals Gelegenheit bekommen, ihre Argumente gegen das Kohlekraftwerk vorzubringen.

    Alle interessierten Bürger sind aufgerufen, dort präsent zu sein und sich an der Anhörung zu beteiligen, sowie den Termin weiter zu verbreiten.

    Die Sitzung findet statt von 17.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr im Reimarus-Saal der Patriotischen Gesellschaft, Trostbrücke 6, 20457 Hamburg (Nähe Rathaus).

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