Nach Bekanntwerden eines neuen Falles von Kindesverwahrlosung hat die SPD-Bürgerschaftsfraktion eine Aufklärung im Kinder-, Jugend- und Familienausschuss gefordert. Zuvor war berichtet worden, das Jugendamt habe zwei Kinder aus einer Wohnung in Wilhelmsburg mitgenommen. Der offensichtlich überforderte Vater habe – so heißt es – vergeblich versucht, Hilfe zu bekommen.
„Es macht nachdenklich, dass der Hilferuf des Vaters offensichtlich nicht ernst genommen wurde, obwohl die Familie anscheinend dem Jugendamt seit längerer zeit bekannt war“, sagte der SPD-Fachsprecher für Sozialpolitik, Dirk Kienscherf. Die Hintergründe dieses Falls müssten ungehend aufgeklärt werden. Kienscherf verwies auf den rund ein Jahr zurückliegenden Fall der kleinen Lea aus Wilstorf – auch hier war das Jugendamt Harburg erst spät und trotz entsprechender Hinweise tätig geworden.
Die SPD-Abgeordnete Andrea Hilgers sagte, nach wie vor und trotz gegenteiliger Behauptung der Sozialsenatorin scheine die personelle Situation in den Jugendämtern angespannt zu sein. „Ich habe das Gefühl, oft wird erst gehandelt, wenn ein Kind in eine akute Notlage geraten ist“, sagte die SPD-Sozialpolitikerin. Alle Parteien seien gefordert, in der Sitzung des Kinder-, Jugend- und Familienausschusses in der kommenden Woche die Hintergründe dieses möglichen neuen Falles von Vernachlässigung und Überforderung zu klären. Sozialsenatorin Schnieber-Jastram habe gegebenenfalls ausreichend Zeit, die Fakten bis zum Sitzungstermin aufzuarbeiten.