Jetzt beginnt im HVV eine neue Ära des Fahrkartenverkaufs: Erstmals wird es eine „Bahncard“ auch für Bus, U- und S-Bahn geben – zunächst in einem Pilotgebiet, das den Bezirk Hamburg-Harburg und den Landkreis Harburg umfasst.
Dort bietet der Verbund ab heute seinen Fahrgästen eine elektronische Kundenkarte an.
Die Karte ermöglicht ab 1. Dezember im Pilotgebiet den bargeldlosen Kauf von Einzel- und Tageskarten für das gesamte HVV-Gebiet zu einem deutlich rabattierten Preis – wie das genau geht, steht am Ende dieses Artikels.
Die Inhaber der neuen Kundenkarte erhalten gegen Zahlung eines monatlichen Grundbetrags von 10 Euro auf jede ihrer gekauften Fahrkarten 25 Prozent Preisnachlass. Als besonderes Bonbon für den Einstieg entfällt zudem im ersten Gültigkeitsmonat der Grundbetrag.
Das neue Tarifangebot „Vorteil 25“ richtet sich an Kunden, die zwar öfter den HVV nutzen, für die sich aber eine Monatskarte oder ein Abonnement noch nicht lohnt. Meist fährt man schon bei zwei Nutzungstagen pro Woche mit dem neuen Angebot günstiger als mit Einzel- oder Tageskarten zum Normaltarif.
Andreas Rieckhof, Staatsrat der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Wir freuen uns, dass wir mit diesem innovativen Projekt im Hamburger Verkehrsverbund starten können. Wegen des zukunftsweisenden Charakters des E-Ticketings für den ÖPNV-Fahrkartenverkauf haben sowohl Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die Metropolregion als auch der Bund das Vorhaben finanziell gefördert. Mit der neuen Karte und dem neuen Tarifangebot wird die Nutzung von Bus und Bahn im Hamburger Raum wieder ein Stück attraktiver.“
Zunächst startet der HVV das neue Angebot als Pilotversuch im Raum Harburg. Zusätzlich einbezogen sind die Schienenstrecken zum Hauptbahnhof und bis Buxtehude. Dafür wurden Fahrkartenautomaten an allen Bahnhöfen des Pilotgebiets und die Verkaufsgeräte der im Harburger Raum verkehrenden Busse mit elektronischen Kartenlesern ausgerüstet. Auch die HVV-Servicestellen vor Ort wurden für Verkauf und Beratung mit der neuen Technik ausgestattet.
Mit dieser Technik erfolgt neben dem bargeldlosen Kauf der Fahrkarten auch deren Speicherung auf der Kundenkarte. Während des Pilotversuchs wird vom Automaten parallel ein Papierbeleg ausgegeben, damit die Kunden einen sichtbaren Beleg ihrer Fahrkarte in den Händen haben und weil noch nicht im gesamten HVV-Gebiet Prüfgeräte für die elektronische Kontrolle zur Verfügung stehen. Sofern die Erprobung im Pilotgebiet erfolgreich verläuft, ist die Ausweitung auf das übrige Verbundgebiet geplant.
Lutz Aigner, Geschäftsführer des HVV: „Mit der elektronischen Kundenkarte erhalten die Kundinnen und Kunden nicht nur ein preisgünstiges Tarifangebot, sondern auch mehr Service vor Ort. So wurden die Servicestellen mit den Hintergrundsystemen vernetzt, damit den Karteninhabern Auskünfte zu ihren Käufen gegeben und Ersatz-Kundenkarten sofort erstellt werden können.“
Bei der Auswahl des Pilotgebiets im HVV spielte eine Rolle, dass dieses vom übrigen Verbundgebiet gut abgrenzbar ist, dass es ein gutes Verkehrsangebot und damit ausreichend Fahrgastpotenzial aufweist und durch die Schienenstrecken über eine gute Verbindung zum Hauptbahnhof Hamburg verfügt. Im Pilotgebiet wohnen rund 400.000 Menschen, von denen etwa 5000 Gelegenheitsnutzer vom neuen E-Ticket-Angebot „Vorteil 25“ profitieren können.
Für den Start des E-Ticketings im HVV waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. So mussten die Systeme der Kundenverwaltung von Hamburger Hochbahn AG, DB Vertrieb und S-Bahn Hamburg GmbH technisch erweitert und vernetzt werden. Zudem wurden 60 Fahrkartenautomaten von DB und Metronom und mehr als 300 Busdrucker von Hochbahn, KVG und Buchholz-Bus umgerüstet. Des Weiteren wurden zehn HVV-Servicestellen mit der notwendigen Technik ausgestattet.
Die Kosten für das Pilotprojekt betrugen bis zum Marktstart 4,3 Millionen Euro; die drei Bundesländer stellen Fördermittel von zusammen 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, die Metropolregion 0,3 Millionen Euro und der Bund 1 Million Euro. Die übrigen Kosten tragen die Verkehrsunternehmen.
Die Anwendung der elektronischen Karte im Einzelkartenbereich ist nur ein Anfang. Aigner: „Mittelfristig werden unsere Kundinnen und Kunden alle Tarifangebote mit dieser Karte nutzen und von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter mit ein und derselben HVV-Karte mobil sein können.“ Außerdem ist in späteren Ausbaustufen die Karte auch in anderen Verkehrsverbünden nutzbar, da die Software auf einem bundesweiten Standard des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beruht.
Neben der Gewinnung neuer Kunden verspricht sich der HVV mithilfe des E-Tickets eine höhere Kundenbindung durch effektivere Betreuung und Beratung sowie eine bessere Absicherung gegen Fahrkartenfälschungen.
Und so kommen die Harburger Kundinnen und Kunden an das E-Ticket
Sie melden sich mit Namen, Anschrift und einem Foto entweder im Internet unter www.hvv.de an oder erhalten in den HVV-Servicestellen der Pilotregion einen entsprechenden Antrag. Die persönliche Kundenkarte mit Lichtbild wird ihnen wenige Tage später per Post zugeschickt. Die Abrechnung erfolgt monatlich, wahlweise per Abbuchung von Konto oder gegen Verrechnung mit einem vorher eingezahlten Guthaben (Prepaid-Verfahren). Für den ersten Kalendermonat des Vertragsverhältnisses verzichtet der HVV auf den Grundbetrag von 10 Euro.
Auch der Fahrkartenkauf ist ganz einfach: Am Automaten mit der Kennzeichnung „Vorteil 25“ wie gewohnt die gewünschte Einzel- oder Tageskarte am Automaten wählen, dann Taste „Vorteil 25“ drücken und Kundenkarte auf den Leser legen. Die Fahrkarte wird nun elektronisch auf die Kundenkarte geschrieben und der Kontrollnachweis ausgedruckt. Beim Kauf im Bus nennt man der Fahrerin oder dem Fahrer seinen Fahrkartenwunsch und erhält ebenfalls ein elektronisches Ticket mit Kontrollnachweis. Dieser Papierbeleg muss aufbewahrt werden, um ihn dem Prüfpersonal, das außerhalb des Pilotgebiets zum Teil noch nicht über elektronische Prüfgeräte verfügt, vorzeigen zu können.
HVV-Servicestellen im Pilotgebiet
· HVV-Kundenzentrum, Johanniswall 2
· DB Vertrieb GmbH, Abo-Center, Museumstraße 39
· Hamburg Hauptbahnhof, Wandelhalle und U Hauptbahnhof Süd
· Bahnhof Harburg
· Neu Wulmstorf
· Bahnhof Buxtehude
· Buchholz i. d. N., Service-Center Adolfstraße
· Bahnhof Tostedt
· Bahnhof Winsen
Diese erst mal etwas kompliziert wirkenden Konditionen sind sicher für den HVV vorteilhaft. Ich habe eine CC-Karte und weiß nur, dass ich 2,80 Euro für eine Einzelkarte zuzahlen muß, wenn ich später als 16.00 Uhr zurückfahre. Für gerade 14 Minuten Fahrzeit!!
Das Geld dafür habe ich einfach nicht. Mir wäre mit einer Karte geholfen, die als Ergänzungskarte zu meinem Abo etwa 1,10 Euro kostet. Solange es sie nicht gibt, muß ich stets früher aufbrechen.
Das stört manchmal oder die Menschen schauen mich erstaunt an. Und wenn ich es dann erkläre, kommt ein Kopfschütteln… Dabei kann ich sonst nur schwärmen über die schnellen Verbindungen, die im Stadtverkehr kaum ein Autofahrer schafft. Und mache damit doch auch Werbung und wecke Interesse, manchmal sogar bei Menschen, die sich das teuerste Abo leisten könnten.