Hamburgs mächtigste Droge heißt Alkohol

Alkohol bleibt das Suchtmittel Nummer eins, und Menschen mit Alkoholproblemen suchen erst spät Hilfe: Dies sind nur zwei der Erkenntnisse aus dem aktuellen Bericht zur Situation Suchtmittelabhängiger Menschen in Hamburg.

Die vorliegenden Daten machen auch deutlich, dass der Cannabiskonsum besonders unter Jugendlichen nach wie vor weit verbreitet ist. Ein erfreulicher Trend ist hingegen bei den Erstkonsumenten von Opiaten zu beobachten. Deren Zahl geht weiter leicht zurück.

„Fundierte Kenntnisse über Suchtmittelkonsumenten und deren Konsumgewohnheiten bilden die Grundlage, um Probleme angehen zu können. Und Hamburg verfügt über ein bundesweit einzigartiges Monitoring zur Erhebung dieser Daten“, so Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks anlässlich der heutigen Vorstellung des „Epidemiologischen Suchtsurvey“, einer Repräsentativerhebung zum Gebrauch und Miss-brauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Hamburg sowie des Statusberichts der Hamburg Basisdatendokumentation. „Die Berichte belegen auch, dass die Suchthilfe in Hamburg gute Arbeit leistet und bei den Menschen ankommt. Sie machen aber auch deutlich, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen.“ Die Gesundheitsbehörde fördert 35 teilweise spezialisierte Einrichtungen der Suchtberatung und –hilfe mit jährlich 17,2 Millionen Euro.

Der Epidemiologische Suchtsurvey zeigt nach 1990, 1997 und 2003 zum vierten Mal die Verbreitung von Suchtmitteln in der Hamburger Bevölkerung. Die Hamburger Basisdatendokumentation der ambulanten Suchtkrankenhilfe liefert in Ergänzung einen sehr guten Überblick darüber, in welchem Maße und von wem die Suchtberatungsstellen frequentieret werden. Die Basisdatendokumentation erlaubt dabei eine differenzierte, geschlechtsspezifische und zeitnahe Datenauswertung. Ergänzt werden diese beiden Berichte durch die bereits veröffentlichte Studie „Hamburger Schüler und Lehrerbefragung zum Konsum von Suchtmitteln“ kurz SCHULBUS, des Büros für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen.

Alkohol ist weiterhin das weitest verbreitetet Suchtmittel

Alkohol ist weiterhin das Suchtmittel Nummer eins. Rund drei Viertel der Erwachsenen in Hamburg geben an, dass sie aktuell Alkohol konsumieren. Bei 37 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen liegt das letzte Rauscherlebnis nicht länger als 30 Tage zurück „Diese Zahlen verdeutlichen, dass Rauschtrinken keineswegs nur ein Problem von Jugendlichen darstellt“, sagt Theo Baumgärtner, Leiter des Büros für Suchtprävention in Hamburg. Aus der Hamburger Basisdatendokumentation ist zudem ersichtlich, dass Menschen mit Alkoholproblemen erst spät Hilfe und Unterstützung suchen. „Zwar erhöhte sich die Zahl der Klientinnen und Klienten unter 27 Jahren in der ambulanten Suchthilfe in den letzten 10 Jahren von 1.500 auf 2.800, jedoch ist die Zeitspanne von bis zu 12 Jahren zwischen dem ersten Suchtproblemen und der Inanspruchnahme der Suchthilfe zu lange. Unser Ziel muss es sein Betroffene früher zu erreichen“, so Prüfer-Storcks.

Einen Erfolg sieht die Senatorin aber darin, dass es gelungen ist, das Alter des Erstkonsums von Alkohol seit 2004 von damals 12,7 Jahren auf inzwischen 13,2 Jahre zu erhöhen. „Je später die Jugendlichen mit dem Alkoholkonsum beginnen, desto geringer ist der Alkoholkonsum in den späteren Jahren. Das belegen die Daten eindrucksvoll“, so Baumgärtner.

Die Daten aus der Hamburger Basisdatendokumentation verdeutlichen auch, welche Probleme mit der Suchterkrankung einher gehen. 19 Prozent der Hilfesuchenden sind neben der Suchterkrankung erheblich bis extrem gesundheitlich beeinträchtigt, 30 Prozent sind psychisch erheblich bis stark belastet. 42 Prozent sind arbeitslos. „Die beste Rehabilitation ist wirkungslos, wenn es nicht gelingt, dass die Menschen eigen-verantwortlich und möglichst ohne Transferleistungen leben können. Gesundheitliches Wohlbefinden und ein sicherer Arbeitsplatz sind beides wichtige Bausteine“, so Prüfer-Storcks. Hier gilt es für die Suchthilfe systematisch und fallbezogen für Kooperation mit den zuständigen Stellen zu werben z.B. mit den Arge oder Weiterbildungseinrichtungen.

Cannabiskonsum unter Jugendlichen weit verbreitet

Die Daten machen auch deutlich, dass der Cannabiskonsum in der Hamburger Bevölkerung besonders unter Jugendlichen weit verbreitet ist. Während 5,9 Prozent der 18- bis 59-Jährigen angeben, in den letzen 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben, sind es in der Gruppe der 15- bis 16-Jährigen 11 Prozent.

„Auch wenn der Trend leicht zurückgeht, diese Zahlen sind alarmierend“, so Prüfer-Storcks. „Positiv ist aber, dass die Suchthilfe diese Zielgruppe zunehmend besser erreicht. Die Zahlen zeigen aber auch, dass wir hier weiterhin Schwerpunkte setzen müssen.“ Suchten 2005 nur 879 Cannabisabhängige Unterstützung in einer Suchtberatungsstelle waren es 2010 2.008. „Das Hilfesystem hat große Anstrengungen unternommen, um Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen. Die Zahlen belegen, dass uns das gelungen ist“, sagt Frank Goedecke, Vorstand von BADO e. V.

Weniger erstauffällige Konsumentinnen und Konsumenten harter illegaler Drogen

Ein erfreulicher Trend ist bei den Erstkonsumenten von Opiaten (Heroin) zu beobachten. Die Zahl der Erstkonsumentinnen und Erstkonsumenten geht seit Jahren leicht zurück und dieser Trend scheint sich fortzusetzen. Die Prävalenz der HIV- als auch der Hepatitis C-Infizierten ging merklich zurück. Die ergriffenen Maßnahmen, angefangen bei Safer-Use-Beratungen über Spritzentausch bis hin zu der Möglichkeit unter hygienischen Bedingungen Suchtmittel in den spezialisierten Einrichtungen zu konsumieren zeigen Erfolge. Ein Blick in die Hamburger Basisdatendokumentation macht jedoch auch deutlich, dass die Klientinnen und Klienten gesundheitlich und psychisch sehr belastet sind. „Die Daten belegen eindrucksvoll, dass Veränderung Zeit braucht. Mit längerer Betreuungszeit gehen größere Veränderungen einher“, sagte Marcus Martens vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung mit Verweis auf die Erkenntnisse zur Betreuungsdauer. Die Daten zeigen auch: 70 Prozent der Hilfesuchenden sind arbeitslos, 69 Prozent haben Gewalterfahrungen machen müssen und 26 Prozent wurden Opfer sexueller Gewalt. „Eine Suchterkrankung geht fast immer einher mit weiteren Problemen. Dieser Komplexität müssen wir uns stellen“, so Prüfer-Storcks. „Unser Ziel muss deshalb eine bessere Zusammenarbeit zwischen medizinischem System, Arbeitsagenturen, Schule und Jugendhilfe sein.“

Der Bericht Bado 2010 kann unter www.bado.de heruntergeladen, bzw. bei Bado e.V., c/o Jugendhilfe e.V., Repsoldstrasse 4, 20097 Hamburg oder unter barre.hgst@jugendhilfe.de bestellt werden.

Der Suchtsurvey des IFT steht in Kürze unter http://www.hamburg.de/startseite-drogen-sucht zur Verfügung stehen und kann bestellt werden unter drogenundsucht@bgv.hamburg.de.

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