Hamburgs Jugendämter sind überlastet

Die Arbeitsbelastung in Hamburgs Jugendämtern ist zu hoch. Dies geht aus einer Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der GAL-Fraktion hervor.

Aus Sicht der GAL-Fraktion sind die Zustände zum Teil nicht mehr tragbar – sowohl im Hinblick auf den Kinderschutz, als auch auf die Arbeitssituation der Angestellten.

Laut Senatsantwort wurden in diesem Jahr allein in Wandsbek sieben Überlastungsanzeigen gestellt. Im Bezirk Nord kamen 2011 aus nur einem Jugendamt bereits vier Überlastungsanzeigen, insgesamt sind es schon 19 in ganz Hamburg. Ebenso hoch ist die Fluktuation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Jugendämtern. Zwischen Januar und Juli 2011 haben bereits 34 Angestellte ihren Job aufgegeben. Mit insgesamt 333 Stellen für ganz Hamburg liegt das Beschäftigungsvolumen mit zehn Stellen unter dem Stellensoll. Die Fallbelastung ist für die Angestellten in der Folge sehr hoch. Im Bezirk Wandsbek muss ein Mitarbeiter durchschnittlich über 46 Fälle gleichzeitig betreuen. Spitzenreiter ist mit 64 Fällen ein Jugendamtsbereich in Wandsbek.

Christiane Blömeke, jugendpolitische Sprecherin der GAL-Fraktion: „Genauso wie die SPD wollen auch wir verhindern, dass die Ausgaben bei den Hilfen zur Erziehung weiter steigen. Dazu brauchen wir aber Jugendämter, die Problemlagen in den Familien identifizieren, passende Hilfeleistungen anordnen und vor allem die Hilfeplanung konsequent überprüfen. Mit dieser desolaten Personalsituation können die Jugendämter den Anforderungen nicht gerecht werden. Zudem muss allen Verantwortlichen klar sein, dass unzureichende Arbeitsbedingungen in den Jugendämtern auch immer eine Gefahr für den Kinderschutz sein können. Der Senat und die Bezirksämter sind in der Pflicht, bei Überlastungen schnell zu reagieren und für die notwendige personelle Verstärkung zu sorgen.“

Kritisch beurteilt Blömeke auch den Krankenstand der ASD-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter: „Die Jugendämter vermelden zum Teil auch einen sehr hohen Krankenstand. Wenn nahezu ein Viertel der Mitarbeiter fehlt, ist es kein Wunder, dass die Übriggebliebenen völlig überlastet sind. Dies führt dann zu weiteren krankheitsbedingten Ausfällen. Dieser Zustand ist nicht länger tragbar. Es ist unverantwortlich, dass sich der Senat bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen nur auf Fachanweisungen beruft und glaubt, dass die Situation allein durch eine neue Software statt mit mehr Personal gelöst wird.“

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