So sieht es aus, wenn der Staat zum Rückzug gezwungen wird: Die Hamburger Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft mbH (HAB) muss „erheblich verkleinert“ werden – die 1-Euro-Jobs werden an andere Träger weitergereicht. Das teilte heute die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration mit.
Die HAB befinde sich durch veränderte Rahmenbedingungen in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten: „Da das Unternehmen in der bisherigen Größe ökonomisch nicht weiter bestehen kann, muss es auf einen Kernbereich reduziert werden.“ Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) strebt an, die bisherigen Projekte der HAB überwiegend an andere Träger zu übergeben, wobei die betroffenen Beschäftigten übernommen werden sollen.
„Wir wollen die HAB auf Kernfunktionen ausrichten, die arbeitsmarktpolitisch einen direkten Nutzen bringen und betriebswirtschaftlich ein kostendeckendes Handeln ermöglichen“, betont Staatsrat Jan Pörksen, der eine Lenkungsgruppe zur Neustrukturierung der HAB leitet, an der auch die Geschäftsführung und der Betriebsrat sowie ein externer Unternehmensberater beteiligt sind. „Ich verstehe, dass die erhebliche Verkleinerung für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schmerzhaft ist. Alle Beteiligten wissen aber auch, dass der Anpassungsprozess unvermeidlich ist. Wir gestalten die Sanierung deshalb sozial verträglich. Im Mittelpunkt der jetzt beginnenden Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan wird das Ziel stehen, neue Perspektiven für die Beschäftigten der HAB aufzubauen.“
Auf Empfehlung der Lenkungsgruppe hat sich die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration entschlossen, die HAB auf folgende Kernbereiche zu reduzieren:
· Programm „40 flankierende SozialbetreuerInnen“: Wer am sozialen Arbeitsmarkt teilnimmt, soll mit Hilfe dieses Programms zusätzlich über integrationsorientierten Maßnahmen des Jobcenters beraten werden. Mittelfristig soll dadurch erreicht werden, dass diese Personen wieder in Beschäftigung eingegliedert werden. Dadurch sinken auch die finanziellen Aufwendungen der Stadt Hamburg für diesen Personenkreis.
· Schuldnerberatung: An den Hamburger Angeboten der Schuldnerberatung wird sich die HAB weiter beteiligen, insbesondere im Zusammenhang mit den flankierenden Leistungen. Ressourcen können ergänzend ausgelastet werden.
Aus dem Geschäftsfeld der Durchführung von Arbeitsgelegenheiten gem. § 16 d SGB II wird sich die HAB hingegen zurückziehen. Angestrebt wird, die zurzeit von der HAB verwalteten 694 Plätze für Arbeitsgelegenheiten (AGH) in Abstimmung mit dem Jobcenter team.arbeit.hamburg an andere Träger zu übertragen. Ziel ist, dass die im AGH-Bereich gegenwärtig beschäftigten Mitarbeiter der HAB bei diesen Trägern ihre berufliche Tätigkeit fortführen können. Arbeitsgelegenheiten, die nicht auf andere Träger übertragen werden können, werden von der HAB gemäß den für das Jahr 2012 gültigen vertraglichen Verpflichtungen mit Jobcenter team.arbeit.hamburg weitergeführt.
Weiter umgesetzt werden auch die bestehenden und vorgesehenen Angebote der HAB im Bereich der Schulessenversorgung sowie das Fahrradhaus in Bergedorf. Die eingegangenen Verpflichtungen werden vollumfänglich erfüllt und die sich tragenden Projekte sollen langfristig erhalten bleiben. Parallel werden die Projekte der HAB Service GmbH darauf hin überprüft, ob sich für die Zukunft auch hier andere Kooperationspartner finden, die die Projektmitarbeiter der HAB übernehmen.
Für die Mitarbeiter der HAB, die weder in der zukünftigen Kern-HAB beschäftigt sein werden, noch im Rahmen des Projektübergangs auf andere Träger ihre Aufgaben zukünftig bei einem Dritten wahrnehmen können, wird eine Transfergesellschaft angestrebt mit dem Ziel, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Dem Aufsichtsrat der HAB wird die Lenkungsgruppe am 8. März 2012 konkrete Vorschläge zur Entscheidung vorgelegen.
Die Hamburger Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft mbH (HAB) ist ein städtisches Unternehmen, das seit 1983 als führender arbeitsmarktpolitischer Dienstleister der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) agiert. Die HAB und ihre Tochtergesellschaft HAB Service GmbH beschäftigen derzeit rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Ziel, arbeitslose Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen. Mit der Reform der Sozialhilfe und dem Inkrafttreten des Sozialgesetzbuchs II (SGB II) im Jahr 2005 hat sich die Geschäftsgrundlage der HAB dramatisch verändert. Zahlreiche wichtige Geschäftsfelder sind in den darauffolgenden Jahren weggefallen, zudem ist der Umsatz auf etwa ein Viertel zurückgegangen.