Esther Bejarano lächelte, Erich Kästner und Ringelnatz hätten sich auch gefreut: Drittklässler der Schule an der Isebek trugen Gedichte vor, um an die Bücherverbrennung vor 81 Jahren genau an dieser Stelle am 15. Mai 1933 zu erinnern. Jedes der 22 Kinder hatte ein Gedicht ausgewählt, alle wollten unbedingt mitmachen, berichtete ihre Lehrerin Renate Wegner.
Kurz nach 11 Uhr hatte Esther Bejarano die 14. Marathonlesung in Folge eröffnet mit den Worten:
„Heute, 81 Jahre nach der Bücherverbrennung am 15. Mai 1933, stehen wir an der Stelle, an der damals die Bücher verbrannt wurden, die nach Meinung der Nazis nicht gelesen werden sollten oder durften. Leider müssen wir wieder und wieder an die Verbrechen der Nazis erinnern, weil vor allem nach die Bücherverbrennung dann auch Menschen verbrannt, erschlagen, erschossen und durch furchtbare harte Zwangsarbeit umgebracht wurden. Ich weiß wovon ich rede.“ Vor 29 Jahren, als der Gedenkplatz eingeweiht wurde, war die 89-jährige Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück auch schon dabei. Ebenso Peggy Parnass, die am Nachmittag erwartet wird, um aus ihrem Buch „Süchtig nach Leben“ zu lesen.
Der Schauspieler Rolf Becker hatte mit einer furiosen Rezitation begonnen. Wolfgang Rose, ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di hatte genauestens den Ablauf der Bücherverbrennungen geschildert und die anwesenden Schülerinnen und Schüler direkt angesprochen:“[…], was hat das alles mit euch zu tun, die ihr mehrere Generationen später aufwachst? Sollen wir von euch erwarten, dass ihr die schwere Last der Schuld aus der deutschen Geschichte auf eure Schultern nehmt? Nein, ihr steht ebenso wenig in einer Schuld wie die Nachkriegsgeneration, zu der ich gehöre. Aber wir haben eine Verantwortung für unsere und aus unserer Geschichte. Die heutige Marathonlesung, zum Beispiel, ist Ausdruck dieser Verantwortung.“
Auch Steffi Wittenberg, Schirmfrau des Monats des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel, schaute zufrieden drein, weil auch die Ida Ehre Schule (ehemals Jahnschule) vertreten war, von der sie als jüdisches Kind verwiesen wurde (www.gedenken-eimsbuettel.de). Am Nachmittag lesen noch Klaus Robra, Thomas Ebermann, erwartet werden auch die Schauspielerinnen Ingeborg Kallweit, Sylvia Wempner und Hella Schwemer, die Direktorin der Bücherhallen Hamburg, der Klezmerlech-Chor der liberalen Jüdischen Gemeinde u.v.a.m..
Im Rahmen des 6. Klotzfestes (Engagement für ein Deserteursdenkmal) am Dammtor hatten Autorinnen der GEDOK, der BücherFrauen und des P.E.N. schon am 10. Mai Texte verbotener Autorinnen und Autoren vorgetragen. Moderiert hatte Nina George, GEDOK- und P.E.N-Mitglied, die erklärte:
„So trug man in Deutschland von Mai bis Oktober 1933 abertausende Bücher zum Scheiterhaufen. Mit Feuereifer. Bibliotheken. Studenten. Professoren. Soldaten. Hitlerjugend. Und ganz normale Leute. Sie machten einfach mit. Die Autorinnen und Autoren der Schwarzen Liste verloren ihre Leser, verloren ihr Zuhause und viele verloren ihr Leben. Genau das haben die Brandstifter bewirken wollen: Das Vergessen für immer. Es ist ihnen nicht gelungen. Denn wir vergessen nicht!
Am 10. Mai haben wir, die Frauen der Literaturgruppe der GEDOK, an einige verfolgte, zum Schweigen verdammte Stimmen erinnert, die hier in Hamburg verbrannt wurden im Jahr 1933: am Kaiser-Friedrich-Ufer, am Lübeckertorplatz, in den Boberger Dünen, in Privatgärten in Eimsbüttel und Lohbrügge. Wir geben ihren verbrannten Stimmen unsere Stimme: Inga Sawade für Erich Maria Remarque, Daniela Kletzke für Marieluise Fleißer, Maresa Lühle für Abraham Sutzkever, Nina George für Erich Kästner, Oskar Maria Graf und Bertolt Brecht. Die Vorsitzende der GEDOK Hamburg, Dr. Sabine Rheinhold, stellt den Roman „451 Grad Fahrenheit“ von Ray Bradbury vor.“
http://blog.buecherfrauen.de/81-gedenktag-der-buecherverbrennungen-in-deutschland/
Arbeitskreis „Bücherverbrennung – nie wieder!“ unterstützt durch:
Bücherhallen Hamburg, Auschwitz-Komitee in der BRD e.V., ver.di Hamburg, StuPa der Universität Hamburg, P.E.N.-Deutschland, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – BdA, Hamburg, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Eimsbütteler Turnverband – ETV Hamburg, NaSchEi – Nachbarschaft und Schule Eimsbüttel und weitere Organisationen
Kontakt: Helga Obens Tel.: 0175 9 374 446, Fax: 040 380 178 538 74
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