Hakenkreuze sind kein Spielzeug!

Gastbeitrag von Wolfgang Rose in der Hamburger Morgenpost vom 26. September 2019

Dienen Hakenkreuze und SS-Runen in Computerspielen der „staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte“, wie es das Strafgesetzbuch in § 86 verlangt? Nein, das tun sie nicht.

Die Freigabe von Computerspielen mit Nazi-Symbolen ist ein Fehler – und er schadet nicht nur Jugendlichen. „Mit Hakenkreuzen spielt man nicht“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vor einem Jahr anlässlich der Veröffentlichung des ersten Computerspiels mit verfassungswidrigen Symbolen wie Hakenkreuz und Hitlergruß in Deutschland: „Gerade in Deutschland müssen wir uns auch heute unserer besonderen historischen Verantwortung immer bewusst sein.“

Vor einem Jahr hat die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK) entschieden, Computerspiele mit Nazi-Symbolen freizugeben. Damit wurde eine rote Linie überschritten: Die Gleichbehandlung von Computerspielen mit Filmen, von der Games-Branche seit Langem gefordert, ist eine Fehlentscheidung, denn die Wiederholbarkeit und Wirkung von Gewalt in Games ist deutlich problematischer, und auch die unübersichtliche private Verbreitung ohne wirksame Altersgrenzen erschwert jede medienpädagogische Intervention. Die Selbstkontrolle der Unternehmen hat versagt.

Mit der Freigabe des ersten Ego-Shooter-Spiels „Wolfenstein: Youngblood“ hat die USK nun diese Entscheidung auch in einem „Ballerspiel“ umgesetzt: Ein Spiel, das im Paris der 1980er Jahre angesiedelt ist und das Abschießen von Nazis ins Zentrum stellt, stellt keinen wirklichen zeitgeschichtlichen Bezug zur NS-Zeit her. Äxte in Köpfen und explodierende Menschen im Kontext einer schwer gewalthaltigen Bildersprache sind auch mit der Alterskennzeichnung „ab 18“ nicht sozialverträglich. Die Nazi-Symbole dienen in diesen aggressiven Gewaltspielen nur als Aufregungsfaktor mit pseudo-historischen Bezügen.

Diese Entwicklung ist nicht banal. Hier werden keine historisch aufklärenden Geschichten von antifaschistischen Widerstandskämpfern erzählt, sondern es wird schrittweise eine Tür aufgestoßen, die unter dem Deckmantel angeblicher Kunstfreiheit eine schleichende Akzeptanz von Hakenkreuzen und anderen Nazisymbolen befördert, die besonders angesichts der aktuellen rechtsextremistischen Gewalttaten verheerende Folgen haben kann.

Spiel für Spiel wird hier eskaliert: Es ist an der Zeit, diese Entwicklung zu stoppen, bevor es zu spät ist. Ballerspiele mit Nazi-Symbolen sind nicht sozial adäquat, Hakenkreuze in Gewaltspielen sind keine „staatsbürgerliche Aufklärung“. Die Verwendung solcher Kennzeichen muss eine Straftat bleiben.

Der Medienrat Hamburg/Schleswig-Holstein hat sich klar hinter diese Forderung gestellt. Große Elektronikmärkte haben reagiert und erklärt: Hakenkreuze kommen uns nicht ins Haus. Gefordert sind jetzt die Jugendministerien der Länder, in Hamburg die Behörde für Schule und Berufsbildung. Sie sollte keinen Zweifel daran lassen: Hakenkreuze sind kein Spielzeug.

(HMP:Hamburger Morgenpost)

Wolfang Rose (72) war früher Landesbezirksleiter von Ver.di, ist SPD-Politiker, Bürgerschaftsabgeordneter und gehört dem Fraktionsvorstand an. Er ist Mitglied in den Ausschüssen Arbeit & Soziales, Wirtschaft und Kultur.0

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.