Geheimabsprachen zur Stresemannstraße?

220 Menschen werden zusätzlich von erheblichem Verkehrslärm betroffen, 340 andere dafür entlastet: So stellt sich das Ergebnis von Gesprächen da, die GAL-Altona, -Mitte, die CDU und Senatsvertreter miteinander geführt haben. Entlastet werden soll offenbar die Stresemannstraße, belastet dagegen die Holstenstraße. Wie weit die Bewohner der Hexenbergsiedlung, der Paul-Roosen-Straße und anderer anliegender Bebauung dabei mitgezählt wurden, ist nicht bekannt.

Das schreibt Altonas SPD zum Thema:

CDU und GAL in den Bezirken Altona und Hamburg-Mitte wollen den Schwerlastverkehr aus der Stresemannstraße in die Holstenstraße und an den Hafenrand verlagern. Der Senat hat jetzt in einer Anfrage der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Britta Ernst (Drucksache 18/7359) zugegeben, dass dazu bereits mehrfach Gespräche geführt worden sind.

Der Senat räumte ebenfalls ein, dass sich bei einer Umleitung des Schwerlastverkehrs durch die Holstenstraße die Lärmsituation für 220 Betroffene verschlechtern würde gegenüber einer Verbesserung für 340 Betroffene in der Stresemannstraße.

Keine Angaben konnte der Senat darüber machen, inwieweit die Anwohner der Hexenbergsiedlung lärmbetroffen wären, wenn Gefahrgut-LKWs über die Straße Pepermölenbek geführt werden. Die SPD-Fraktion Altona kritisiert, dass – anders als noch bei der Planungswerkstatt – diese Planungen nicht mit der Bevölkerung oder den zuständigen Bezirksämtern und Bezirksversammlungen erörtert wurden, sondern ausschließlich in Gesprächsrunden von CDU und GAL mit der Leitung der Stadtentwicklungsbehörde.

Dazu Hans-Jürgen von Borstel, SPD-Sprecher im Altonaer Verkehrsausschuss: „Es gibt nicht Bürger erster und zweiter Klasse. Wir fordern gleiches Recht für alle beim Umgang mit Verkehrsbelastungen. Es ist problematisch, dass der Senat offenbar keinerlei Erkenntnisse über eine Auswirkung der veränderten Verkehrsströme auf die Gebiete zwischen Max-Brauer-Allee und Reeperbahn und an der Pepermölenbek hat. Dies betrifft sowohl die Unfallgefahren, die sich aus dem LKW-Verkehr ergeben, als auch auf die Lärm- und Abgasbelastung beispielsweise im neuen ‚familienfreundlichen Wohnquartier‘ entlang der Holstenstraße, vor den Liegewiesen des neuen Schwimmbades, vor dem Neubau der Endoklinik mit Rehazentrum oder entlang der Pepermölenbek, um nur die Altonaer Gebiete zu nennen. Eine Anwohnerbeteiligung hat es in all diesen Gebieten ebenfalls nicht gegeben. Wir fordern daher die Behörde für Stadtentwicklung und Verkehr auf, die bekannt gewordenen Pläne fallen zu lassen. Statt dessen sollte nach Lösungen gesucht werden, wie die LKW-Ströme in Altona insgesamt reduziert werden können.“

Die SPD-Fraktion hat dazu einen entsprechenden Antrag in die Bezirksversammlung eingebracht, der morgen beraten werden wird.

Die von der Planungswerkstatt geforderte Dreispurigkeit der Stresemannstraße wird laut Antwort des Senats abgelehnt, da die Abwicklung von Erschließungs-, Rettungs- und insbesondere Linienbusverkehr mangels verkehrssicherer Ausweichmöglichkeit in den Gegenverkehr nicht zu gewährleisten wäre. Insgesamt seien die Prüfungen des schwarz-grünen Vorschlags noch nicht abgeschlossen, ein endgültiges Ergebnis der Umsetzung von konkreten Planungen bleibe abzuwarten, teilte der Senat mit.

1 Gedanke zu „Geheimabsprachen zur Stresemannstraße?“

  1. Scheitert die Planungswerkstatt Stresemannstraße an der SPD?

    Die Altonaer SPD erweckt – wider besseren Wissens – den falschen Eindruck, die Ergebnisse der Planungswerkstatt würden generell von der Stadtentwicklungsbehörde abgelehnt und stattdessen seien „Geheimverhandlungen“ geführt worden. Mit Ausnahme der Forderung nach drei Fahrstreifen werden fast alle wichtigen Empfehlungen aufgegriffen: Die Reduzierung des Schwerlastverkehrs, Aufhebung der Gefahrgutstrecke, die Neufassung des Bebauungsplans. – darüber ist in Altona über ein Jahr lang öffentlich diskutiert worden (Nachzulesen unter http:/fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/bezirke/altona/umwelt-verkehr/planungswerkstatt/start.html )
    Für die Reduzierung des Schwerlastverkehrs in dieser Straße haben sich alle Altonaer Fraktionen, auch die SPD, noch im Juni 2006 ausgesprochen.
    Nun, nachdem bald die Wahlen anstehen, möchte sich die SPD daran offenbar nicht mehr erinnern, weil es ja ein „schwarz-grüner Vorschlag“ ist. Dabei hat die SPD selber seinerzeit die Busspuren in der Stresemannstraße eingeführt und sich immer gegen deren Abschaffung ausgesprochen! Und wer hat eigentlich dieses Dauerproblem Stresemannstraße als Nadelöhr für den Schwerlastverkehr eingerichtet?

    Wir Anwohner können mit diesen wahltaktischen Manövern nicht viel anfangen, sondern können nur fassungslos zusehen, wie eine Partei ihre Positionen nach Belieben ändert.
    Die Altonaer SPD weiß auch, daß es sich jetzt um eine Verlagerung von 1200 Lkw mit einem Lärmvolumen von 1 dB(A) handelt und diese natürlich nicht exklusiv über die Holstenstraße fahren sollen, die Belastung dort also gering ausfallen würde. Bei der Altonaer Bezirksversammlung im November war dann übrigens auch keine Rede mehr von den angeblichen „Bürgern zweiter Klasse“, stattdessen war der Versuch der SPD zu erleben, die Planungswerkstatt als gescheitert darzustellen.

    Man kann nur hoffen, daß es in der SPD noch verantwortungsvollere Politiker besonders in der Landesspitze gibt, wenn die Behörde die Maßnahmen mit den Bezirken weiter abstimmen will. Eine Werbung für Rot-Grün, liebe Genossen, sieht jedenfalls anders aus.
    Denn gerecht und sozial ist hier, was die Ungerechtigkeit der völligen Überlastung in der Stresemannstraße zu vermindern hilft!

    Nachfolgend die Presseerklärung unserer Initiative vom 22.11.07

    Die AnwohnerInnen-Initiative Stresemannstraße begrüßt die in den letzten Tagen bekannt gewordenen Vorschläge aus der Behörde für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr zur Verlagerung von Schwerlastverkehr aus der Stresemannstraße. Die Umsetzung dieser Pläne (erste Presseerwähnung Die Welt 20.7.07) wäre ein erster Schritt zur Verwirklichung der Beschlüsse der Planugswerkstatt Stresemannstraße, die in den Jahren 2005 und 2006 stattgefunden hat.

    Seit Aufhebung der Busspuren im Februar 2002 ist der Autoverkehr hier um bislang etwa 9000 Fahrzeuge pro Tag immer weiter gestiegen. Regelmäßige Überschreitungen bei den N02 – und Feinstaubwerten, ständige Unfälle mit Lkw-Beteiligung an der Sternbrücke und Erschütterungen der Wohnungen durch Bahn und Schwerlastverkehr: Nirgendwo auf Hamburgs Hauptverkehrsstraßen summieren sich die Probleme wie in dieser engen Straßenschlucht.
    Zur Diskussion der Probleme und zur Erarbeitung von Lösungsvorschlägen wurde im Bezirk Altona eine Planungswerkstatt eingerichtet. Vertreter der BSU haben unterstützend eine Untersuchung zu Menge, Art und Herkunft des hiesigen Schwerlastverkehrs durchgeführt. Daraufhin wurden Ideen zur Vereinbarkeit von Wohnen und Verkehr in dieser Straße entwickelt und von Politik, Verwaltung und Anwohnern gemeinsam beschlossen:
    – Drei statt bislang vier Fahrstreifen
    – Reduzierung des Schwerlastverkehrs
    – Aufhebung der Straße als Gefahrgutstrecke
    – Neufassung des Bebauungsplanes

    Diese Ziele hat sich die Bezirksversammlung Altona im Juni 2006 zu eigen gemacht. Die BSU lehnt die Dreispurigkeit ab, hat aber Vorschläge erarbeitet, die jedoch noch mit der Innenbehörde abgestimmt werden müssen.
    Diese sehen eine Verlagerung von etwa einem Drittel des täglichen Schwerlastverkehrs aus der Stresemannstraße vor, ca. 1200 Fahrzeuge des sogenannten Zugverkehrs, also vor allem Sattelschlepper. Die Simon-v.Utrecht-Straße soll ebenfalls erstmals für diesen Verkehr gesperrt werden. Eine bestimmte Alternativtrasse wird nicht zugewiesen. Die Erfahrungen aus den Zeiten der Busspuren zeigen, daß vor allem die Fruchtallee und die Verbindung Holstenstraße/Reeperbahn als Ausweichrouten genutzt werden.Eine neue Zuweisung soll es nur für die Gefahrgüter geben, die heute bereits stadtauswärts über den Hafenrand geleitet werden und dort zukünftig auch stadteinwärts fahren sollen.
    Auf Wunsch der Fraktionen der Bezirksversammlung Mitte sollen Fahrradwege auf der Reeperbahn eingerichtet werden, um diesen Verkehr vom Schwerlastverkehr zu trennen.
    Schließlich soll auch der Bebauungsplan für die Stresemannstraße erneuert werden.

    Diese Vorschläge wären unseres Erachtens geeignet, besonders hohe Lärmemissionen aus der Stresemannstraße zu verbannen, die Abgaswerte zu senken und die Unfallgefahren zu mindern. Besonders die Vermeidung von Unfällen mit Gefahrgütern kommt inmitten des engen, dichtbesiedelten Straßenraums besondere Bedeutung zu.
    All dies würde geschehen, ohne daß eine andere Straße auch nur annähernd in ähnlicher Form belastet wird. Im Gegenteil werden wichtige Wohnstraßen wie die Feldstraße, die Budapester Straße und die Simon v. Utrecht- Straße mitentlastet. Die neuen Belastungen verteilen sich so, daß es nirgendwo zu einem erheblichen Anstieg kommt. Vergleichsweise gering sind diese ganz besonders, wenn man an die weitaus größeren Verkehrszahlen für die Ausweichrouten der Stresemannstraße zu Zeiten der Busspuren denkt.
    Am Ziel der Verwirklichung der Dreispurigkeit für die Stresemannstraße halten wir fest…

    v.i.S.d.P..: Holger Sülberg, Stresemannstraße 75, 22769 Hamburg
    Kontakt: m.klary@web.de
    Näheres auch unter : http://www.strese-ini.info

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