ver.di übereicht Appell an Wirtschaft & Politik – Aktion am 20.03. im Rathaus und vor der Handelskammer
Zusammen mit Betriebs- und Personalräten überreicht die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) am Freitag, den 20. März mit einer Performance den „Hamburger Appell gegen den Befristungswahn“ an Vertreter des Hamburger Senats und der Handelskammer.
In dem Appell sprechen sich knapp 100 Betriebs- und Personalratsvorsitzende aus dem Hamburger Dienstleistungs-sektor gegen die Befristungspraxis in der Hansestadt aus. Darunter Unternehmen wie Asklepios, SAGA GWG, Deutsche Post AG und der Hamburger Flughafen, aber auch öffentliche Betriebe wie die Friedhofsgärtnereien und die Hamburg Port Authority (HPA).
Nach wie vor arbeitet jeder achte Beschäftigte in Hamburg in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Das sind 12,43 %, während der Bundesdurchschnitt bei lediglich 7,5 % liegt. Bei den 95.000 befristet Beschäftigten in Hamburg ist von 47.000 sachgrund- losen Befristungen auszugehen, bei denen ohne einen Grund wie z.B. Krankheits- oder Elternzeitvertretung ein befristeter Vertrag abgeschlossen wurde.
(Quellen: Mikrozensus / Statistikamt Nord; IAB / Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)
„Befristungen schaffen permanente Unsicherheit für die Beschäftigten am Arbeitsplatz und im Privatleben“, sagt Katharina Ries-Heidtke, Konzernbetriebsratsvorsitzende von Asklepios Hamburg. „Ich erwarte vom neuen Senat, dass er in Bereichen in denen die Stadt Hamburg Einfluss hat, gegensteuert und diese Form der prekären Beschäftigung eindämmt.“
Bereits im Bürgerschaftswahlkampf hatten sich SPD und GRÜNE für eine Reduzierung der Befristungen in Betrieben der öffentlichen Hand ausgesprochen. Jetzt fordert ver.di Hamburg konkrete Schritte zur Umsetzung des Wahlversprechens durch eine regionale Regelung, ähnlich dem Landesmindestlohngesetz. Zusätzlich erwartet ver.di vom Senat, dass sich Hamburg in der aktuellen Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes für den tariflichen Ausschluss von sachgrundlosen Befristungen für die Beschäftigten der Länder stark macht.
In der freien Wirtschaft fordert ver.di Hamburg die Arbeitgeber auf, tariflichen und betrieblichen Regelungen zum Ausschluss von sachgrundlosen Befristungen zuzustimmen, solange das bundesweite Befristungsgesetz noch eine missbräuchliche Befristungspraxis zulässt.
„Gerade im Einzelhandel werden neue Beschäftigte grundlos in die Schleife der Befristung gesteckt“, sagt Ulla Stolle, Betriebsratsvorsitzende von Karstadt, Mönckebergstraße. „Für junge Menschen heißt das u.a. massive Probleme bei der Wohnungssuche und der Aufnahme eines Kredites“. Stolle weiter: „Die Handelskammer muss hier ein Signal für die Wirtschaft setzen und sich offiziell gegen sachgrundlose Befristungen aussprechen“.
Der Appel wird mit einer Performance um 10.00 Uhr im Hamburger Rathaus und um 10.15 Uhr vor der Handelskammer an Vertreter aus Wirtschaft und Politik überreicht. Anschließend stehen ihnen die Akteure für Nachfragen und O-Töne zur Verfügung.