Gedenken an Deserteure beim Kirchentag

Der „Kriegsklotz“ am Stephansplatz soll auch zu einem Erinnerungsort an die Deserteure werden. Die Ev. Akademie der Nordkirche wird dort gemeinsam mit dem „Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal“ am 4. Mai eine öffentliche Veranstaltung durch führen. Reden werden. u.a. Bischof Gerhard Ulrich, der Abgeordnete und ehemalige ver.di-Landesleiter Wolfgang Rose sowie der Deserteur und Friedensaktivist Ludwig Baumann.

Aus dem Veranstaltungs-Flyer der Ev. Akademie, herausgegeben von Pastor Ulrich Hentschel:

»Deutschland muß leben – und wenn wir sterben müssen« ist die massenmörderische Parole von Hamburgs monumentalsten und zentralem Kriegerdenkmal. An diesem Platz soll ein Ort der Erinnerung an die hingerichteten Deserteure und andere Opfer der Nazi-Wehrmachtsjustiz geschaffen werden.
Die letzten Erschießungen deutscher Soldaten in Hamburg fanden noch Ende April 1945 statt. Bis dahin folgte die NS-Militärjustiz überzeugt und bedingungslos der Vorgabe Hitlers »Der Soldat kann sterben, der Deserteur muß sterben.« Annähernd 20 000 Menschen wurden nach Urteilen von deutschen Kriegsgerichten hingerichtet. Viele wurden in Hamburg auf dem Kasernengelände am Höltig- baum erschossen, andere wurden im Untersuchungsgefäng- nis, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Messe- hallen befindet, mit dem Fallbeil getötet.
Direkt am Kriegerdenkmal wird während des Kirchentages täglich mit kurzen Kundgebungen Musik und künstlerischen Aktionen informiert und debattiert über die Bedeutung der Erinnerung an die Menschen, die noch bis vor wenigen Jahren als »Vaterlandsverräter« geschmäht und politisch und sozial diskriminiert wurden.
Am Samstag geht es dabei vor allem um biblische und politische Impulse von profilierten Christen auf die mit dem Denkmal gestellten Fragen.
Kontakt: Pastor Ulrich Hentschel, ulrich.hentschel@akademie.nordkirche.de

Samstag, 4. Mai Programm
11.30 Uhr
Musik: Karsten Glinski, Saxophon
12.00 Uhr
Bischof Gerhard Ulrich
Was bedeutet die Erinnerung an die Opfer der Wehrmachtsjustiz für die Kirche heute?
12.30 Uhr
Wolfgang Rose, ehemals Vorsitzender ver.di Hamburg
Erinnerung an diesem Ort: ein gesellschaftlicher und politischer Auftrag
14.00 Uhr
Prof. Fulbert Steffensky
Die Nachricht der Hingerichteten
14.45 Uhr
»Himmlisches Vergnügen« mit Ele Grimm, Geige, und Krischa Weber, Cello
15.00 Uhr
Prof. Jürgen Ebach
Keine Helden
Impulse aus den Kriegsgesetzen in 5. Mose 20
16.00 Uhr
Ludwig Baumann, Deserteur und Friedensaktivist
Aus dem Tod zum Leben

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