Die SPD-Fraktion hat in einer Zwischenbilanz eine ernüchternde Bilanz beim Ausbau der Ganztagsschulen in Hamburg gezogen. „Der Senat hat das Bundesprogramm zum Ausbau der Ganztagsschulen „Zukunft Bildung und Betreuung“ sozial ungerecht umgesetzt. Auch hier leistet er einen Beitrag zur sozialen Schieflage. Der Senat hat die leistungsschwachen Schüler benachteiligt. Außerdem hat er zur Verfügung stehendes Geld bisher nicht genutzt – aus unerklärlichen Gründen“, sagte der SPD-Fachsprecher für Bildungspolitik, Wilfried Buss.
Die SPD-Bildungspolitikerin Britta Ernst forderte eine Initiative, die an das Bundesprogramm anknüpft und die die weitere zügige Umwandlung von Schulen in Ganztagsschulen zum Ziel hat.
Kritik übten die SPD-Abgeordneten auch an der organisatorischen Umsetzung des Ganztagsschulprogramms. Es sei bisher versäumt worden, bei der Umwandlung von Schulen in Ganztagsschulen auch die besonderen Raumanforderungen dieser Schulform – etwa Aufenthalts- oder Gruppenarbeitsräume – zu berücksichtigen. Auch habe der Senat es nicht geschafft, das Ausbauprogramm mit einer Qualitätsoffensive zu verbinden. In einem Bürgerschaftsantrag fordert die SPD-Bürgerschaftsfraktion konkrete Schritte für eine bessere Verwendung der Mittel aus dem Bundesprogramm.
Bilanz: Ausbau von Ganztagsschulen
Das Programm „Zukunft Bildung und Betreuung“ der SPD-geführten Bundesregierung hat einen einmaligen Anstoß für den bundesweiten Ausbau der Ganztagsschulen gegeben. Mit den bereitgestellten Investitionsmitteln in Höhe von 4 Milliarden Euro sollte ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen in ganz Deutschland geschaffen werden.
Mit dem Ausbau von Ganztagsschulen sind große Hoffnungen verbunden:
• eine Verbesserung der Leistungsniveaus der Schüler,
• eine gezielte individuelle Förderung,
• eine bessere Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Schichten sowie
• eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Ganztagsschule stellt eine Perspektive dar, durch eine längere Anwesenheit in der Schule die Leistungen und Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. „Gerade leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler sowie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund brauchen ganztägige Angebote zur Vertiefung des Gelernten“, betonte Buss. Aber auch besonders begabte Kinder und Jugendliche könnten durch spezielle Angebote profitieren.
Zwar sei es noch zu früh, festzustellen, ob diese Ziele auch erreicht wurden. Aber es ist möglich, zu prüfen, ob die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden. Für Hamburg zeichnet sich dabei ein unzureichendes Bild ab. Die Auswertung diverser parlamentarischer Anfragen hat folgendes Ergebnis erbracht:
1. Der Ausbau von Ganztagsschulen erfolgt in Hamburg sozial ungerecht
Gymnasien haben überproportional viel und Sonderschulen besonders wenig Geld erhalten. Die Verteilung der Bundesmittel auf die Schulformen in Hamburg sieht wie folgt aus:
• Gymnasien 54,2 % (29 Mio. €),
• Grund-, Haupt- und Realschulen 25 % (13,4 Mio. €),
• Gesamtschulen 14,6 % (7,8 Mio. €),
• Sonderschulen 6,2 % (3,3 Mio. €).
Buss sprach von einem „bildungspolitischen Desaster“. Statt die Gelder nach sozialen Kriterien zu verteilen und vor allem in sozialen Brennpunkten Ganztagsschulen einzurichten, habe der Senat die Mittel zur Schulzeitverkürzung an den Gymnasien verwendet. „Das Ergebnis sind überforderte Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien. Es ist kontraproduktiv, dass diese jungen Leute lediglich Nachmittagsunterricht mit Mittagspause angeboten bekommen. Ein solches Angebot macht noch keine Ganztagsschule aus. Im Gegenteil: Es schadet ihrem guten Image.“
Betrachtet man die Verteilung der Schüler auf den Ganztagsschulen, wird das soziale sowie pädagogische Ungleichgewicht noch deutlicher:
• Gerade 8,24 Prozent der Grundschulkinder besuchen eine Ganztagsschule.
• Nur 6,7 Prozent der Haupt- und Realschüler gehen auf eine Ganztagsschule.
• Lediglich 2,2 Prozent der Förderschüler besuchen eine Ganztagsschule.
• Bei den speziellen Sonderschulen besuchen lediglich 3,28 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule, obwohl besonders in diesen Schulformen Ganztagsschulen pädagogisch sehr sinnvoll wären.
• Aber: 17,69 Prozent der Gesamtschüler und 58,36 Prozent der Gymnasiasten gehen auf eine Ganztagschule.
Als Fazit stellt Buss fest: „Beim Ausbau der Ganztagsschulen hat der Senat falsche Prioritäten gesetzt. Anstatt die Fördergelder überwiegend den lernschwachen und sozial benachteiligten Schülern zu kommen zu lassen, hat er die Gelder hauptsächlich den leistungsstarken Schülern gegeben.“ Buss betonte, es gehe nicht darum, Schüler oder Schulformen gegeneinander auszuspielen. „Aber der Staat muss besonders dort eingreifen, wo ohne sein Handeln gerechte Bildungschancen nicht zu realisieren sind.“
2. Der Senat verzichtet auf Millionen aus Bundesprogramm
Der Senat hat das ihm zugewiesene Geld aus dem Bundesprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ nicht ausgeschöpft. Dies geht aus den Antworten des Senats auf zwei Kleine Anfragen der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Wilfried Buss und Britta Ernst hervor (Drs. 18/6499). So hat der Senat lediglich 53,7 Millionen Euro für verwendet. Insgesamt stehen Hamburg für den Zeitraum von 2003 bis 2007 jedoch 66,7 Millionen Euro zur Verfügung. Buss: „Schulsenatorin Dinges-Dierig hat die Chance verschlafen, 13 Millionen Euro für die weitere Entwicklung von Ganztagsschulen zu nutzen. Mit dem Geld könnten – bei durchschnittlichen Ausgaben von 413.000 Euro pro Schule – weitere 31 Schulen in Ganztagsschulen umgewandelt werden “
Am 24. November 2006 wurde beschlossen, den Förderzeitraum des Investitionsprogramms „Zukunft Bildung und Betreuung“ bis Ende 2009 zu verlängern. „Wir fordern die Schulsenatorin auf, die Hamburg zustehenden 13 Millionen auch tatsächlich abzurufen.“ Es sei nicht nachzuvollziehen, dass dies nicht längst passiert ist. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, in Hamburg gebe es keinen Bedarf.
3. Einsparungen erfolgen zu Lasten der bestehenden Ganztagsschulen
„Der Hamburger Senat hat den Ausbau der Ganztagsschulen sowie die Einführung des Abiturs mit zwölf Jahren im Jahr 2004 zum großen Teil durch die bestehenden Ganztagsschulen finanziert“, sagte Ernst. So werde bei den bereits bestehenden Ganztagsangeboten der pädagogische Mehrbedarf um 60% – in vier Schritten ab dem Schuljahr 2005/2006 bis zum Schuljahr 2008/2009 – abgesenkt. Dies ist besonders sozial unausgewogen, da die bereits vor 2004 bestehenden Ganztagsgrundschulen hauptsächlich in sozialen Brennpunkten liegen und gerade auf eine gute pädagogische Nachmittagsbetreuung angewiesen sind, sagte die SPD-Abgeordnete.
Die bereits erfolgten Einsparungen in den Schuljahren 2005/2006 und 2006/2007 haben die betroffenen Schulen bereits jetzt hart getroffen. So wurden Hausaufgaben- Sport-, Musik- und Werkkurse gestrichen, Lehrerstellen reduziert und Unterrichts- sowie Honorarstunden verringert. Auch fielen Nachmittagsangeboten bei Krankheit ersatzlos aus. (Drs. 18/6512 sowie 18/6552) Ernst: „Die bestehenden Ganztagsschulen wurden geschröpft. Schon jetzt wird deutlich, dass durch die weitere Sparrunde im Jahr 2007/2008 eine hochwertige pädagogische Betreuung nicht mehr im bisherigen Umfang gewährleistet werden kann. Wir fordern, die Sparrunden ab dem Schuljahr 2007/2008 auszusetzen.“
4. Der Senat plant offenbar keinen weiteren Ausbau von Ganztagsschulen
Da das Bundesprogramm ausläuft und der Bund durch die Föderalismusreform keine Zuständigkeit für weitere Programme hat, muss Hamburg die Verantwortung für den weiteren Ausbau der Ganztagsschulen übernehmen.
Der zukünftige Ausbau von Ganztagsschulen in Hamburg ist jedoch ungewiss. Für das Jahr 2008 hat der Senat im Haushaltsplan keine Gelder mehr für den Ausbau von Ganztagsschulen vorgesehen. Auch antwortet der Senat in der Kleinen Anfrage „Programm Zukunft Bildung und Betreuung“ (Drs. 18/6469) auf die Frage, ob weitere Ganztagsschulen geplant sind, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen. Buss: „Es ist peinlich, dass der Senat die Frage, ob er neue Ganztagsschulen will, nicht beantwortet. Er weiß nicht, was er will.“
Landesprogramm Ganztagsschule – die Forderungen der SPD
1. 100 Ganztagsschulen in sechs Jahren
Hamburg braucht, betonten Buss und Ernst, dringend ein regionales und über die Schulformen ausgeglichenes Netz an verbindlichen Ganztagsschulen. „Mehr Zeit zum Lernen“ zu ermöglichen ist für alle Schülerinnen und Schüler ein zentraler Baustein für bessere Lernerfolge.
In sechs Jahren sollen 100 Schulen in Ganztagsschulen umgewandelt werden. Das bedeutet, dass in sechs Jahren insgesamt 45% der Schülerschaft in eine echte Ganztagsschule gehen würde, das wären 74.939 Schülerinnen und Schüler.
Beim Ausbau der Ganztagsschulen ist vor allem die soziale Lage, ferner die gleichmäßige räumliche Verteilung und die Grundschulen zu berücksichtigen. Dies gelingt bereits dadurch, dass bei der Umwandlung der Ganztagsschulen die prozentuale Verteilung der Schulformen beachtet wird.
Die SPD-Bürgerschaftsfraktion fordert daher:
1. In sechs Jahren sind 100 Ganztagsschulen einzurichten.
2. Jährlich sind dabei zehn Grundschulen in Ganztagsschulen umzuwandeln.
3. Schon für das Schuljahr 2008/2009 sind 17 Schulen in Ganztagsschulen umzuwandeln.
4. Die investiven Kosten werden aus dem Sonderinvestitionsprogramm „Hamburg 2010″ gedeckt. Pro Schule fallen durchschnittlich 500.000 Euro an Umbaumaßnahmen an. 100 neue Ganztagsschulen kosten rund 50 Millionen Euro an Investitionsmitteln und somit 18,3 Millionen Euro pro Jahr.
5. Legt man die Mehrkosten von 1419 Euro pro Schüler und Jahr zu Grunde, kostet die Umwandlung von 100 Ganztagsschulen 60,5 Mio. Euro an Betriebsmitteln, 10,8 Millionen Euro pro Jahr. Die Deckung erfolgt durch den Titel 9890.971.03 „Rückstellungen für Mehraufwendungen“.
2. Ganztagsbetreuung für alle Grundschulen
In 75 Grundschulen gibt es keinen Hort, auch nicht in zu Fuß zu erreichender Entfernung (Drs. 18/6612). Nur rund 30 Grundschulen sind eine Ganztagsgrundschule. Buss: „Für berufstätige Eltern ist dadurch die Betreuung oft schwierig. Entweder übernehmen Tagesmütter die Betreuung nach der Schule, oder die Eltern verzichten auf eine Berufstätigkeit am Nachmittag.“
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hat der Hamburger Senat die Umwandlung von Grundschulen in Ganztagsschulen vernachlässigt. Sind in Nordrhein-Westfalen 36 Prozent aller Grundschulen bereits Ganztagsschulen (2005), sind es in Hamburg nur 12,7 Prozent (2007), bundesweit sind es durchschnittlich 23 Prozent (2005).
Buss: „Wir fordern daher ein Ausbauprogramm der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen. Ziel muss sein, dass an jeder Grundschule eine Ganztagsbetreuung angeboten wird: entweder durch eine Ganztagsgrundschule oder durch einen Hort.“ Da bei dem Ausbauprogramm der SPD-Bürgerschaftsfraktion „100 Ganztaggrundschulen in sechs Jahren“ schwerpunktmäßig Grundschulen in Ganztagschulen umgewandelt werden sollen, wird es in sechs Jahren 60 neue Ganztagsgrundschulen geben. Parallel muss das Hortangebot an den Grundschulen ausgebaut werden. „Eltern müssen die Möglichkeit haben an ihrer Grundschule ein Angebot für eine Ganztagsbetreuung für ihr Kind annehmen zu können“, forderte der SPD-Fachsprecher für Schulpolitik.
Die SPD-Fraktion fordert daher, an allen Grundschulen, die keine Ganztagsschule sind, ein bedarfsgerechtes Angebot an Hortplätzen vorzuhalten. Eine enge Kooperation zwischen Grundschule und Hort soll dabei sicherstellen, dass den Kindern eine ganztägige und ganzheitliche Bildung, Erziehung und Betreuung ermöglicht wird.
In Hamburg liegt die Betreuungsquote bei Horten bei 11 Prozent. Um herauszufinden, wie hoch der Bedarf an einer Hortbetreuung tatsächlich ist, muss eine Bedarfsanalyse vorgenommen werden. Dies hat nicht nur an den Schulen zu erfolgen, an denen es kein Hortangebot gibt, sondern an allen Grundschulen. Es muss auch untersucht werden, ob das bestehende Hortangebot ausreichend ist oder ob die Nachfrage größer ist als das Angebot.
Die SPD-Bürgerschaftsfaktion fordert den Senat auf,
1. in allen Grundschulen die Eltern zu befragen, ob sie eine Betreuung nach der Schule für ihre Kinder brauchen und wenn ja, in welchem Umfang.
2. auf Grundlage dieser Bedarfsanalyse muss der Senat dann eine Planung für den Ausbau der Hortbetreuung vornehmen. Dabei sind die Grundschulen ohne Ganztagsbetreuung vorrangig zu berücksichtigen.
3. Raumplanung für Ganztagsschulen: Von der Flickwerkplanung zum integrativen Zukunftsmodell
Die Schulbehörde hat die einmalige räumliche Entwicklungschance des Ausbauprogramms des Bundes vertan. In Hamburg wurden nahezu 90 Prozent der Hamburger Investitionsmittel in (rund 66 Mio. Euro) für den Bau und die Einrichtung von Kantinen, Küchen und Speiseräumen ausgegeben. Die Essensversorgung ist in Ganztagsschulen unerlässlich. Aber durch die Umwandlung aller Gymnasien zu Ganztagsschulen blieb kein Geld mehr für eine räumliche Umgestaltung der Schulen übrig, die den pädagogischen Erfordernissen einer Ganztagsschule entspricht und den Weg zu einer neuen Lernkultur aufzeigt.
Die Ganztagsschule hat einen speziellen Raumbedarf. Es muss Räume für eine große Bandbreite an Tätigkeiten geben: für Arbeitsgruppen und Projekte, zum Toben und zum Ausruhen, für Bibliothek, Mediothek oder eine Musikhörzone. Notwendig ist natürlich auch der Platz für eine Kantine. Dies hat die Bildungsbehörde in ihren Planungen nicht berücksichtigt.
Es müssen jedoch nicht nur neue Räume geschaffen werden. Auch müssen die bestehenden Klassenzimmer zu flexiblen Lernräumen umgestaltet werden. So sind z. B. Klassenräume, die durch den Einbau von Schiebetüren vergrößert oder verkleinert werden können, besonders praktisch für Projektarbeit, Arbeitsgruppen, Hausaufgabenhilfe etc.
Ein verstärkter Einsatz von Glas bei den Unterrichtsräumen bewirkt ferner, dass das bisher isolierte Klassenzimmer zu einem transparenten Lern- und Lebensort wird. Ferner brauchen die Lehrkräfte eigene Arbeitsplätze, da sie verstärkt in der Schule ihren Aufgaben wie Konzeption des Unterrichts und Korrektur von Klausuren nachkommen.
Viele Ganztagsschulen haben zu wenig Platz für die Erfordernisse einer Ganztagsschule. Dem ist Abhilfe zu leisten.
Daher fordert die SPD-Bürgerschaftsfraktion:
Ein Musterraumprogramm für Ganztagsschulen zu beschließen, das
1. die speziellen Raumbedarfe von Ganztagsschulen ausreichend berücksichtigt,
2. die Möglichkeit vorsieht bestehende Klassenräume in transparente und flexible Lernräume umzugestalten,
3. feste Arbeitsplätze für das pädagogische Personal vorsieht.
4. Mehr Verbindlichkeit der Ganztagsschulen
Gebundene Ganztagsschulen haben größere Vorteile als offene Ganztagsschulen. Sie unterbreiten zusätzliche Angebote und bieten dementsprechend mehr Zeit für das Lernen – etwa durch mehr Unterrichtsstunden, mehr Lernzeit für Schülerinnen und Schüler, die mehr Übungsphasen brauchen, Förderstunden in den Kernfächern sowie zusätzliche Übungsangebote und Hausaufgabenhilfe.
Daher sollen die bestehenden sowie die neuen Ganztagsschulen dazu bewegt werden, als voll gebundene Ganztagsschule zu arbeiten.
5. Qualitätsverbesserung des Schulalltags – Bessere Qualität von Schule und Unterricht durch eine rhythmisierte Ganztagsschule
Eine wichtige Begründung für das Ganztagsschulprogramm der Bundesregierung ist das Ziel, die Qualität des Lernens durch längeren Aufenthalt in der Schule sowie durch eine bessere Durchmischung des Schultages hinsichtlich der Fächerverteilung (Rhythmisierung) zu erreichen. Hinzu kommen Aspekte des sozialen Lernens und der besseren Vereinbarkeit von außerschulischen Angeboten sowie Hausaufgaben mit dem Schultag.
Längerer Aufenthalt in der Schule
Die Tatsache, dass Kinder an der Ganztagsschule länger in der Schule bleiben können, bringt Vorteile:
1. Ausbaufähige Sprachentwicklung wird durch das gemeinsame Lernen, Arbeiten, Essen und Spielen verbessert.
2. Das Lernen erhält positive Entwicklungen durch das gemeinsame Beisammensein von Kindern aus unterschiedlichen Kulturen und sozialen Schichten.
3. Der längere Schultag bietet bessere Möglichkeiten für Unterrichtsinhalte wie Projektlernen oder Arbeitsgemeinschaften – er bietet aber auch durch die Einführung von generellen Doppelstunden Chancen für individualisiertes Lernen.
Bessere Lernmöglichkeiten während des Schultags und während der Woche
Die Tatsache, dass eine Ganztagsschule mehr Zeit für die Unterrichtsverteilung über den Schultag hat, hat folgende Vorteile:
1. Die Einführung von generellen Doppelstunden ermöglicht eine neue, bessere Lernkultur im Unterricht. Das Lernen in Gruppen oder mit Partner wird forciert. Projekttage werden möglich.
2. Die Möglichkeiten des Miteinander-Lernens fördert die Lernleistung der Kinder aller Begabungsrichtungen.
3. Die Möglichkeit eines Wechsels von „kognitiven“ Fächern (z. B. Mathematik) mit künstlerischen Fächern oder Sport bietet die Chance, durch diesen Rhythmus-Wechsel in der Lernanspannung verbesserte Lernleistungen zu wecken.
4. Der Besuch von Förderkursen oder Kurse für begabte Kinder wird während der Schulwoche ohne Probleme im Stundenplan berücksichtigt.
Mehr außerschulische Angebote während des Schulbetriebs
Heute lernen viele Kinder in der herkömmlichen Ganztagsschule noch außerhalb der Schule weiter – in Jugendmusikschulen, Malkursen, Theatergruppen oder Sportvereinen. Dagegen bietet die „echte“ Ganztagsschule
1. die Einbeziehung von Musikkursen der Jugendmusikschule für alle Kinder, deren Eltern dies wollen und
2. die Einbeziehung von Theater- und Kunstkursen in den Schultag, bis hin zu Musik-“Produktionen“ der Schulen.
3. Die Einbindung von Sportvereinen im Stadtteil bietet den Kindern das erweiterte, günstige Angebot, interessante Sportarten kennen zu lernen und den Sportvereinen, Talente zu sichten und zu fördern.
Die Hausaufgaben in der Schule
Problematisch sind in der herkömmlichen Halbtagsschule – vor allem in den Augen vieler Eltern – die Hausaufgaben, mit denen sich Kinder und häufig auch Eltern am Nachmittag und Abend beschäftigen müssen. In Rheinland-Pfalz war die Tatsache, dass ihre Kinder die schriftlichen Hausaufgaben in der Schule erledigt hatten, der Hauptgrund für ca. 75% der Eltern, die Einführung der Ganztagsschule schon nach einem Jahr gutzuheißen. Dabei erhalten die Kinder gleichermaßen Unterstützung durch Lehrer oder Studenten während der Zeiten am Schultag, die für die Erledigung von schriftlichen Aufgaben bereitgestellt wird.
Das Versagen des CDU-Senats in diesem Bereich:
• Es gibt keine Vorgabe des Stundenplans für alle Ganztagsschulen,
• keine ausreichenden Ressourcen für die Rhythmisierung des Unterrichtstages,
• keine verbindliche Ausstattung und Platzierung der Hausaufgabenkurse und
• keine ausreichenden Rahmenverträge mit außerschulischen Anbietern von Kultur oder Sport.
• Bei der Ausgestaltung des Mittagessen-Angebots lässt der Senat die Schulen allein.
Deshalb fordert die SPD-Fraktion den Senat auf
• einen Bericht über den Entwicklungsstand der Rhythmisierung des Schulalltags in Hamburger Ganztagsschulen sowie über die Hilfsangebote der Behörde für Bildung und Sport vorzulegen
• einen Leitfaden herauszugeben, der Eckpunkte für die Gestaltung eines rhythmisierten Unterrichts enthält.