GAL fordert saubere Luft für die Hafencity

In einem großen Teil der Hafencity wird in Zukunft nicht gewohnt werden dürfen. Ursache dafür sind die Kreuzfahrtschiffe, die am neuen Kreuzfahrtterminal anlegen werden. Ihre Schadstoffemissionen sind derart hoch, dass sie die Grenzwerte für Wohngebiete nach dem Bundesemissionsschutzgesetz bei weitem überschreiten. Der GAL-Stadtentwicklungsexperte Claudius Lieven und der GAL-Umweltexperte Christian Maaß haben daher heute ein Konzept und einen Bürgerschaftsantrag für eine emissionsfreie Landstromversorgung vorgestellt, durch die sich die Luftbelastung wirkungsvoll verringern ließe.

Derzeit existiert kein tragfähiges Konzept für eine Landstromversorgung in der Hafencity. Die Folge: Am neuen Kreuzfahrtterminal in der Hafencity werden die Schiffe ihren Betriebsstrom weiterhin durch Hilfsmaschinen selbst herstellen müssen. Das für die Maschinen üblicherweise verwendete Bunker-C-Öl enthält durchschnittlich 2,7 Prozent Schwefel – 2.700 Mal mehr, als für PKW und LKW-Diesel erlaubt ist. Selbst das ab 01.08.2007 auch in der Nordsee vorgeschriebene „schwefelarme“ MDO (Marine Diesel Oil) hat einen Schwefelanteil von 1,5 Prozent.

„Kreuzfahrtschiffen sind faktisch schwimmende Müllverbrennungsanlagen, die mit ihren Motoren Rückstände der Petroleumraffinerien billig entsorgen. Auf hoher See ist ihr Betrieb problematisch genug. In direkter Nähe zu einem ‘ökologischen Vorzeigestadtteil’ wie der Hafencity sind diese Emissionen ist völlig untragbar“, sagt Lieven.

Der Schiffssektor ist eine der Hauptquellen der Luftverschmutzung in Europa. Laut einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamts sind Hafenstädte besonders belastet: 95 Prozent der Schwefel-Emissionen, 78 Prozent der Stickstoff-Emissionen und 65 Prozent der Feinstaubbelastung gehen auf das Konto des Schiffsverkehrs. Eines der größten Probleme sind die Schadstoffe durch die Stromherstellung während der Liegezeit im Hafen. Würde der neue Kreuzfahrtterminal in der Hafencity ohne Landstromversorgung gebaut, müssten die Wohnnutzung am Strandkai und im südlichen Überseequartier verboten und die Büro- und Hotelgebäude dort künstlich belüftet werden.

Eine Stromversorgung von Land aus würde eine drastische Reduzierung der Emissionen ermöglichen. Nach einer im Auftrag der EU-Kommission durchgeführten Untersuchung fallen so bei Schwefeldioxid etwa 96 Prozent weniger Schadstoffe an, bei Stickoxiden 97 Prozent und bei Feinstaub 96 Prozent. Außerdem entfallen der Lärm und die Vibrationen durch den Betrieb der Hilfsmotoren.

Die Landstromversorgung am Kreuzfahrtterminal ist technisch möglich. Der Leistungsbedarf der Kreuzfahrtschiffe ist mit maximal 12 Megawatt je Schiff nicht so groß, dass hierfür ein neues Kraftwerk errichtet werden müsste. Am Heizwerk Hafen sind planungsrechtlich gesicherte Flächen für ein Umspannwerk vorhanden, so dass dort die nötigen Transformatoren aufgestellt werden können. Das Leitungsnetz in der Hafencity ist zudem ausreichend für die Bereitstellung der benötigten Leistung, da es für die Versorgung von Industriebetrieben ausgelegt ist. Die Kosten einer Transformatoreinheit für Kreuzfahrtschiffe liegen bei etwa einer Million Euro. Der Platzbedarf entspricht dem eines Frachtcontainers. Am Kreuzfahrtterminal wären maximal 4 Einheiten erforderlich.

Mittlerweile ist auch der internationale Normierungsprozess für Landstromverbindungen so weit vorangeschritten, dass für den Kreuzfahrtterminal keine technische „Insellösung“ entwickelt werden muss. Ein entsprechender internationaler Standard wird im Laufe des nächsten Jahres beschlossen. Die Entscheidung zur Vorbereitung einer Landstromversorgung muss jetzt in den laufenden Bebauungsplanverfahren Hafencity 5 (Überseequartier) und Hafencity 7 (Strandkai) getroffen werden. Denn diese legen fest, wie der Kreuzfahrtterminal ab 2008 gebaut wird. Bislang hat der Senat kein Konzept für eine Landstromversorgung entwickelt. Die Idee, auf Kreuzfahrtschiffen Brennstoffzellen zur Stromversorgung zu installieren ist unter anderem wegen der mangelnden Leistungsfähigkeit der Zellen zum Scheitern verurteilt.

„Diese Ignoranz ist ein typisches Beispiel für die Kurzsichtigkeit des CDU-Senats. Da wird eine weltweit gültige Norm maßgeblich in Hamburg erarbeitet, Hamburger Firmen entwickeln die technischen Lösungen und der Senat versucht gleichzeitig, den Einsatz dieser Umweltschutztechnologie in Hamburg zu verhindern. Damit gefährdet er nicht nur die Zukunft der Hafencity, sondern auch die Gesundheit der Menschen, die heute schon in diesem Stadtteil wohnen“, sagt Maaß.

Rückenwind für die Landstromversorgung kommt auch aus Brüssel. Im Mai 2006 hatte die EU-Kommission erklärt: „Die Mitgliedsstaaten sollen die Installation von landseitigen Stromversorgungsanlagen für Schiffe, die in Häfen liegen, in Erwägung ziehen. Dies gilt insbesondere für Hafenstädte, wo Grenzwerte für Luftverschmutzung überschritten werden oder es Probleme durch Maschinenlärm gibt, sowie generell für Terminals, die sich in der Nähe von Wohngebieten befinden” (2006/339/EG). Im September 2006 forderte das Europäische Parlament die Kommission und die Mitgliedsstaaten auf, unverzüglich Maßnahmen zur Reduzierung der Schiffsemissionen zu ergreifen und den Gebrauch von Landstromversorgungs­anlagen voranzutreiben. Hinzu kommt, dass ab 2010 Schiffe gemäß EU-Richtlinie im Hafen Kraftstoffe mit einem maximalen Schwefelgehalt von 0,1% verwenden müssen. Dies erhöht die Kraftstoffkosten für Reedereien und steigert die Wirtschaftlichkeit von Landstrom als kostengünstiger Alternative.

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