Frauen im mittleren Alter schultern Kindererziehung und Altenpflege in der Familie weitgehend allein – und neben der Arbeit. Eine neue Studie zeigt, dass die Belastung steigt. SPD-Chef Sigmar Gabriel will ihnen mehr Freiheiten ermöglichen: bei der Kinderbetreuung, der Arbeitszeitgestaltung und Pflege.
79 Prozent der 40- bis 59-jährigen Frauen sind berufstätig, 41 Prozent sogar in Vollzeit. Durch ihre steigende Berufstätigkeit sowie die schnell älter werdende Gesellschaft nimmt der Druck auf diese Frauen dabei stetig zu. Denn: Nach wie vor sind sie es vor allem, die sich überwiegend um Kinder kümmern – und später dann um Eltern oder Schwiegereltern. Zu diesen Ergebnissen kommt eine am Dienstag in Berlin mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel vorgestellte Studie „Frauen der Sandwich-Generation: zwischen Kinderbetreuung und Unterstützung der Eltern“ des Allensbach-Instituts im Auftrag der Wochenzeitschrift „Bild der Frau“.
Gabriel: Familie ist ein Top-Thema
Das Thema der Studie sei nicht „nur“ ein frauen- oder familienpolitisches, sondern im Kern ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches, sagte der Bundeswirtschaftsminister. „Viel zu lange habe wir so getan, als seien Erwerbsarbeit und Familienleben zwei völlig voneinander geschiedene Sphären, die nichts miteinander zu tun haben.“ Man könne Menschen aber nicht nach Funktion aufteilen: Hier Beruf. Dort Kinder und die betagten Eltern. „Die Leistungsfähigkeit, die wir wirtschaftlich in Deutschland benötigen und erwarten, werden die Menschen nicht bringen können, wenn sie gleichzeitig deshalb familienunfähig werden“, betonte Gabriel.
Köcher: „Der Sorgenpegel steigt“
82 Prozent aller deutschen Frauen zwischen 40 und 59 Jahren kennen das Gefühl der Überforderung. Genauso viele leiden unter Zeitnot. Denn die Aufgabenliste der Frauen mittleren Alters wird immer länger – und sie verlangen immer mehr von sich selbst. „Man sieht, wie der Sorgenpegel von Jahr zu Jahr steigt“, so Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher.
n Zahlen sieht das so aus: 66 Prozent der 40- bis 59-jährigen Frauen erledigen die Familienarbeit mehr oder weniger allein. Kommt es dann in der Familie zu einem Pflegefall, verschärft sich die Lage: 82 Prozent der Frauen, die einen pflegebedürftigen Angehörigen haben, pflegen diesen auch selbst. Bei Männern sind es nur 64 Prozent. Dabei sind gut drei Viertel der 40 bis 59-jährigen Frauen, die einen Angehörigen pflegen, auch berufstätig – 30 Prozent sogar in Vollzeit. Um Kinder und Elterngeneration unterstützen zu können, schränken Frauen ihre Berufstätigkeit häufiger ein als Männer.
Gabriel: Frauen fordern zu Recht mehr Anerkennung und Unterstützung
67 Prozent rechnen damit, dass die Belastungen durch Eltern oder Schwiegereltern in den nächsten Jahren zunehmen. Schon jede Fünfte fragt sich, wie sie die Unterstützung in Zukunft schaffen soll. „Die Studie bestätigt, was vermutlich jede und jeder aus dem Alltag weiß: Frauen leisten unglaublich viel bei den Erziehungs- und Pflegeaufgaben – immer noch viel mehr als Männer“, stellte Gabriel fest. „Ich glaube, jeder von uns kennt Frauen im näheren Bekannten- und Freundeskreis in so einer Lebenssituation – auch ich.“
Für Gabriel geht es in der Familien- wie auch in der Wirtschaftspolitik im Kern um zwei Werte: Freiheit und Sicherheit. „Wir müssen gerade Frauen die Chance eröffnen, frei über ihren Lebensentwurf zu entscheiden. Und wir müssen gleichzeitig als Staat und Gesellschaft die Sicherheiten schaffen, die diese Freiheitsräume erst eröffnen: Bei der Kinderbetreuung, bei der Arbeitszeitgestaltung, bei der Pflege.“
Große Fortschritte erzielt
Der SPD-Vorsitzende erinnerte daran, dass seine Partei im vorigen Jahr drei wichtige Gesetze durchgesetzt hat, um Familien stärker zu entlasten und ihnen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu erleichtern:
– Das Kita-Gesetz zur Schaffung von Ganztagsplätzen.
– Das ElterngeldPlus, das die Verbindung von Elterngeld und Teilzeitarbeit erleichtert.
– Und das Familienpflegezeitgesetz, das finanzielle Unterstützung ermöglicht, wenn sich ein berufstätiges Familienmitglied um Angehörige kümmert.