Gabriel: Mehr Wertschätzung für Erziehungsberufe


Die Tarifverhandlungen für die Erzieherinnen und Erzieher in kommunalen Einrichtungen sind festgefahren. Gewerkschaften fordern eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. „Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stehen an der Seite der Erzieherinnen und Erzieher, wenn es um die Anerkennung und die gerechte Entlohnung ihrer Arbeit geht“, so Sigmar Gabriel in einem Namensbeitrag für SPD.de:

In den aktuellen Tarifverhandlungen für die bundesweit 240.000 Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen geht es um eine Frage von großer gesellschaftspolitischer Tragweite. Die SPD hält an ihrer Forderung nach einer besseren Bezahlung in den erzieherischen, sozialen und pflegerischen Berufen – die meist Frauenberufe sind – fest.

Skandalöse Schlechterbezahlung von Frauen
Gerade die Initiativen der SPD-Ministerinnen und SPD-Ministerin der Bundesregierung und der SPD- Bundestagsfraktion für „gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit“ bei Frauen und Männern zielt auf eine bessere Bezahlung in diesen Berufen ab. Die europaweit skandalöse Schlechterbezahlung von Frauen gegenüber Männern in Deutschland hat ja ihren tieferen Grund in der traditionell deutlich geringeren Entlohnung genau in diesen leider immer noch typischen Frauenberufen. Ich bin sicher: Wären es klassische Männerberufe, unsere Gesellschaft würde sie längst besser bezahlen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die Attraktivität dieses Berufes – in materieller wie immaterieller Hinsicht – erheblich steigern müssen.

Wir dürfen uns damit nicht abfinden
Wer das Prinzip „Equal Pay“ ernst nimmt, der muss vor allem die sozialen und pflegerischen Berufe besser vergüten. Dazu zählen die Erzieherinnen und Erzieher. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass diese hochwertige und fachlich anspruchsvolle Tätigkeit als schlecht bezahlter sogenannter „Frauenberuf“ etikettiert wird.

Heute liegt der Anteil männlicher pädagogischer Fachkräfte in Kitas bei nicht einmal 2,5 Prozent. Das zu ändern ist eine wirklich wichtige bildungs-, gleichstellungs- und gesellschaftspolitische Aufgabe für uns Sozialdemokraten.

Ungleichheit schon bei der Ausbildung
Die fehlende Gleichbehandlung dieser Berufe beginnt bereits bei der Ausbildung: Es erscheint mir anachronistisch, dass diese Berufe immer noch schulische Ausbildungsberufe sind und nicht normale Berufe nach dem Berufsbildungsgesetz mit Ausbildungsvertrag und Ausbildungsvergütung vom ersten Tag an.

Wie wichtig die Arbeit zum Beispiel in den Kindertagesstätten ist, wissen wir alle spätestens, wenn unsere eigenen Kinder dort oftmals im wahrsten Sinne des Wortes „ihre ersten Schritte“ gehen. Auch ich habe in den letzten drei Jahren erleben dürfen, wie sehr meine jüngste Tochter vom pädagogischen Engagement in ihrer Kita profitiert.

Wenn der bedarfsgerechte Ausbau der frühkindlichen Bildung gelingen soll, dann muss unsere Gesellschaft bereit sein, pädagogische Fachkräfte in leistungsgerechter Weise zu entlohnen. Nur so werden Kommunen und freie Träger im erforderlichen Umfang qualifiziertes Personal gewinnen können.

Chancengerechtigkeit für Kinder
Erhöhte – auch finanzielle – Anstrengungen sind Investitionen in die Zukunft. Sie sind unverzichtbar, um Chancengerechtigkeit für Kinder zu verwirklichen. Die Wertschätzung des Erziehungsberufes berührt nicht zuletzt die Lebenschancen von Eltern und Familien, weil nur ein bedarfsgerecht ausgestattetes System früher und individueller Förderung von Kleinkindern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sichert.

Mir ist sehr bewusst, in welch angespannter Haushaltslage sich viele Kommunen derzeit befinden. Die SPD hat auf Bundesebene gerade in den letzten Jahren gezeigt, wie ernst sie es mit der kommunalen Entlastung meint. Die Bundespartei wird daher nicht in ihrem Bemühen nachlassen, für die kommunalen Haushalte zu spürbaren Entlastungen zu kommen.

Gerade sozialdemokratische Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker haben in den letzten Jahren viel unternommen, um den so wichtigen Berufsstand der Erzieherinnen und Erzieher aufzuwerten und angemessen zu bezahlen. Die laufende Tarifrunde sehe ich als Chance, auf diesem Weg ein weiteres Stück voran zu kommen.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.