„Nun muss auch das Projekt S 4 schnellstmöglich in Angriff genommen werden“, fordern die beiden Sprecher der S 4-Initiative Ole Thorben Buschhüter und Jörg Sievers zur am Freitag getroffenen Vereinbarung über den Bau einer Eisenbahn- und Straßenbrücke zwischen den Inseln Fehmarn und Lolland.
Aus ihrer Sicht führt am Bei der S 4 nun kein Weg mehr vorbei, denn mit dem Bau der Brücke wird es nicht getan sein: Die Hinterlandverbindungen werden nicht ohne Weiteres in der Lage sein, den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen. Dies betrifft auch die zweigleisige Strecke Hamburg – Lübeck, die – trotz Elektrifizierung – einer weiter steigenden Verkehrszunahme nicht gewachsen wäre. Der Bau zusätzlicher Gleise wäre zwangsläufig. Anderenfalls droht der
Kollaps.
Viergleisiger Ausbau bis Ahrensburg vereinbart
Dies sehen offenbar auch die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und des Königreiches Dänemark so: In einer Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung der Eisenbahnverbindungen im Korridor Hamburg-Öresund, die vor vier Jahren von den Verkehrsstaatssekretären der beiden Länder paraphiert wurde, heißt es für
den Fall, dass entschieden wird, die feste Querung über den Fehmarnbelt zu errichten: Es ist geplant, die Strecke Hamburg-Wandsbek – Ahrensburg viergleisig und die anschließende Strecke Ahrensburg – Bad Oldesloe dreigleisig auszubauen. „Aus unserer Sicht kann dies nur bedeuten, dass mit der festen Fehmarnbelt-Querung auch das Projekt S 4 realisiert werden muss“, meinen Buschhüter und Sievers.
Das Projekt S 4 wurde vor fünf Jahren von der S-Bahn Hamburg GmbH vorgestellt. Ihre Machbarkeitsstudie hatte ergeben: 210 Mio. Euro würde eine 17,3 km lange, größtenteils zweigleisige S-Bahn-Strecke von Hasselbrook nach Ahrensburg mit acht statt bislang vier Haltestellen kosten. Zwischen Ahrensburg-Gartenholz und Bad Oldesloe soll die S-Bahn mit
Zweisystem-Triebwagen auf der elektrifizierten Fernbahnstrecke weiterfahren.
Prognostiziert werden Fahrgastzuwächse von wenigstens 50 Prozent. „Ein wirklich attraktives Nahverkehrsangebot wird es nur mit einer solchen S-Bahn auf eigenen Gleisen geben. Denn erst dann wäre ein 10- bzw. 20-Minuten-Takt zwischen Ahrensburg und Hamburg überhaupt möglich“, so Buschhüter und Sievers, deren S 4-Initiative sich seither für die Realisierung des Projekts einsetzt. Aus ihrer Sicht ist das Angebot auf der Linie R 10 schon heute
völlig unzureichend. „Ein 30-Minuten-Takt mit Verstärkerzügen in der Hauptverkehrszeit ist ein Angebot für die Provinz, nicht aber für eine Großstadtregion. Unsere langjährige Forderung nach dem Bau einer S-Bahn nach Ahrensburg und Bad Oldesloe muss nun endlich Beachtung finden“, so Buschhüter und Sievers.
Bargteheide: Brücke noch gar nicht fertig – aber schon zu klein
Ärgerlich sei, so die S 4-Initiative, dass beim derzeit im Rahmen der Elektrifizierung erfolgenden Neubau der Tremsbütteler Weg-Brücke in Bargteheide ein dreigleisiger Ausbau der Strecke nicht berücksichtigt wird. „Die Brücke wird so gebaut, dass nach wie vor nur zwei Gleise darunter passen“, meinen Buschhüter und Sievers und ergänzen: „Wenn nun jedoch die feste Fehmarnbelt-Querung kommt und damit der dreigleisige Ausbau des
Streckenabschnitts Ahrensburg – Bad Oldesloe, muss die Brücke wieder abgerissen und neu gebaut werden.“ Im Planfeststellungsverfahren hatte die S 4-Initiative deshalb Einwendung erhoben, diese wurde jedoch zurückgewiesen.
Dies könnte sich nun als Fehler erweisen. Die Tage der noch im Bau befindlichen Brücke in Bargteheide scheinen schon jetzt gezählt zu sein.