Wenn jetzt nicht politisch gegengesteuert wird, kann aus der Welle der Altersarmut „durchaus ein Armuts-Tsunami werden“, warnt der DGB Nord nach einer Analyse der umfassenden Hartz IV-Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Betroffen sind vor allem die Frauen.
Es müsse endlich arbeitsmarkt- oder rentenpolitisch umgesteuert werden, neue Arbeit und faire Löhne sollen her, sagen die Gewerkschaften. Uwe Polkaehn, Bezirksvorsitzender des DGB Bezirk Nord, sagte dazu in Hamburg: „Politik und Gesellschaft können das Problem der dramatischen Zunahme der Altersarmut nicht erst dann lösen, wenn das Problem akut vorhanden ist. Sie müssen vorbeugend handeln. Dazu müssen jetzt politische Entscheidungen getroffen werden, um mehr Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Die bisherige neoliberale Strategie der Niedriglohnbeschäftigung muss durch die Strategie der Existenz sichernden Löhne abgelöst werden. Soziale Verantwortung für alle muss vor kurzfristigen Gewinnstreben einzelner wieder Vorrang haben.“
Ende Dezember 2010 waren von den erwerbsfähigen Hartz IV-Empfängern in Mecklenburg-Vorpommern 62,4 Prozent länger als zwei Jahre im Leistungsbezug, in Hamburg 61,6 Prozent und in Schleswig-Holstein 57,9 Prozent. Hamburg und Schleswig-Holstein liegen damit über den westdeutschen Schnitt von 56,2 Prozent, während Mecklenburg-Vorpommern geringfügig unter dem ostdeutschen Schnitt von 62,7 Prozent liegt.
Die tickende Zeitbombe der Altersarmut kann bei den Frauen noch heftiger explodieren. Denn sie sind von der Langzeitarbeitslosigkeit stärker betroffen als Männer und im Arbeitsleben sind sie von prekärer Beschäftigung und niedrigerer Entlohnung ebenfalls häufiger betroffen. In Hamburg sind die Frauen zu 64,4 Prozent zwei Jahre und länger im Hartz IV-System, in Mecklenburg-Vorpommern zu 64,0 Prozent und in Schleswig-Holstein zu 60,5 Prozent. Der westdeutsche Durchschnitt beträgt 58,9 Prozent, der ostdeutsche Schnitt 64,9 Prozent.
Noch dramatischer und perspektivloser sieht die Entwicklung bei den älteren Langzeitarbeitslosen aus. Hier waren in Hamburg 75,1 Prozent bereits länger als zwei Jahre arbeitslos; in Mecklenburg-Vorpommern 74,3 Prozent und in Schleswig-Holstein 70,6 Prozent. Hamburg und Schleswig-Holstein liegen deutlich über den westdeutschen Durchschnitt von 69,7 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern leicht über den ostdeutschen Schnitt von 73,8 Prozent.
Uwe Polkaehn: „Es ist ein Irrtum, wenn die Bundesregierung glaubt, bei guter Konjunkturlage und sinkender Arbeitslosigkeit insgesamt werde auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen automatisch sinken. Die wirtschaftliche Belebung ist eine Voraussetzung für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Aber die Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik zu kürzen heißt, die Problemlage der sich verfestigenden Arbeitslosigkeit und wachsenden Altersarmut zu ignorieren und die Arbeitslosen ihrem Schicksal selbst zu überlassen.“