In der Bürgerschaftsdebatte über Bildungsabschlüsse in den Hamburger Stadtteilen hat die SPD-Abgeordnete Britta Ernst auf die dramatisch hohen Quoten bei Schulabbrechern in einzelnen Stadtteilen hingewiesen.
„Die Hälfte aller Schüler ohne einen Schulabschluss kommt aus nur zehn von 103 Hamburger Stadtteilen“, sagte Ernst. Vorliegende Daten verdeutlichten eine Spaltung der Stadt und die damit verbundene Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse: „Auf der einen Seite Hamburgs leben 80 Prozent aller Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Auf der anderen Hälfte leben nur rund 20 Prozent.“
Dem Senat sei es nicht gelungen, an dem „großen Skandal der Perspektivlosigkeit junger Menschen irgendetwas zu ändern. Sie haben sich um diese Menschen nicht gekümmert“, sagte die SPD-Abgeordnete.
Die von der SPD erfragten Zahlen seien teilweise schockierend: In Altona-Altstadt beispielsweise verließen 40 Prozent die Schulen ohne einen Abschluss. Ähnlich dramatisch sei die Lage in Barmbek-Süd mit 37,7 Prozent, St. Pauli mit 34,3 Prozent oder Hamm-Mitte mit 33 Prozent. „In diesen Vierteln verlässt jeder vierte oder dritte Jugendliche die Schule ohne Abschluss. In Hamburg gibt es Stadtteile, in denen schon bei der Geburt feststeht, dass man keine Chancen hat. Das sind Stadtteile, in denen es kaum Chancen für junge Menschen gibt, es einmal besser zu haben als ihre Eltern“, sagte Ernst.
Ein weiterer Skandal sei, dass sich im Senat für diese Menschen offensichtlich niemand interessiere. „Es gibt in der Schulbehörde keinen Überblick über die Bildungsabschlüsse in den Hamburger Stadtteilen“, bedauerte Ernst. Dass sich die Schulsenatorin darüber empört, dass die regionalen Differenzen bekannt geworden seien, könne man ebenfalls nur skandalös nennen.
Die SPD habe in der Enquetekommission Bildung die Forderung erhoben, sich auf das Ziel zu verpflichten, die Anzahl der Schulabbrecherinnen und -abbrecher auf absehbare Zeit zu halbieren. „Dies ist ein Wert, dem sich auch Bildungsministerin Schavan angeschlossen hat“, betonte Ernst. Die Hamburger CDU habe sich aber geweigert und sich nicht geschämt, in Hamburg die Anzahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss von rund 12- auf lediglich 10 Prozent reduzieren zu wollen. „Sie würden sich mit rund 1500 Schulabbrechern im Jahr abfinden. In zehn Jahren hätten sie 15.000 junge Menschen, die ohne gute Lebenschancen ihre Schullaufbahn beenden“, sagte die SPD-Abgeordnete.
Die Bilanz der CDU-Schulpolitik sei eindeutig: „Hamburgs CDU verweigert den Blick auf die soziale Realität der Stadt. Sie haben versucht, durch Nichtstun das Ausmaß der sozialen Spaltung unter der Decke zu halten. Durch ihre Politik entscheidet der Stadtteil, in der ein junger Mensch geboren ist, über die Chancen, die er im Leben hat“, schloss die SPD-Abgeordnete.