„Wir lassen uns nicht mit Tieren vergleichen“

Zur Mobilisierung für den Volksentscheid über den Kauf der Energienetze hat die Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ ein Postkartenmotiv veröffentlicht, das heute den Protest der Beschäftigten des Netzbetreibers EON Hanse hervorgerufen hat: Das Bild von blutsaugenden Spinnen stehe in einer „unsäglichen historischen Tradition“.

Die in Hamburg tätigen Energieunternehmen würden „in äußerst geschmackloser Art und mit diffamierender Absicht darstellt“, heißt es in der Erklärung. Das Bild zeigt zwei schwarze Spinnen, die die Namen „e.on“ und „Vattenfall“ tragen. Diese Spinnen sind dabei, Hamburg einzuwickeln und umzubringen. Dazu ein Slogan, der die Firmennamen verfremdet: „Ne(o)in zu Vattenfalle“.

Thies Hansen, Vorsitzender des Hamburger Betriebsrats bei EON Hanse: „Meine Kolleginnen und Kollegen sind traurig, entsetzt und empört. Sie sehen sich nicht als blutsaugende Spinne, die Hamburg aussaugt, sondern als diejenigen, die Tag und Nacht, bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass es in dieser Stadt schön warm ist und dass die in Hamburg ansässige Industrie mit dem für sie notwendigen Rohstoff unterbrechungsfrei versorgt wird. Wir tragen mit dazu bei, dass der Industriestandort Hamburg stark bleibt. Man kann über die Frage, wie viel Geld für den Ankauf von wie viel Netzanteilen ausgegeben werden soll, gerne sachlich diskutieren, aber diese Hetzerei gegen die Firma, in der wir arbeiten, ist unerträglich. Das Bild mit der aussaugenden Spinne steht im Übrigen in einer unsäglichen historischen Tradition, die den Autoren sicher persönlich fern liegt, von der sie sich aber dringend distanzieren sollten. In dem Volksentscheid geht es ja nicht nur um Leitungen, sondern auch um die Zukunft der rund 5000 Beschäftigten bei der EON und Vattenfall. Wir lassen uns nicht mit Tieren vergleichen.“

Hamburg ver.di-Landeschef Wolfgang Rose unterstütze die Beschäftigten: „Ich teile die Empörung der Kolleginnen und Kollegen. Mit dieser ekligen Postkarte sollen Instinkte und Angstreflexe geweckt werden, um die Hamburger Energieunternehmen zum Zwecke des Stimmenfangs für die Volksinitiative in ein schlechtes Licht zu rücken – dies trifft auch die dort beschäftigten Arbeitnehmer. Der demokratische Meinungsstreit über den Ankauf der Netze darf bei aller Leidenschaft nie zur Diffamierung und Herabsetzung der Arbeitsleistung von Menschen führen. Die Initiative sollte zur Sachlichkeit zurückkehren.“

Die Initiative fordert die vollständige Übernahme der Hamburger Verteilnetze für Strom, Gas und Fernwärme in die Öffentliche Hand. Experten rechnen mit Kosten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Bürgermeister Olaf Scholz plädiert dafür, nur ein Viertel zurück zu kaufen. Sein Modell sieht vor, dass die Energiekonzerne im Gegenzug 1,6 Milliarden Euro investieren, um die Netze für erneuerbare Energien umzurüsten.

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