Dass der nach langem Gerangel zwischen Bundesregierung, Bundesrat und Interessenverbänden ausgehandelte Energieausweis für Wohngebäude nur wenig aussagt, ist bekannt. Gesetzlich vorgeschrieben ist er trotzdem. Kleiner Lichtblick: Jetzt gibt es ihn wenigstens billig.
Die EU hat es verlangt: Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft oder mietet, der soll sich vorher ein Bild darüber machen können, wieviel Energie die Immobilie verbraucht und wie daher später seine Nebenkosten ausfallen werden. Soweit, so gut, aber der Streit um die Form wurde fast vier Jahre lang geführt: Brauchen Deutschlands Wohnhäuser einen Verbrauchsausweis, oder brauchen sie einen Bedarfsausweis?
Der Verbrauchsausweis listet im Grunde den gemessenen Energieverbrauch aus drei Jahren, bildet aus dem Durchschnitt einen Verbrauchs-Kennwert. Vorteil: Der Aufwand ist minimal, das Papier entsprechend billig zu erstellen.
Nachteil: Wenn in einem Doppelhaus z.B. auf der einen Seite eine fünfköpfige Familie wohnt und auf der anderen Seite eine alleinstehende Witwe, die im Winter nach Mallorca reist und also kaum heizt, dann wird das ansonsten identische Haus beim Verbrauchsausweis völlig verschieden eingestuft. Schafft die Witwe ein „C“, wird es die Familie vielleicht nur auf ein „F“ bringen. Aber was soll ein Käufer oder Mieter mit dieser Bewertung anfangen?
Die Befürworter des Verbrauchsausweises hingegen meinen, zumindest bei größeren Mehrfamilienhäusern bringe der Verbrauchsausweis auch vertretbare Werte – im Verein mit vielen anderen fällt die Mallorca-Witwe kaum ins Gewicht.
Beim anspruchsvolleren Bedarfsausweis werden alle Bauteile (Wände, Dach, Fenster, ….) genau unter die Lupe genommen und nach vorgegebenen Werten verglichen. Im Ergebnis gibt es dann einen Verbrauchskennwert, der anzeigt, was bei einer durchschnittlichen Nutzung für das Gebäude verbraucht würde. Da das Verfahren für alle Häuser gleich ist, sind auch die Ergebnisse vergleichbar.
Was jetzt in Berlin beschlossen wurde, ist der billigste aller Kompromisse: Noch bis Mitte nächsten Jahres dürfen alle Hausbesitzer frei wählen, welchen Ausweis sie sich ausstellen lassen. Zehn Jahre bleibt der dann gültig.
Bei geschätzt sechs Millionen Wohnhäusern, für die der Pass jetzt vorgeschrieben ist, ist so plötzlich ein riesiger Markt für Verbrauchsausweise entstanden. Insbesondere Heizkosten-Abrechner wie z.B. Minol oder Techem bieten ihren Kunden den Pass für 35 € an. Erfahrene Energieberater halten aber sogar diesen Preis noch für viel zu hoch: Der Aufwand ist so gering, dass der neue Pass auch für unter 30 € ausgestellt werden kann. Einen Hamburger Anbieter finden Sie hier.