Die GAL Bürgerschaftsfraktion kritisiert die heute in der Bürgerschaft vorgestellten Maßnahmen zum Kinderschutz als zu einseitig und unzureichend. Während der Senat hauptsächlich auf die Optimierung von Handlungsabläufen setzt und neue Meldebögen, Richtlinien und Dienstanweisungen, Formblätter und Handlungsempfehlungen als Maßnahmen zum Kinderschutz in dem Mittelpunkt stellt, fordert die GAL-Fraktion mehr praktische Hilfe in den Familien.
„Der Schutz von Kindern darf sich nicht auf Formalismus beschränken. Die Senatorin baut einen Papiertiger auf, den Kindern und Familien ist damit aber nicht geholfen. Wir brauchen mehr Fachleute, die direkte Hilfe in der Familie leisten, da hat der Senat seine Aufgabe nicht erfüllt“, sagt Christiane Blömeke, kinderpolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion.
Insbesondere kritisiert Blömeke, dass die Stellenausstattung der allgemeinen sozialen Dienste(ASD) immer noch völlig unzureichend ist. Zwar sind die vakanten Stellen aufgefüllt worden, aber die Grundausstattung hat sich nicht verändert.
Das führt zum Beispiel in Bergedorf dazu, dass 14,6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für 120.000 Personen zuständig sind. Jeder Einzelne ist also für 8.500 Personen zuständig und muss durchschnittlich rund 90 Fälle gleichzeitig bearbeiten. In Überlastungsanzeigen hat das Personal des ASD Bergedorf darauf aufmerksam gemacht, dass es seinem Schutz- und Hilfsauftrag so nicht gerecht werden kann. „Der Senat sonnt sich darin, dass er alle vakanten Stellen besetzt hat. Es wird Zeit, dass der Senat die Realitäten sieht: Die Arbeitsbelastung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ASD sind immer noch so groß, dass Familien mit Problemen übersehen oder nicht ausreichend betreut werden können“, so Blömeke.
Die GAL Fraktion setzt sich für ein umfangreiches Netzwerk Kindeswohl ein, in dem neben der Optimierung von Handlungsabläufen auch die Hilfen in der Familie eine zentrale Rolle spielen. In diesem Zusammenhang fordert die GAL die Wiedereinführung von Säuglingserstbesuchen, den Ausbau der Mütterberatungsstellen, mehr Familienhebammen und eine verstärkte aufsuchende Arbeit durch Straßensozialarbeiter. Außerdem können nach Ansicht der GAL die Maßnahmen zum Kinderschutz nicht von der Frage der Kindertagesbetreuung gelöst werden.
„Anstatt die bedürftigen Kinder vor der Kita-Tür stehen zu lassen, muss endlich ein Recht auf Betreuung ab dem 1. Lebensjahr eingeführt werden. Auch muss der Senat für mehr Ganztagesplätze sorgen. Das wäre praktizierter Kinderschutz“, erklärt Blömeke.