Ein Masterplan für Altona

Bahnhof weg, Wohnungen her: Der Senat hat heute in seiner Sitzung den Entwurf des Masterplans für „Mitte Altona“ beschlossen – ein Riesenprojekt der Stadtentwicklung.

Der Masterplan zeigt die künftige städtebauliche und landschaftsplanerische Grundstruktur, auf die künftige detailliertere Planungen aufbauen sollen. Nun sind auch die Bürger nach ihrer Meinung gefragt.

Der Nutzungsschwerpunkt soll im Bereich des Wohnungsbaus liegen. Ziel ist ein differenziertes Wohnungsangebot, durchmischt mit kleineren Gewerbeeinheiten, Einzelhandel und Gastronomie. Geplant ist dabei folgender Wohnungsmix: 1/3 Wohneinheiten im geförderten Mietwohnungsbau, 1/3 im frei finanzierten Mietwohnungsbau sowie 1/3 im Eigentumswohnungsbau. Es soll ein familienfreundliches Quartier entstehen. Die entsprechenden Infrastruktureinrichtungen wie Kindertagesstätten, eine neue Stadtteilschule sowie die ca. 8 ha große Parkanlage mit Spiel- und Sportflächen sind im Plangebiet vorgesehen.

Begleitend zum Planungsprozess wird seit 2010 ein intensiver Kommunikationsprozess zur Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger durchgeführt. Der Beteiligungsprozess selbst war ebenso wie die Entwicklung des Gebietes, der Wettbewerb sowie die Überarbeitung des Wettbewerbsergebnisses zum Masterplan Diskussionsgegenstand in zahlreichen Bürgerforen und Workshops. Die so erarbeiteten Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger aus den verschiedenen Veranstaltungsformaten konnten teilweise direkt im Masterplan Berücksichtigung finden. Alle Bürgerforderungen wurden zudem kommentiert und in schriftlicher Form zusammen mit dem Entwurf des Masterplans an Bezirksversammlung, Senat und Bürgerschaft weitergegeben.

Der Masterplan Mitte Altona muss dann – voraussichtlich nach der Sommerpause – in der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft beraten und beschlossen werden. In nachfolgenden Planungsschritten, z.B. im Rahmen der Bebauungsplanung oder bei einem Freiraumwettbewerb, wird er weiter konkretisiert. Auch in den anstehenden Planungsphasen wird dabei der Dialog mit der Öffentlichkeit fortgesetzt, um den neuen Stadtteil gemeinsam mit Anwohnerinnen und Anwohnern gestalten zu können.

Karin Timmermann, stellvertretende Sprecherin Stadtentwicklung der SPD-Fraktion: „Ich freue mich, dass der Entwurf des Masterplans Mitte Altona nun das Parlament erreicht. In den letzten Wochen und Monaten haben wir bereits viele Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern wie auch der Bezirkspolitik erhalten. Diese wollen wir nun breit diskutieren.“

Gabi Dobusch, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und Bürgerschaftsabgeordnete aus Altona ergänzt: „Wir haben hohe Ansprüche an eine Planungs- und Beteiligungskultur. Ich habe den bisherigen Dialog vor Ort als sehr intensiv und fruchtbar erlebt. Die Vorschläge und Anregungen, aber auch Kritik von den Bürgerinnen und Bürgern sind wichtig und wir nehmen diese mit in unsere Beratungen des Stadtentwicklungsausschusses der Bürgerschaft. Wir setzen auch weiterhin auf den direkten Dialog mit den Aktiven vor Ort, unter anderem mit dem Koordinierungsgremium.“ Zum Beteiligungsverfahren erläutert Dobusch: „Wir als SPD-Fraktion hatten immer eine andere Vorstellung von einer partizipativen Stadtentwicklung als der Vorgängersenat. Schwarz-Grün hatte vor, die Bebauung der Mitte Altona von oben herab, in einem ganz schlanken Verfahren und am Bezirk vorbei umzusetzen. Dieses dirigistische Verfahren stieß zu Recht auf breiten Widerstand und wurde heftig kritisiert. Gleich nach der Wahl haben wir daher das Verfahren umstrukturiert, den Bezirk wieder in die Planung eingebunden und ein Beteiligungsverfahren auf den Weg gebracht, dass es in dieser Intensität in Hamburg noch nicht gab.“

Timmermann: „Letztendlich geht es darum, dass wir in Mitte Altona eine Entwicklung anschieben, die breit getragen wird. Mit dem Projekt Mitte Altona haben wir eine große Chance, die starke Nachfrage nach Wohnraum zentral zu bewältigen. Wir brauchen dabei eine gesunde Mischung unterschiedlicher Nutzungen, Perspektiven für die kleingewerblichen Betriebe vor Ort und ein städtebauliches Umfeld, das Altona gut tut.“

Hintergrund: Durch die Aufgabe des Güterbahnhofs und die geplante Verlegung der Fernbahn vom heutigen Bahnhof Altona an den Standort Diebsteich wird ein etwa 75 Hektar großes Areal im Zentrum Altonas für eine städtebauliche Neuentwicklung frei. In den ersten beiden Bauabschnitten wird dabei von der Errichtung von rd. 3.500 neuen Wohnungen ausgegangen. Außerdem sollen hier attraktive Freiräume, großzügige Grünflächen und neue Wegeverbindungen zwischen den momentan durch die Bahnflächen getrennten Stadtteilen Ottensen, Bahrenfeld und Altona-Nord entstehen. Anregungen der Anwohner sowie der Gewerbetreibenden aus der Nachbarschaft können deshalb von Anfang an in das Projekt einfließen. Um den Prozess der Bürgerbeteiligung zu begleiten, hat Ende 2011 das sog. Koordinierungsgremium aus Bürger-Vertretern seine Arbeit aufgenommen.

Mit dem Masterplan Mitte Altona liegt nun ein erster Rahmen für die Entwicklung des Geländes zwischen Harkortstraße und S-Bahn-Trasse in Altona vor. Er ist nicht abschließend und kann im weiteren Verlauf noch bedarfsorientiert verändert werden. Ein Masterplan schafft zwar noch kein Baurecht, zeigt aber die grobe Richtung, in der sich ein Quartier entwickeln soll. So enthält der Masterplan Vorschläge über die Grundstruktur im Gebiet, etwa zur Nutzungsmischung, Städtebau oder Verkehr. Nachdem die Entwicklung bereits 2010 angeschoben wurde, hatte die SPD-geführte Regierung nach der Wahl die Beteiligungsprozesse vor Ort deutlich ausgeweitet und auch die Bezirkspolitik wieder stärker in das Thema eingebunden.

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