Edeka ist nicht nur das größte Unternehmen des Einzelhandels, es ist auch der größte deutsche Arbeitgeber insgesamt. „Für die über 300.000 Beschäftigten des Konzerns heißt das aber nicht, dass sie mit vernünftigen Einkommen rechnen können“, sagt die zuständige Gewerkschaft. Ihr liegen Arbeitsverträge von Edeka-Beschäftigten vor, wo nur 6,13 € die Stunde gezahlt werden.
„Es gilt eher das Gegenteil, denn das Unternehmen forciert das Vertriebskonzept der privatisierten Märkte. Hierbei bleibt es den einzelnen Marktbetreibern überlassen, nach welchen Bedingungen sie ihre Beschäftigten entlohnen.“ Aus Sicht der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ist dieses Modell einer der Gründe für die steigende Armut von Beschäftigten im Handel.
Dazu Arno Peukes, ver.di – Fachbereichsleiter für den Hamburger Handel: „Wenn der größte deutsche Arbeitgeber die Unterschreitung von Tarifverträgen befördert, verhindert er direkt, dass es immer schwieriger für Beschäftigte unserer Branche wird, in den Unternehmen noch vernünftige Arbeitsbedingungen vorzufinden.“ Für den Gewerkschafter wird das Vertriebskonzept der Edeka somit zum Aktivposten gegen die Einführung eines Mindestlohns im Handel und schafft Anreize für weitere Unternehmen, sich aus dem Tarifverbund zu verabschieden.
„Wer auf allen Kanälen damit wirbt, dass er Lebensmittel liebt, der muss soziale Verantwortung sowohl gegenüber den Beschäftigten wie aber auch gegenüber der Branche insgesamt zeigen. Deshalb darf die Edeka hier in Hamburg nicht zusehen, wie immer mehr Märkte tarifvertragliche Regelungen unterlaufen und so den Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten austragen“, so Peukes.
Dabei gibt es gerade in Hamburg Beispiele dafür, dass es auch anders gehen kann. So werden die Beschäftigten der Edeka Niemerszein entsprechend der gültigen Tarifverträge des Hamburger Einzelhandels entlohnt. Dazu Peukes: „Edeka Niemerszein ist für uns ein positives Signal, dass es auch innerhalb des Edeka-Konzerns erfolgreiche soziale Verantwortung geben kann. Und Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden zeigen, dass sie sich dort besonders gut beraten fühlen. Für uns ist das keine Überraschung, denn wer von seiner Arbeit leben kann, der kann sich auch sorgenfrei auf Verkaufsberatung konzentrieren.“
Aber leider gilt dies nicht für alle Hamburger Märkte. ver.di liegen Arbeitsverträge von Edeka-Beschäftigten vor, wo nur 6,13 € die Stunde gezahlt werden. „Das sind nur 50% unseres Tarifvertrages. Das Vorgehen zeigt uns, dass in diesen Märkten nur eines geliebt wird: Der eigene Gewinn“, stellt Peukes fest.
Der ver.di Fachbereich Handel geht nun für die Tarifanwendung bei den privatisierten Edeka Märkten einen völlig neuen Weg:
Am Nikolaustag startete die Gewerkschaft die erste E-Campaining Seite für Fairen Handel.
„Mit unserer Kampagnenseite faidea wollen wir den Hamburger Kundinnen und Kunden die Gelegenheit geben, der Edeka aktiv und ohne großen Aufwand zu zeigen, dass alle in dieser Stadt gut einkaufen wollen – ohne das die soziale Verantwortung dabei vergessen wird. Eine einfache Email reicht, um diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen“, kündigt Peukes an.
Die Kampagne soll bis zum 22.2.2013 laufen. Alle bis dahin gesammelten Unterschriften werden danach der Edeka überreicht.
Wer mitmachen will, findet alles Erforderliche auf www.faidea.de. Dort wird über den Stand der Beteiligung an der Aktion genauso informiert, wie über andere Aktionen für einen fairen Handel in Hamburg.