Manchmal gehen „Vernunft“ und „Bildungsbehörde“ doch in einen Satz: Angesichts der geballten Proteste hat Senatorin Dinges-Dierig ihren Vorstoß, Werbung an Hamburgs Schulen zuzulassen, zurückgezogen.
„Frau Dinges-Dierig ist zum wiederholten Male mit ihrer pädagogischen Instinktlosigkeit auf die Nase gefallen. Sie wird immer machtloser und sollte den Rückzug vorbereiten, um weiteren Schaden von Kindern und Schulen abzuhalten!“, sagt die Vorsitzende der GAL-Bürgerschaftsfraktion Christa Goetsch.
Die GAL hatte ebenfalls scharfe Kritik an den Plänen geäußert: „Eine Schulsenatorin handelt pädagogisch verantwortungslos, wenn sie Kindern schulisches Konsumtraining verordnet. Und sie stiehlt sich aus der Verantwortung, wenn sie die Folgen Ihrer Sparpolitik in den sozial schwächeren Stadtteilen mit Werbeeinnahmen ausgleichen will“, sagt Goetsch. „Gut, dass der öffentliche Druck die Notbremse ausgelöst hat.“
Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig zu ihrem „blitzschnellen Sinneswandel“ gratuliert, das Werbeverbot an den Hamburger Schulen doch aufrecht zu erhalten. „Eine kluge und richtige Entscheidung. Damit zeigt sich die Senatorin erstmals in ihrer Amtszeit lernfähig“, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wilfried Buss.
Senatorin Dinges-Dierig gebe mit ihrer Entscheidung dem Druck von Öffentlichkeit und Opposition nach. „Allein die Idee, Türen und Tore der Schulen für die Werbung zu öffnen, ist abenteuerlich und abwegig genug. Schulen sollen Wissen vermitteln, nicht den Wettkampf der Marken eröffnen“, so Buss. Die notwendige finanzielle Ausstattung der Schulen bleibe eine staatliche Aufgabe.
Der SPD-Schulpolitiker zeigte sich erfreut, dass die Hamburger Schülerinnen und Schüler vom Wettkampf der Werbewirtschaft um ihr Taschengeld vorerst verschont würden. „Die Stigmatisierung durch Marken-Fetischismus hätte den Schulen erheblichen Schaden zufügt und den sozialen Frieden gefährdet“, sagte Buss. „Auf weitere Verrücktheiten aus dem Hause Dinges-Dierig können die Schulen gerne verzichten.“
Die Ankündigung der Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig, die umstrittene Sponsoring- und Werbe-Richtlinie für Hamburgs Schulen zurückzuziehen, kommentiert die stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg, Sigrid Strauß: „Immerhin: Die Senatorin hat ihren instinktlosen Vorstoß schnell zurück genommen. Allerdings offenbart ihr politisches Hin und Her in erschreckender Klarheit, wie wenig Kontakt die Senatorin offenbar zu den Menschen in der
Hamburg hat. Anstatt bildungspolitische Vorhaben im Dialog zu entwickeln, versucht Dinges-Dierig immer wieder, Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Wie gut, dass es in Hamburg eine kritische Öffentlichkeit gibt.“