Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat das Selbstlob der Bildungssenatorin in der Diskussion um Klassenfrequenzen und Schüler-Lehrer-Relation in Hamburg als unbegründet bezeichnet. „Seit 2001 sind in Hamburg über 600 Lehrerstellen abgebaut werden. Dennoch rühmt sich der Senat für die im bundesweiten Vergleich gute Lehrer-Schülerrelation“, sagte die SPD-Bildungspolitikerin Britta Ernst.
Sie bezog sich auf eine aktuelle Statistik der Kultusminister-Konferenz (KMK). Der entsprechende Wert zeige jedoch nicht, wie viele Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich unterrichten, betonte sie. „Für die Schülerinnen, Schüler und ihre Eltern ist aber wichtig, wie viele Lehrer vor der Tafel stehen und unterrichten – nicht, wie viele Lehrkräfte die Stadt beschäftigt“, betonte Ernst.
Die bislang bekannten Zahlen der KMK sagten auch nichts über die durchschnittlichen Klassengrößen in Hamburg und berücksichtigten auch nicht die Verteilung auf die staatlichen und privaten Schulen. Die Schulsenatorin lobe sich für die Entwicklung der Schüler-Lehrer-Relation – habe aber vor Jahresfrist noch bestritten, dass diese Relation und die Klassengrößen Einfluss auf die Qualität des Unterrichts hätten, sagte Ernst weiter. Sie will mit einer Kleinen Anfrage genauere Informationen über die Details der KMK-Statistik erhalten (siehe Anlage).
Das Abschneiden Hamburgs sei „kein Anlass für Jubelarien“, ergänzte der SPD-Fachsprecher für Schulpolitik, Wilfried Buss. Hamburg Werte beim Schüler-Lehrer-Verhältnis seien bei genauerem Hinsehen mäßig. „Hamburger Lehrer müssen offenbar rechnerisch gerade einmal 0,4 Schüler weniger als ein Lehrer im Durchschnitt der Länder unterrichten“, sagte Buss. Über andere Fakten aus der Statistik schweige die Schulbehörde. So sitzen in jeder Hamburger Grundschulklasse rechnerisch 3,6 Schüler mehr als im Bundesdurchschnitt. Auch bei den anderen Schulformen hinke Hamburg meist hinterher. Buss: „Die Schulsenatorin hat genug Zeit gehabt, gute Politik für die Hamburger Schulen zu machen und diese mit den nötigen Ressourcen auszustatten. Sie hat diese Zeit nicht genutzt.“