Die Speicherstadt gehört zur City

Die Entlassung der Speicherstadt aus dem Hafengebiet ist auf den Weg gebracht: Der Senat hat heute das Entwicklungskonzept für das Gebiet zur Kenntnis genommen und beschlossen, alle Bauleitplanverfahren, die die Speicherstadt betreffen, an sich zu ziehen.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt wurde mit der Durchführung der Bauleitplanverfahren beauftragt.

Die Speicherstadt verbindet die historische Innenstadt mit der HafenCity. Da die hafenbezogene Nutzung der Speicherstadt, insbesondere als Warenlager, in den letzen Jahren stark zurückgegangen ist, soll dieses Quartier ebenfalls zu einem Teil der Hamburger Innenstadt entwickelt werden. Planerische Grundlage dafür ist das Entwicklungskonzept Speicherstadt. Es sieht vor, die Speicherstadt zu einem innerstädtischen, lebendigen Quartier unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes und eines möglichen künftigen von der UNESCO anerkannten Weltkulturerbes zu entwickeln. Voraussetzung für die Umsetzung des Entwicklungskonzeptes ist die Entlassung der Speicherstadt aus dem Geltungsbereich des Hafenentwicklungsgesetzes.

Büros, Gastronomie und Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind schon jetzt wichtige Nutzungsbausteine in der Speicherstadt. Wünschenswert ist auch, das Wohnen neu in der Speicherstadt zu etablieren. Da für die Speicherstadt derzeit kein Hochwasserschutz besteht, ist das Wohnen aber nur sehr eingeschränkt realisierbar. Ein hochwassersicherer Rettungsweg ist nur im Anschluss an die Kibbelstegbrücke gegeben. Dort könnten mittelfristig ca. 100 Wohnungen entstehen, mit flächendeckendem Hochwasserschutz etwa 320 Wohnungen.

Die Speicherstadt soll zudem im Blickpunkt der federführend von der Kulturbehörde bearbeiteten Senatsinitiative zur Förderung der Kreativwirtschaft als Szenarienraum für künstlerische und kreativwirtschaftliche Nutzung fungieren. Im Entwicklungskonzept sind zukünftig neben günstigen Flächen für Handel und Lagerung auch Ateliers für Künstler zu verbilligten Mieten vorgesehen, und zwar auf ca. 5.000 m² für 4 Euro/m² und auf ca. 5.000 m² für 8 Euro/m².

Zum heute vom Senat beschlossenen Konzept für die künftige Entwicklung der Speicherstadt erklärte der Fachsprecher Stadtentwicklung der SPD-Fraktion, Dirk Kienscherf: „Das Konzept stellt die Weichen für 10.000 Quadratmeter günstige Flächen für Künstler und andere Kreative. Wir brauchen in der Speicherstadt nicht noch mehr teure Büros, sondern eine bunte Mischung unterschiedlicher Akteure. Da muss auch Platz sein für Personen, die vielleicht erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Neben dem Oberhafenquartier bietet bald auch die Speicherstadt preiswerte Räume für solche kreative Nutzungen.“

Bereits in der letzten Woche hatten der Oberbaudirektor und die HHLA Wettbewerbsergebnisse zum Wohnen in der Speicherstadt vorgestellt. In diesem Zusammenhang betont Kienscherf: „Es ist noch zu früh, um konkret über Wohnungen in der Speicherstadt zu sprechen. Grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen, dass in Zukunft – in Einzelfällen – auch Wohnungen ein weiterer Bestandteil des neuen bunten Nutzungsmixes werden. Da sollte es keine Denkverbote geben.“ Für eine breite Ausweisung von Wohnflächen fehle jedoch eine Grundlage: Mindestens 126 Mio. Euro würde der dafür notwendige Hochwasserschutz kosten. Zudem sei eine denkmalgerechte Umnutzung der historischen Speicher baulich aufwändig und teuer. „Nur wenn die HHLA bezahlbare Lösungen für die Schaffung von Wohnraum entwickeln kann, sollten wir das Thema weiterverfolgen“, macht Kienscherf deutlich. „Denn eines muss klar sein: Die Stadt finanziert hier keinen millionenschweren Hochwasserschutz und teure Wohnungen für eine Handvoll Besserverdiener. Und wir müssen auch darauf achten, den Charakter der Speicherstadt zu bewahren. Die SPD-Fraktion setzt da einen anderen Schwerpunkt – nämlich die Schaffung möglichst vieler bezahlbarer Wohnungen für Hamburgs Mieterinnen und Mieter. Das Machbare und Notwendige muss jetzt im Mittelpunkt stehen.“

Hintergrund:
Die Speicherstadt ist ein beeindruckendes Zeugnis der Historie der Hafenent-wicklung in Hamburg, seit 1991 steht sie unter Denkmalschutz, seit 2005 ist sie auf der deutschen Vorschlagsliste als UNESCO-Weltkulturerbe. Seit gut zehn Jahren öffnet sich die Speicherstadt für Kultureinrichtungen, Restaurants, Gewerbetreibende und Kreative. Seitdem hat sie einen beachtlichen Wandel vollzogen und viele neue Nutzungen und Besucher gefunden. Wohnen ist dort bis heute nicht erlaubt, da die Gebäude nicht hochwassersicher liegen. Lediglich vier neu geschaffene Atelierwohnungen an den Kibbelstegbrücken verfügen über hochwassersichere Flucht- und Rettungswege. Die Speicherstadt wurde bereits 2003 aus dem Gebiet des Freihafens entlassen und wird nun auch aus dem Hafengebiet genommen. Damit ist ein weiterer Schritt zur Öffnung der Speicherstadt in die Innenstadt getan.

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