DGB Nord gegen Teilkrankengeld

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) hält Überlegungen für ein „Teilkrankengeld“ für verfrüht. „Viel mehr abhängig Beschäftigte gehen krank zur Arbeit, als dass sie gesund zu Hause bleiben. Der Arbeitsdruck ist so gewachsen, dass viele Arbeitnehmer nicht mehr gesund in den Ruhestand kommen. Erst muss also die Wiedereingliederung der Kranken in die Arbeit wieder funktionieren, bevor über ein gestuftes Verfahren für die Zahlung von Krankengeld nachgedacht werden kann“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord.

Dazu gehöre auch die Verpflichtung der Arbeitgeber, an stufenweisen Wiedereingliederungen nach dem „Hamburger Modell“ teilzunehmen und betriebliche Gesundheitsförderung nachweisbar zu betreiben.
Der DGB Nord weist darauf hin, dass in empirischen Untersuchungen der Gewerkschaften mehr als die Hälfte aller Beschäftigten davon berichtet haben, sich bei der Arbeit häufig gehetzt zu fühlen. Jede und jeder Zweite gab an, mindestens zweimal im Jahr zur Arbeit gegangen zu sein, obwohl er oder sie sich „richtig krank“ gefühlt haben. Unter den Beschäftigten, die sehr häufig gehetzt arbeiten müssen, liegt der Anteil sogar bei 70 Prozent.

Kranke Beschäftigte wieder in den Job einzugliedern, funktioniere längst noch nicht überall, so Uwe Polkaehn. Nötig sei:
• eine dafür notwendige Versorgungsstruktur für die Kranken, so dass genügend Ärzte und Psychotherapeuten zur Verfügung stehen
• eine entsprechende Qualifizierung der Ärzte und
• eine Verpflichtung der Arbeitgeber, an solchen stufenweisen Wiedereingliederungen teilzunehmen. Denn die Teilnahme am „Hamburger Modell“ ist für die Betriebe derzeit freiwillig.

Insgesamt müsse die völlige Herstellung der Gesundheit der abhängig Beschäftigten im Zentrum der Diskussion stehen, so der DGB Nord. Einsparungen der Krankenkassen zulasten der erkrankten Versicherten, die die gesetzlichen Krankenkassen überwiegend finanzieren, verbieten sich hier.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR Gesundheit) hatte jüngst ein „Teilkrankengeld“ vorgeschlagen, danach sollen Krankschreibungen auch zu 25, 50 oder 75 Prozent möglich sein.

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