Deutschland schont nach Auffassung des DGB seine Reichen und Superreichen, dadurch gehen dem Staatssäckel jährlich Milliarden Euro verloren. Allein wenn die Erbschaftssteuer auf ein entsprechendes europäisches Niveau angehoben würde, flössen statt derzeit vier Milliarden zehn Milliarden Euro in die Staatskasse. Für die drei norddeutschen Bundesländer würde das ein Plus von über 400 Millionen Euro bedeuten.
Hamburg würde mit zusätzlichen 202 Millionen Euro von der angehobenen Steuer profitieren, Schleswig-Holstein mit 195 und Mecklenburg-Vorpommern immerhin noch mit 111 Millionen Euro. Der Höchststeuersatz von 30 Prozent sollte nach den DGB-Vorschlägen nicht erst bei Erbschaften ab 25 Mio. Euro einsetzen, sondern bereits bei 10 Mio. Euro.
Der DGB Nord-Vorsitzende Peter Deutschland bezeichnete es als einen Skandal, dass beispielsweise in Frankreich der Anteil der gezahlten Erbschaftssteuer am Bruttoinlandsprodukt bei 0,52 Prozent liege, in Deutschland dagegen nur bei 0,18 Prozent.
Deutschland sei, so der DGB-Chef, ein steuerrechtliches Schlaraffenland. Hier sei das Aufkommen aus Substanzsteuern, also Grund-, Vermögens-, Schenkungs- und Erbschaftssteuern, besonders niedrig. Die Einnahmen daraus hätten 2006 stabil bei 0,9 Prozent des BIP gelegen und damit bei weniger als der Hälfte des OECD-Schnitts von 1,9 Prozent. Deutschland: „Nur Mexiko, Tschechien und die Slowakei sowie Österreich erzielen weniger Einnahmen aus dieser Steuerart.“ Dagegen hätten die Einnahmen aus der Mehrwert-, Mineralöl-, Tabak-, Versicherungs-, Kfz- und anderen Verbrauchssteuern im vergangenen Jahr bei 10,2 Prozent des BIP gelegen und würden sich in diesem Jahr um einen weiteren Prozentpunkt erhöhen.
Angesichts des gewaltigen Reichtums, der in wenigen Händen konzentriert sei und der weiter aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich forderte der DGB Nord-Vorsitzende eine neue ehrliche Diskussion über Steuergerechtigkeit. Es sei nicht hinnehmbar, dass sich Deutschland steuerrechtlich immer mehr in ein Land verwandle, das mehr der feudalistischen Gesellschaft des Mittelalters gleiche als einer modernen demokratischen Gesellschaft, wo jeder nach seiner Leistungsfähigkeit besteuert werde.