„Nach dem Ende einer sensationellen Hochsaison im Norden erwarten die Beschäftigten der Tourismusunternehmen und Gastrobetriebe mehr als einen warmen Händedruck. Der Boom der Branche muss in Euro und Cent auch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ankommen. Ob an der Küste oder im Hinterland: Im besten Halbjahr aller Zeiten im Tourismus haben die Beschäftigten eine Höllenjob gemacht, sie verdienen endlich Anerkennung und Wertschätzung. Geld, Arbeitszeiten und Ausbildungsbedingungen müssen stimmen.
Ohne humane Arbeitsbedingungen und Tariflöhne wird es schon im kommenden Jahr zu Besetzungsproblemen kommen. Als Niedriglohnbranche hat der Tourismus im Norden keine Zukunft“, so Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord). Wer den gesetzlichen Mindestlohn durch reduzierte Arbeitszeiten und erhöhte Arbeitsdichte umgehen wolle, sei ein Fall für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls.
„Das Gastgewerbe ist die Billiglohnbranche Nummer 1. Wir wissen auch, dass im Branchenvergleich das Gastgewerbe bei Entlohnung, Arbeitszeiten und Ausbildungsbedingungen besonders schlecht dasteht. Der Norden als Tourismusregion wird sich nur dann positiv weiterentwickeln, wenn hier auch gesunde Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geschaffen werden. Darum müssen sich alle Wirtschaftsminister der Länder kümmern“, so Polkaehn. Im Wettbewerb um Fachkräfte könnten Arbeitgeber mit Niedriglohn nicht bestehen.
Zwei von drei Arbeitnehmern in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen arbeiten mehr als 45 Stunden in der Woche; vielfach werden Überstunden nicht entlohnt oder ausgeglichen. Hotelfachleute sind im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich unzufriedener mit ihren Arbeitsbedingungen. Eine DGB-Befragung ergab: Über 60 Prozent der Befragten sind mit ihrer Bezahlung nicht oder überhaupt nicht zufrieden. In tarifgebundenen Betrieben liegt das Bruttomonatseinkommen rund 21 Prozent über dem Gehalt der Kollegen und Kolleginnen in nicht tarifgebundenen Betrieben. Positiv ist der Trend zu mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Gastgewerbe nach Einführung des Mindestlohns. Die Kontrollen der Finanzkontrolle des Zolls und der Länder müssen im Gastgewerbe aber ausgeweitet werden, so der DGB Nord.