Keine Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage: Die SPD-Fraktion will den „Hamburger Sonntagsfrieden“ wahren. Die FDP-Forderung sei „eine uralte Kamelle aus dem neoliberalen Naschkasten“, so der SPD-Abgeordnete Wolfgang Rose. Heute debattiert die Bürgerschaft.
„Die Bürger haben ganz andere Sorgen als fehlende Einkaufsmöglichkeiten am siebten Tag der Woche – ihnen fehlt zum Beispiel Einkommen, weil Dumpinglöhne und Leiharbeit durch die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung gefördert werden“, sagte Rose in Richtung FDP. Die hatte beantragt, in Hamburg zusätzlich bis zu 14 bezirksweite verkaufsoffene Sonntage pro Jahr zu erlauben.
Nicht nur die Beschäftigten des Einzelhandels seien die Leidtragenden der Idee vom grenzenlosen Shopping, sondern alle Bürger, sagte Rose: „Die Menschen wollen nicht, dass aus dem Sonntag ein Alltag wird. Sie haben ein Gespür dafür, dass der Sonntag etwas Besonderes ist. Sie wollen nicht, dass die Ruhelosigkeit auch noch von diesem Tag Besitz ergreift“, macht Rose deutlich. Der Sonntag sei der Tag zum Feiern des Besonderen, des Nicht-Profanen, zum sich Besinnen auf das Wesentliche, gerade für Paare, Familien und Freunde. Wer immer mehr Ausnahmen und Sonderregelungen schaffe, der sorge dafür, dass die Ausnahme langsam aber sicher zur Regel werde. Rose erinnerte an die erfolgreiche Kampagne der Kirchen und Gewerkschaften unter dem Motto „Sonntag ist nicht alle Tage“. Die SPD-Fraktion sei sich mit beiden christlichen Kirchen in Hamburg einig in der Forderung: „Hände weg vom Sonntag!“
Die mit dem Sonntag verbundenen Werte müssten gegen den schrankenlosen Kapitalismus und die Ideologen des puren Marktes verteidigt werden, so Rose. „Wir brauchen mindestens einen Tag in der Woche, an dem nicht der Primat der Ökonomie gilt, sondern an dem der Mensch im Mittelpunkt steht, der ganze Mensch, nicht nur der Konsument.“ Der Sonntag als gewöhnlicher Einkaufstag verändere das Leben in der Stadt: „Er würde der Großstadtkultur das Gesicht eines Geldscheins geben.“ Bei der Frage nach dem freien Sonntag gehe es um mehr als ein paar Stunden Ladenöffnung: „Es geht um unser Selbstverständnis als Gesellschaft und menschliche Gemeinschaft.“ Nicht umsonst sei der Schutz des Sonntags sogar im Grundgesetz verankert.