Hamburg soll das erste Auszubildendenwohnheim erhalten und eine gemeinnützige Stiftung „Auszubildendenwerk“ einrichten. Über diesen Antrag der SPD-Fraktion wird jetzt der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft beraten.
Jan Balcke, Fachsprechersprecher Wirtschaft der SPD-Fraktion: „Hamburg ist eine attraktive Stadt mit einem vielfältigen Ausbildungsangebot. Dies hält viele junge Hamburger in der Stadt, und zieht zahlreiche junge Menschen aus anderen Bundesländern an, die hier eine Ausbildung beginnen möchten.“ So stammten in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 40 und 45 Prozent aller Auszubildenden in Hamburger Unternehmen nicht aus Hamburg. Trotz der demographischen Entwicklung sei diese Zahl weitgehend konstant geblieben. „Damit kommen jährlich fast 6.000 Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung nach Hamburg. Hamburg ist aber auch eine teure Stadt. Insbesondere die hohen Mieten machen es vielen Auszubildenden unmöglich, ihren Lebensunterhalt allein von ihrer Ausbildungsvergütung zu bestreiten“, so Balcke.
In vielen Berufen, zum Beispiel bei Bäckern (400), Bauzeichnern (478), Dachdeckern (450), Malern und Lackierern (362), Fahrzeuglackierern (492) und Elektronikern in der Energie- und Gebäudetechnik (470) liege die Vergütung bei Ausbildungsbeginn unter 500 Euro. „Und selbst Fluggerätmechaniker und Industriemechaniker kommen im vierten Ausbildungsjahr auf 943 Euro bzw. 940 Euro. Die tarifliche Durchschnittsvergütung lag 2010 bei 614 Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr. Fehlt es an Unterstützung von anderer Seite, droht der Ausbildungsvertrag vielleicht an dem dazu gehörigen Dach über dem Kopf zu scheitern. Das darf nicht sein. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für diese jungen Menschen und unterstützen daher die Initiative zur Gründung eines Auszubildendenwohnheims“, macht Balcke deutlich.
Seit 2008 arbeitet eine private Initiative an dieser Problematik und hat aus Sicht der SPD-Fraktion eine überzeugende Konzeption für die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung „Auszubildendenwerk“ und ein Auszubildendenwohnheim entwickelt. „Es geht nicht nur darum, Wohnraum anzubieten. Den jungen Menschen soll ein guter Start in die Berufswelt ermöglicht und durch begleitende Unterstützungs- und Betreuungsangebote sichergestellt werden, dass sie ihre Ausbildung auch erfolgreich zum Abschluss bringen. Das ist besonders für die jüngeren, oft noch Minderjährigen unter den Auszubildenden wichtig.“
Weiter betont Balcke: „Die Ideen und Pläne liegen auf dem Tisch. Jetzt ist es an der Zeit, dass Hamburg endlich ein Auszubildendenwohnheim bekommt. In München, Köln und Frankfurt sind entsprechende Angebote bereits etabliert. Für Studierende stehen in Hamburg in 22 Studentenwohnheimen des Studierendenwerkes 3.700 Zimmer zur Verfügung – für die derzeit 39.000 Azubis bisher kein einziges. Hier gibt es Nachholbedarf. Wir wollen mit einem ersten Azubiwohnheim mit 500 Plätzen starten. Die Stadt soll der privaten Initiative bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück unter die Arme greifen und dieses als Beitrag zum Stiftungskapital aus dem eigenen Bestand oder dem eines städtischen Unternehmens zur Verfügung stellen. Die Betriebskosten sollen im Rahmen eines privatwirtschaftlichen Engagements über laufende Einnahmen und über das Stiftungskapital aufgebracht werden. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion erwartet die Bereitschaft der Hamburger Wirtschaft, sich finanziell in die Stiftung einzubringen.“
Wichtig seien die zentrale Lage des Azubiwohnheims und eine gute Anbindung an Bus und Bahn, da sich sowohl die 46 Berufsschulen als auch die Ausbildungsstätten über das gesamte Stadtgebiet verteilten.
Balcke: „Ich freue mich auf den Tag, an dem die ersten Azubis in das Wohnheim einziehen. Wir schaffen ein attraktives Wohnumfeld gekoppelt mit begleitenden Unterstützungsangeboten. Dies ist ein wichtiger Baustein, um zukünftige Auszubildende für Hamburg zu begeistern. Die Initiative ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Hamburger Wirtschaft auch zukünftig gut ausgebildete junge Leute beschäftigen kann.“