Christina von Braun liest aus „Stille Post – Eine andere Familiengeschichte“

Christina von Braun liest aus
„Stille Post – Eine andere Familiengeschichte“

Dienstag, 30.10.07, 20.00 Uhr
Curio-Haus, Rothenbaumchaussee 15,
Hintergebäude, Raum ABC

„Stille Post“ bezeichnet die Weitergabe familiärer Botschaften über das Verschweigen, die Körpersprache, das Psychosoma, das selektive Erinnern oder ausmusternde Räsonieren vorrangig der Frauen in der Familie. „Es hat immer schon eine spezifisch ‚weibliche’ Art der Nachrichtenkette gegeben, die aus Familiengeheimnissen oder dem Unsagbaren bestand. Vermutlich deshalb, weil den Frauen die offiziellen Kanäle der Geschichte so lange versperrt blieben.“ (Christina von Braun)

Bei Christina von Brauns neuem Buch handelt es sich um eine hoch persönliche, um eine subversive Form der Geschichtsschreibung. In ihrer Spurensuche erschreibt sie sich das Verhältnis zu ihrer Mutter und Großmutter, die sie nie kennengelernt hat. Im Mittelpunkt steht Hildegard von Margis, Großmutter der Autorin, die 1923 eine Zeitschrift für Hausfrauen und einen Beratungs- und Einkaufsdienst gegründet hatte. Sie war überaus erfolgreich, alleinerziehende Mutter, setzte sich für Gleichberechtigung ein und wurde eine der reichsten Frauen der Weimarer Republik. Während der Nazizeit schloss sie sich der kommunistischen Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen an. Im Sommer 1944 flog die Gruppe auf, Hildegard von Margis, im Nazijargon „Halbjüdin“, wurde verhaftet und starb im Frauengefängnis in Berlin. „Christina von Braun rekonstruiert – durch das Schweigen der Mutter hindurch – das ferne Leben ihrer Großmutter, die sich als guter Geist, ja, beinahe als vergessene Lichtgestalt erweist.“ (Literaturen). Da sich der umfasste Zeitraum auf die schlimmsten und bewegtesten Kapitel deutscher Geschichte erstreckt, gibt es auch viel zu erzählen: Nazis, jüdische Vorfahren, Widerstandskämpfer und schlesischer Adel laufen durchs Bild, darunter auch der Onkel der Autorin, Werner von Braun. Das Bewusstsein, in der Nachfolge einer schwer zu ertragenden deutschen Geschichte zu stehen, ist früh verankert im Denken von Christina von Braun, aber erst langsam hat sie sich auf Umwegen Zutritt zur eigenen Familiengeschichte verschafft.

Gabriele Teckentrup, Psychoanalytikerin, moderiert

Prof. Dr. Christina von Braun, geb. 1944 in Rom, ist Professorin für Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Geschichte. Als Filmemacherin und Kulturtheoretikerin hat sie etwa 50 Filme und Fernsehspiele gedreht und zahlr. Bücher geschrieben zu den Themen Gender, Antisemitismus und Medientheorie. Bekannt wurde sie vor Allem durch ihr Buch „Nicht ich. Logik Lüge Libido“, „Die schamlose Schönheit des Vergangenen“, „Versuch über den Schwindel“, „Gender Studies“., „Verschleierte Wirklichkeit“ (zus. mit Bettina Mathes).

Kooperation mit der Heine-Buchhandlung und der GEW

Eintritt – soweit nicht anders angegeben – Euro 7,-/erm. 4,-

Literaturzentrum Hamburg,
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg,
internet: www.lit-hamburg.de

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