Ohne Ergebnis haben die Tarifparteien in der norddeutschen Chemieindustrie heute weitere Verhandlungen über Entgelterhöhungen und den Vertrag „Zukunft durch Ausbildung“ auf den 14. Juni vertagt. Die IG BCE will eine fünfprozentige Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen erreichen. Der Arbeitgeberverband Chemie Nord legte in dieser ersten Verhandlungsrunde auf regionaler Ebene kein Angebot vor.
Die Arbeitgeber begründeten ihre Zurückweisung der gewerkschaftlichen Forderung mit rückläufiger Produktivität, steigenden Lohnstückkosten und Ölpreisen sowie dem internationalen Wettbewerbsdruck.
Ralf Becker, Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Nord und Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite, zeichnet für die Lage der Industrie ein anderes Bild: „Die Mehrheit der chemischen Unternehmen im Norden ist gut aufgestellt und hat eine hohe Ertragskraft. Die Dividenden, die in diesem Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet worden sind, zeugen von hoher Produktivität und einer guten Auftragslage. Die Wirtschaft zieht seit Ende letzten Jahres wieder an. An diesem Erfolg müssen unsere Mitglieder beteiligt werden.“
Weiterentwickeln will die IG BCE den Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“. Er sei ein Erfolgsmodell, sagte Becker: „In Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir Regeln finden, Langzeitarbeitslose oder geflüchtete Menschen bei uns in Ausbildung zu bringen. Das müsste auch dringendstes Interesse der Arbeitgeber sein.“
Die Gewerkschaftsjugend unterstützte die Forderung der Tarifkommission, in dem sie „Zauberwürfel“ an die Beteiligten der Tarifrunde verteilte und damit für „TV ZAuBer“ (Tarifvertrag Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg) warb. Mit Plakaten forderten die Jugendlichen die Arbeitgeber heraus, mehr von ihnen nach der Ausbildung einzustellen: „28 Prozent unbefristete Übernahme im Norden; und Sie reden vom Fachkräftemangel?“
In der zweiten Runde werden die Tarifparteien auf Bundesebene am 14. Juni in Hannover verhandeln.