Bildung schadet nicht: Die Hälfte macht Abi

Das staatliche Schulsystem ist im Aufwind: 2011 machte erstmals mehr als die Hälfte der Hamburger Schülerinnen und Schüler das Abitur (50,6 %). Nur 7,0 % verließen die Schule ohne Abschluss, der niedrigste Stand seit Jahren.

Schulsenator Ties Rabe zeigte sich anlässlich der Vorstellung der schulischen Herbststatistik erfreut: „Die Qualität der Abschlüsse steigt, das ist eine gute Nachricht. Ich freue mich auch über kleinere Klassen (Grundschule durchschnittlich 20,2) und die Stabilisierung der Stadtteilschule (53 % Schüleranteil in Klasse 7). Sorgen macht die hohe Zahl von Wiederholern in der Oberstufe (7 bis 8 %) sowie der erhebliche Anstieg von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (Anstieg auf 5,4 %). Erneut ging der Anteil der Privatschüler, wenn auch minimal, zurück und liegt jetzt bei 8,9 %. Insgesamt ist das staatliche Schulsystem in Hamburg deutlich im Aufwind.“

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler blieb zwar insgesamt fast gleich (Abnahme um 73 auf 240.640). Das ist aber vor allem auf einen erheblichen Rückgang der Berufsschüler um 2.072 zurückzuführen. Denn umgekehrt stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den allgemeinen Schulen deutlich um 2.020. Ties Rabe: „Hamburg wächst und entwickelt sich damit deutlich gegen den Bundestrend. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.“

Der Trend zu besseren Schulabschlüssen hält an: 16,2 % der Schulabgänger schafften den Hauptschulabschluss, 23,0% den Realschulabschluss, 3,2 % die Fachhochschulreife. Die Zahl der Schulabbrecher ohne Schulabschluss sank auf den Tiefstand von 7 %, der Anteil der Abiturienten stieg auf 50,6 %. Ties Rabe: „Die vor kurzem präsentierte KESS-Studie hat noch einmal bestätigt, dass trotz gestiegener Schülerzahlen in der Oberstufe das Leistungsniveau keineswegs abgesunken, sondern stabil geblieben ist.“

Erfreut zeigt sich der Schulsenator auch über kleinere Klassen an den staatlichen Schulen. In der Grundschule beträgt die durchschnittliche Klassengröße nur noch 20,2 Schülerinnen und Schüler. In Klasse 5 liegt die Klassengröße bei 21,7 (Stadtteilschule) bzw. bei 27,6 (Gymnasium), in Klasse 7 bei 23,3 (Stadtteilschule) bzw. bei 26,1 (Gymnasium) Schülerinnen und Schüler.“

Die Stadtteilschulen wachsen in Klasse 5 um 1.072 Schülerinnen und Schüler auf 6.373. Diese Gewinne lassen sich nur zum Teil mit der Auflösung der Primarschulklassen erklären (-792 Schüler). Die Gymnasien wachsen um 230 auf 6.921 (2011) Schülerinnen und Schüler. In Klasse 5 gehen 48 % der Schülerinnen und Schüler in die Stadtteilschule, 52 % auf das Gymnasium. In Klasse 7 kehrt sich das Verhältnis um auf 53 % (Stadtteilschule) zu 47 % (Gymnasium). Ties Rabe: „Die Stadtteilschule überzeugt immer mehr Schülerinnen und Schüler. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Dazu trägt auch bei, dass die Stadtteilschule mit Erfolg den Weg zum Abitur bahnt. In Klasse 12 besuchen mittlerweile 35,2 % (3.039) aller Schülerinnen und Schüler die Stadtteilschule.“

Uneinheitlich ist dagegen die Situation im Bereich der Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ties Rabe: „Es ist erfreulich, dass immer mehr Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die allgemeinen Schulen besuchen. Ihre Zahl steigt um 1.361 auf 3.503, ihr Anteil von 24 auf 35,8 %. Leider steigt auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf erheblich um 859 (+9,6 %) auf 9.778, ihr Anteil an allen Schülerinnen und Schüler von 5,0 % auf 5,4 %. Besonders stark ist die Zunahme in den Bereichen Sprache (+11,7 %), emotionale und soziale Entwicklung (+58 %) und schwerst-/mehrfach förderbedürftig (+ 34 %). Ties Rabe: „Dieser ungewöhnliche Anstieg ist nicht plausibel und macht mir Sorgen. Der plötzliche und erhebliche Anstieg in einigen Förderbereichen weist darauf hin, dass die Diagnose hier sehr unsicher und wenig verlässlich ist.“

Der Ausbau des Ganztagsangebots geht zügig voran. Es liegen 42 Anträge von Grundschulen vor, die ab dem Schuljahr 2012/2013 die Ganztägige Bildung und Betreuung (GBS) in Kooperation mit einem Hortträger anbieten wollen. Bei 36 Grundschulen wurden die Anträge auf Umwandlung zu GBS-Schulen bewilligt. Bei sechs Schulen läuft zurzeit noch die Prüfung. Darüber hinaus starten 9 Grundschulen ein Ganztagsangebot in schulischer Verantwortung (GTS). Außerdem werden zum nächsten Schuljahr drei weitere Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen. Damit werden ab August 2012 mindestens 48 Schulen ein neues Ganztagsangebot anbieten. Dazu erklärt Ties Rabe: „Ich freue mich über diesen Erfolg. Wir kommen mit der flächendeckenden Einführung von Ganztagsschulen einen großen Schritt weiter. Viele Eltern werden die verlässliche Betreuung ihrer Kinder an den Schulen als große Erleichterung empfinden.“ Im Laufenden Schuljahr 2011/12 verfügen 21 Grundschulen sowie eine Grundschulabteilung einer Stadtteilschule über ein Ganztagsangebot der Ganztägigen Bildung und Betreuung (GBS) in Kooperation mit einem Hortträger. 52 Grundschulen sind derzeit Ganztagsschulen in schulischer Verantwortung (GTS). 35 Stadtteilschulen werden bereits als Ganztagsschulen geführt.

Nicht nur erfreulich ist die Entwicklung im Bereich der Klassenwiederholungen. Die Quote der Wiederholer sinkt in den Grundschulen von 1,5 % auf 0,8 %, bleibt aber gleich an den Gymnasien (2,2 %) und Stadtteilschulen (2,6 %). Ties Rabe: „Ursache für die weitgehend unveränderte Quote ist ein erheblicher Anstieg der Wiederholungen in der Oberstufe (Klasse 11: 6,8 %, Klasse 12: 8,1 %). Das ist eindeutig zu viel und darf nicht so bleiben.“

Während die staatlichen allgemein bildenden Schulen um 2.073 Schülerinnen und Schüler anwuchsen, sank die Zahl der Privatschülerinnen und –schüler um 53. Besonders stark fielen die staatlichen Zuwächse im Bereich der Vorschulen und Grundschulen aus. Lediglich der erhebliche Rückgang der Schülerinnen und Schüler an den staatlichen Berufsschulen um 2.214 gegenüber einem leichten Anstieg bei den privaten Berufsschulen um 142 führt am Ende zu einer noch ausgeglichenen Bilanz zwischen staatlichen und privaten Schulen. Ties Rabe: „Diese Entwicklung zeigt, dass vor allem unsere allgemeinbildenden staatlichen Schulen erheblich an Vertrauen gewinnen. Hamburgs Schulen sind auf einem guten Weg.“

Die Zahlen der Herbststatistik werden unter www.hamburg.de/schulstatistiken im Internet veröffentlicht.

Fakten aus der Herbststatistik 2011

Mehr Schüler im allgemeinen Schulsystem, weniger im Berufsschulsystem

• Die Schülerzahl an den allgemeinbildenden Schulen und in den Vorschulklassen steigt um + 2.020 (+1,13 %) von 178.419 (2010) auf 180.439 (2011). Anteil Vorschule +240.

• Die Schülerzahl an den Beruflichen Schulen sinkt um – 2.072 (-3,4 %) von 60.261 (2010) auf 58.189 (2011).

• Die Schülerzahl in der Erwachsenenbildung bleibt fast unverändert bei Abnahme um – 21 (-1,0 %) von 2.033 (2010) auf 2.012 (2011).

• Die Schülerzahl in Hamburg bleibt fast unverändert bei minimaler Abnahme um – 73 (-0,03 %) von 240.713 (2010) auf 240.640 (2011).

Mehr Abiturienten, weniger Schüler ohne Abschluss

• 2011 haben 7.345 (50,6 %) von 14.526 Schulentlassenen der allgemeinbildenden Schulen das Abitur erworben (Ohne Studienkolleg). Das ist die bislang höchste Abiturientenquote. Zum Vergleich: Hauptschulabschluss (2.359 / 16,2 %), Realschulabschluss (3.339 / 23 %), Fachhochschulreife (463 / 3,2 %)

• 54,9 % aller Abiturienten sind weiblich. Bei den Schulentlassenen ohne Hauptschulabschluss überwiegen dagegen mit 57,9 % die männlichen Schulentlassenen.

• Bei den Quoten der Schulabgänger, die ohne Abschluss eine allgemeinbildende Schule verlassen, ist weiterhin ein rückläufiger Trend zu beobachten: Mit 7,0 % (1.020 Schülerinnen und Schüler, darunter 604 aus Sonder- und Förderschulen) erreicht die Quote den niedrigsten Wert überhaupt.

Kleine Klassen an den allgemeinen staatlichen Schulen

• Staatliche Grundschulen Kl. 1: 12.891 SuS / 639 Klassen, Durchschnittsgröße 20,17

• Staatliche Stadtteilschulen Kl. 5: 6.373 SuS / 294 Klassen, Durchschnittsgröße 21,68

• Staatliche Stadtteilschulen Kl. 7: 7.030 SuS / 302 Klassen, Durchschnittsgröße 23,28

• Staatliche Gymnasien Kl. 5: 6.921 SuS / 251 Klassen, Durchschnittsgröße 27,57

• Staatliche Gymnasien Kl. 7: 6.178 SuS / 237 Klassen, Durchschnittsgröße 26,06

Die Stadtteilschule gewinnt dazu

• Die staatlichen Stadtteilschulen gewinnen in Kl. 5 1.072 Schüler dazu (+20,2 %) und wachsen auf 6.373 Schüler (2011). Diese Gewinne verdanken sich nur zum Teil der Auflösung der Primarschulstarterklassen (-792 Schüler). Die staatlichen Gymnasien wachsen um 230 Schüler

(+3,4 %) auf 6.921 (2011) Schüler.

• In Klasse 7 behaupten sich die Stadtteilschulen mit 7.030 Schülern (2011) gegenüber 7.047 (2010). Die Gymnasien sinken um 237 Schüler (-3,7 %) auf 6.178 Schüler (2011).

• Aktuell besuchen in Kl. 5 52 % der Schüler das Gymnasium, 48 % die Stadtteilschule.

In Klasse 7 besuchen 53 % der Schüler die Stadtteilschule, 47 % das Gymnasium.

In Klasse 12 besuchen 35 % (3.039) die Stadtteilschule, 65 % (5.578) das Gymnasium.

Mehr sonderpädagogischer Förderbedarf, mehr Inklusion

• Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Sonderschulen sinkt um 502 von 6.777 auf 6.275 Schüler. Der Anteil der Sonderschülerinnen und –schüler sinkt von 3,8 auf 3,4 %.

• Die Zahl der inklusiv beschulten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf steigt um 1.361 von 2.142 auf 3.503. Ihr Anteil an allen Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf steigt von 24 auf 35,8 %.

• Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist gegenüber dem Vorjahr um 859 (+9,6%) von 8.919 auf 9.778 gestiegen. Ihr Anteil an Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen steigt von 5,0 % auf 5,4 %.

• Besonders stark ist die Zunahme in den Bereichen Sprache (+11,7 %), emotionale und soziale Entwicklung (+58 %) und schwerst-/mehrfach förderbedürftig (+ 34 %).

Zu viele Wiederholer

• Die Quote der Wiederholer sinkt in den Grundschulen von 1,5% auf 0,8 %, bleibt aber gleich an den Gymnasien (2,2 %) und Stadtteilschulen (2,6 %). Ursache dafür ist ein erheblicher Anstieg der Wiederholerquoten in der Oberstufe von Stadtteilschule und Gymnasium (Klasse 11 6,8 %, Klasse 12 8,1 %).

Die staatlichen allg. bildenden Schulen gewinnen gegenüber den privaten (Anlage 1):

• +2.073 Schüler an staatlichen allgemein bildenden Schulen, -53 an privaten

• Der Anteil der Privatschüler an allg. bildenden Schulen sinkt von 10,7 auf 10,5 %

• Besonders Grundschulen: + 317 staatliche (+0,6%), – 223 private Schulen (-2,9 %)

• Besonders Vorschulen: + 263 staatliche (+4%), – 23 private Schulen (-3,6 %)

• Besonders Gymnasien: + 671 staatliche (+1,8%), + 24 private Schulen (+0,7 %)

• Umgekehrt an Berufsschulen: -2.214 (-3,8%) an staatl., + 142 (+6,6 %) an privaten

• Der Anteil der Privatschüler an Berufsschulen steigt 3,6 auf 3,9 %

• Der Anteil der Privatschüler an allen Schülern bleibt mit 8,9 % fast unverändert.

Der Anteil ist am höchsten in den Stadtteilschulen (15,8 %) und Sonderschulen (12,0 %), am niedrigsten in den Grundschulen (6,7 %) und Berufsschulen (3,9 %) (Anlage 8).

Schulen 2011:

• 395 staatliche Schulen:

195 Grundschulen, 54 Stadtteilschulen (davon 10 mit Grundschulklassen), 59 Gymnasien, 38 Sonderschulen, 45 Berufsschulen, 4 Erwachsenenbildung (Anlage 7/8)

• 82 private Schulen: 21 Grundschulen, 26 Stadtteilschulen, 11 Gymnasien, 5 Sonderschulen, 18 Berufsschulen, 1 Erwachsenenbildung (Anlage 7/8)

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