Bessere Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer

Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) und die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) wollen die Ausbildung für Lehrkräfte an Grund- und Stadtteilschulen verbessern. Das bisherige Einheitsstudium für alle Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen sollen künftig in zwei Studiengänge getrennt werden: einen Studiengang für ein eigenständiges Lehramt an Grundschulen und einen Studiengang für ein eigenständiges Lehramt an Stadtteilschulen.

Bildungssenator Ties Rabe: „Wir wollen die angehenden Lehrkräfte künftig in eigenständigen und passgenauen Studiengängen besser auf ihre unterschiedlichen Aufgaben vorbereiten. Grundschulkinder und Kinder und Jugendliche an Stadtteilschulen können nicht einfach gleich unterrichtet werden. Sie lernen besser, wenn ihre Lehrkräfte bereits während des Studiums in Pädagogik, Didaktik und in ihren Fächern auf die besonderen Aufgaben in ihren jeweiligen Schulen vorbereitet werden.“ Eine Gruppe von Experten der Lehrerausbildung wird mit Unterstützung einer Projektgruppe mit Vertretern beider Behörden sowie der Universität Hamburg in diesem Jahr Vorschläge erarbeiten. Über die konkreten Ergebnisse soll 2017 entschieden werden.

Zurzeit gibt es vier unterschiedliche Lehramtsstudiengänge: Gymnasien, Sonderschulen, Berufsschulen und Grund-, Haupt-, Realschulen. Die Aufteilung des Studiums für Lehrkräfte an Grund- Haupt- und Realschulen in zwei eigenständige Studiengänge jeweils für Grundschule und Stadtteilschule soll den Unterricht an diesen Schulen aufwerten und verbessern. Senator Rabe: „Guter Unterricht ist der Dreh- und Angelpunkt guter Bildung. Dafür brauchen unsere Lehrkräfte eine gute Ausbildung, die auf die besonderen Anforderungen der jeweiligen Schülerschaft passgenau zugeschnitten ist. Wissenschaftliche Studien haben sehr überzeugend die Bedeutung gut ausgebildeter Lehrkräfte für den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler herausgearbeitet. Das gilt sowohl für die pädagogische als auch für die fachliche Ausbildung. Beide Aspekte müssen zusammen gedacht und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Denn Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen stellen nicht nur unterschiedliche Anforderungen an die Pädagogik. Eine hochwertige Ausbildung in den Unterrichtsfächern ist genau so entscheidend für guten Unterricht.“

Mit der Einführung von zwei eigenständigen Studiengängen für das Lehramt an Grundschulen und das Lehramt an Stadtteilschulen wird die Ausbildung zudem besser auf die Hamburger Schulstruktur ausgerichtet. Die früheren Grund- Haupt und Realschulen gibt es in Hamburg nicht mehr. Sie wurden im Jahr 2010 im Zuge einer Reform fast überall in eigenständige Grundschulen und eigenständige Stadtteilschulen gegliedert. Diese strukturellen Veränderungen führten zugleich zu einer stärkeren organisatorischen und pädagogischen Profilierung der Schularten. Das gilt gerade für die Stadtteilschulen, die aus zahlreichen unterschiedlichen Vorgängerschulformen wie zum Beispiel kooperative oder integrative Gesamtschulen, Hauptschulen, Realschulen und Aufbaugymnasien entwickelt wurden und heute alle Schulabschlüsse bis hin zum Abitur anbieten.

Aus diesen Gründen haben auch alle anderen Bundesländer die Lehrerausbildung verändert und ein eigenständiges Grundschullehramt entwickelt. Aktuell wird bundesweit nur noch in Hamburg ein gemeinsames Lehramt für die Grundschule bis zur Klassenstufe 10 ausgebildet. Die Veränderung der Schulstruktur hat überdies die Kultusministerkonferenz zu einem Beschluss veranlasst, schulformübergreifende Lehramtsstudiengänge zu eigenständigen Lehrämtern für bestimmte Schularten oder Stufen weiter zu entwickeln und die alten, schulformübergreifenden Studiengänge auslaufen zu lassen. Wenn Hamburg diese Entwicklung jetzt ebenfalls umsetzt, dann verbessern sich auch die bundesweiten Bewerbungschancen der in Hamburg ausgebildeten Lehramtsstudierenden. Die Reform des Lehramtsstudiums sorgt insofern zugleich dafür, dass die Vergleichbarkeit der Hamburger Abschlüsse und damit die länderübergreifende Mobilität der Hamburger Lehramtsabsolventinnen und –absolventen verbessert wird.

Die genauere Ausrichtung der Pädagogik auf die jeweilige Altersgruppe soll ergänzt werden um eine bessere Vorbereitung der künftigen Lehrerinnen und Lehrer auf den Unterricht von heterogenen Lerngruppen. In den Schulklassen aller Schulformen lernen mittlerweile Kinder mit höchst unterschiedlichen Begabungen und Lernvoraussetzungen. Diese besonderen Anforderungen an die Lehrkräfte wurden durch die Einführung der Inklusion weiter verstärkt. Inklusion beschränkt sich aber nicht auf sonderpädagogische Förderung in den allgemeinbildenden Schulen, sondern umfasst viele weitere Handlungsfelder wie zum Beispiel Interkulturalität und Begabtenförderung. Für die Lehrkräfte geht es darum, die individuelle Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler zum Ausgangspunkt für die Gestaltung ihres Unterrichts zu nehmen. Mehr noch als bisher sind Lernarrangements individuell auszurichten, um jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht zu werden. Das gilt auch für die gezielte Förderung besonders leistungsstarker Schülerinnen und Schüler.

Guter Unterricht lebt von der Teamarbeit aller Pädagogen der Schule. Dazu zählen neben den speziellen Lehrkräften der jeweiligen Schulform oft auch Lehrkräfte der beruflichen und der sonderpädagogischen Lehrämter, aber auch Erzieherinnen und Erziehern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie eventuell weitere Berufsgruppen. Die dafür erforderlichen Kompetenzen müssen in der Ausbildung aller Berufsgruppen, namentlich der Lehrerinnen und Lehrer, systematisch angelegt werden. Das Projekt wird sich also auch mit Vorschlägen befassen, wie die zur professionellen Kooperation erforderlichen Kompetenzen bereits in der Ausbildung systematisch angelegt werden können.

Neben der Kernaufgabe, Vorschläge für eigenständige Studiengänge zum Lehramt an Grundschulen und an Stadtteilschulen zu entwickeln, sollen die Experten auch punktuelle Verbesserungsvorschläge für das Studium anderer Lehrämter entwickeln. So werden beispielsweise seit Jahren zu wenig Berufsschullehrkräfte in naturwissenschaftlich-technischen Berufsfeldern ausgebildet. Dieser Mangel beeinträchtigt die Zukunftsfähigkeit der Ausbildung in einzelnen beruflichen Fachrichtungen. Hier sollen Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wie das Lehramtsstudium in den MINT-Fächern attraktiver gestaltet werden kann.

Der Prozess zur Erarbeitung von Vorschlägen für ein verändertes Lehramtsstudium wird von den Staatsräten der Wissenschafts- und der Schulbehörde Eva Gümbel und Dr. Michael Voges gelenkt. Eine Projektgruppe aus leitenden Fachleuten der beiden Behörden, der Universität, den an der Lehrerbildung beteiligten Hochschulen, dem Landesinstitut (LI) und dem Zentrum für Lehrerbildung (ZLH) organisiert und gestaltet die fachliche Arbeit. Und eine Expertenkommission erarbeitet konkrete Verbesserungsvorschläge. Mit der Leitung der Projektgruppe und der Moderation der Expertenkommission wurde Oberschulrat a.D. Aart Pabst (ehemals Leiter des Zentrums für Lehrerbildung Hamburg) beauftragt. Für die Expertenkommission konnten renommierte, unabhängige externe Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Bildungsadministration gewonnen werden:
Prof. Dr. Ewald Terhart, Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Allgemeine Didaktik, Schulpädagogik)
Prof. Dr. Susanne Miller, Universität Bielefeld (Grundschulpädagogik)
Prof. Dr. Julia Gillen, Leibniz-Universität Hannover (Berufspädagogik)
Prof. Dr. Vera Moser, Humboldt-Universität zu Berlin (Pädagogik bei Beeinträchtigung des Lernens, Rehabilitationspädagogik)
Dr. Reiner Schmitz, Staatsrat a.D. der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg

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