Azubis verlassen Hamburg bereits wieder

Norddeutsche Unternehmen haben große Probleme, Arbeitnehmer und Auszubildende aus der Mittelmeerregion zu integrieren: Die Handelskammer Hamburg berichtet heute, dass die Hälfte der angeworbenen Azubis aus Spanien bereits wieder weg ist. Der Asklepios-Konzern stand vor erheblichen Konflikten mit Pflegeschülern aus Tunesien. Nach Informationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord) wird die deutliche Mehrzahl der südeuropäischen Auszubildenden in den Hotels und Gaststätten Mecklenburg-Vorpommerns beschäftigt – und damit in der Billiglohn-Branche des Nordens.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Wer ein soziales Europa will, der muss auch die Integration der Arbeitnehmer und Auszubildenden fördern. Erklärtes Ziel muss es sein, die unzumutbare Situation der arbeitslosen Jugendlichen in Europa maßgeblich zu verbessern und den jungen Menschen wieder eine Perspektive zu geben. Aber zu viele Unternehmen haben sich als unfähig erwiesen, dazu die nötigen Angebote zu machen und die jungen Menschen da abzuholen, wo sie stehen. Auf die Jubelmeldungen folgt jetzt die Ernüchterung des betrieblichen Alltags: Viele Firmen müssen sich erst noch fit machen für den europäischen Arbeitsmarkt. Die Angebote für angeworbene Jugendliche aus anderen europäischen Ländern müssen den Qualitätsstandards entsprechen, sie müssen Perspektiven sichern und nachhaltig qualifizieren. Die Arbeitsministerien der Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern werden sehr genau darauf achten müssen, dass die angereisten Arbeitskräfte nicht als ausgebeutete Billiglöhner enden. Zur Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa gehört es auch, eine Willkommenskultur und Qualifikationsstruktur zu entwickeln. Wer mit Wanderarbeitern nur den schnellen Euro machen will, ist fehl am Platze in der Sozialen Marktwirtschaft.“

Die Fakten
2013 wurden in den führenden Branchen folgende Zahlen an eingereisten EU-Auszubildenden gemeldet:
Hamburg: gesamt 50, davon 31 in Hotels und Gaststätten
Schleswig-Holstein: gesamt 52, davon 21 in Hotels und Gaststätten
Mecklenburg-Vorpommern: 296 gesamt, davon 218 in Hotels und Gaststätten

Die Angebote in 2014:
Hamburg: gesamt 57, davon 19 in Hotel und Gaststätten, 9 im Friseurgewerbe
Schleswig-Holstein: gesamt 150, davon 93 in Hotels und Gaststätten
Mecklenburg-Vorpommern: gesamt 497, davon 342 in Hotels und Gaststätten, 40 im Sicherheitsgewerbe, 37 in der Altenpflege

Die ausführliche DGB-Position zum Programm MobiPro-EU finden Sie hier.

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