In Branchen mit schlechten Ausbildungsbedingungen bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Probleme der Betriebe sind oft hausgemacht:
Regelmäßige Überstunden, Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz und ausbildungsfremde Tätigkeiten schrecken viele Jugendliche ab. „Die jungen Menschen stimmen über Ausbildungsbedingungen mit den Füßen ab“, sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.
Die DGB-Jugend befragt im Rahmen ihres Ausbildungsreports jedes Jahr Tausende Auszubildende zu ihren Ausbildungsbedingungen. Auch in diesem Jahr gibt es wieder klare Ergebnisse: Am besten schneiden Ausbildungsberufe wie Industriemechanik, die Ausbildung zu Industrie- oder Bankkaufleuten sowie zu MechatronikerInnen und FachinformatikerInnen ab. Schlusslichter auf der Bewertungsskala sind die Ausbildungsbedingungen bei den Köchen, den Zahnmedizinischen Fachangestellten, bei der Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk, der Ausbildung im Hotelgewerbe sowie bei FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk.
Der Report zeigt außerdem ganz klar: Je schlechter die Ausbildungsbedingungen, desto schwieriger ist es für die Betriebe, Auszubildende zu finden und zu halten. Im Schnitt wird etwa jede vierte Ausbildung vorzeitig abgebrochen – in Ausbildungsberufen mit schlecht bewerteten Ausbildungsbedingungen sind es laut Ausbildungsreport sogar wesentlich mehr. So bringen 41 Prozent der Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk ihre Ausbildung nicht zu Ende. Bei den angehenden Köchinnen und Köchen sind es sogar über 48 Prozent. „Die jungen Menschen stimmen über Ausbildungsbedingungen mit den Füßen ab“, kommentierte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller die Zahlen bei der Präsentation des Ausbildungsreports.
Der Ausbildungsreport der DGB Jugend zeigt auch, woran es in manchen Betrieben konkret mangelt: Fast jeder fünfte Auszubildende (18,2%) gibt an, selten oder nie von einem Ausbilder betreut zu werden. Außerdem müssen über 10 Prozent der Auszubildenden ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten, also zum Beispiel Putzarbeiten erledigen.
Regelmäßige Überstunden gehören für über ein Drittel der Azubis zum Alltag. 17 Prozent von ihnen bekommen dafür nicht einmal einen Ausgleich – weder finanziell, noch über einen Freizeitausgleich.
Auch den Jugendarbeitsschutz für unter 18-jährige Azubis halten einige Betriebe nicht ein. Vor allem die zulässige Wochenarbeitszeit wird oft überschritten: 13,2 Prozent der Auszubildenden unter 18 Jahren müssen mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. Und knapp über 7 Prozent der unter 18-Jährigen müssen sogar, entgegen der Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes, mehr als fünf Tage in der Woche im Betrieb arbeiten. „Das ist ein klarer Gesetzesversoß“, so Florian Haggenmiller. Dass diese Zahl im Vergleich zu den Vorjahren leicht gesunken ist (2013: 16,5 Prozent), sei zwar erfreulich. „Das hilft den Betroffenen aber auch nicht weiter“, so Haggenmiller. Die DGB Jugend fordert deutlich mehr Kontrollen, ob der Jugendarbeitsschutz in den Betrieben eingehalten wird.