Auch wenn das duale Ausbildungssystem in Hamburg ein Erfolg ist, besteht in manchen Branchen dringend Handlungsbedarf, um die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Das geht aus dem regionalen Ausbildungsreport hervor, den der DGB Hamburg erstmals präsentiert hat.
Über 3.000 Azubis haben für die Untersuchung Fragebögen ausgefüllt, die anschließend von dem unabhängigen Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V. ausgewertet wurden. Das positive Ergebnis vorweg: Knapp drei Viertel der Befragten sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Das duale System in Hamburg bewährt sich. Doch nicht überall sieht die Ausbildungssituation für junge Menschen gut aus. Gravierende Mängel zeigen sich speziell im Hotel- und Gaststättengewerbe.
Überstunden sind an der Tagesordnung, Freizeitausgleich gibt es kaum einmal
Die Zahlen aus dem Ausbildungsreport bestätigen diesen Eindruck. Danach gehören in dieser Branche zum Beispiel überlange Arbeitszeiten für die meisten Auszubildenden zum Alltag. So berichten rund 40 Prozent aller Befragten, dass sie regelmäßig Mehrarbeit leisten. Im Hamburger Hotel- und Gastgewerbe liegt dieser Anteil aber sogar bei über 67 Prozent. Etwa ein Drittel von ihnen geben an, dafür weder Freizeitausgleich noch Bezahlung zu erhalten. Bei Auszubildenden in anderen Berufen kann man eine positivere Bilanz ziehen: Hier sind es nicht einmal halb so viele (18,1 Prozent). Lutz Tillack, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Hamburg: „Immer wieder kommen junge Menschen bei uns in die Beratung und berichten davon, dass sie keinen Feierabend haben oder zu viele Überstunden leisten müssen. Dagegen kann man etwas tun. Die NGG bietet konkrete Hilfe und Unterstützung an. Aber natürlich wollen wir gemeinsam mit dem DEHOGA die Probleme auch allgemein angehen.“
Ein anderes alarmierendes Ergebnis: Vergleicht man die Ausbildungsvergütung des Hotelund Gaststättengewerbes mit der in anderen Bundesländern ist Hamburg – als eine der reichsten Städte Europas – eines der Schlusslichter. Deswegen fordert Christian Kröncke, Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend Hamburg: „Auszubildende müssen in Hamburg ordentlich bezahlt werden. Sie müssen finanziell unabhängig von ihren Eltern sein und in einer teuren Stadt wie Hamburg vernünftig leben können. Es darf nicht sein, dass sie in manchen Betrieben nur als billige Arbeitskraft gesehen werden.“Sorgen macht Kröncke auch die Situation von Auszubildenden, die Köche werden wollen. Rund die Hälfte der Ausbildungsverträge wird in diesem Bereich vorzeitig gelöst. Schuld daran sind oftmals die schlechten Bedingungen.
Unternehmen müssen ihrer Verantwortung nachkommen
Als Fazit fasst Hamburgs DGB-Vorsitzender Uwe Grund zusammen: „Die Qualität der Ausbildung hat eine herausragende Bedeutung für die Auszubildenden selber, für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und letztendlich für die Zukunftsperspektiven der ganzen Stadt. Es geht nicht, dass Unternehmen ihrer Verantwortung eine vernünftige Ausbildung zu bieten, nicht nachkommen.“
Uwe Grund weist in diesem Zusammenhang aber auch noch auf ein anderes Problem hin: „Nach wie vor werden zu viele junge Menschen als nicht ausbildungsreif abgestempelt und landen in Warteschleifen oder Fortbildungsmaßnahmen. Jeder sollte aber das Recht auf eine gute Ausbildung haben. Hier sind die Unternehmen und die Politik gefragt.“