Im Norden Deutschlands verdienen vollzeitbeschäftigte Männer deutlich mehr als vollzeitbeschäftigte Frauen: Dies hat eine Sonderauswertung der aktuellsten Daten der Bundesagentur für Arbeit durch den Deutschen Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) ergeben.
Die Zahlen im Einzelnen (Median der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von Vollzeitbeschäftigten, Stichtag 31.12. 2010):
Männer in Schleswig-Holstein: 2.702.- Euro
Frauen in Schleswig-Holstein: 2.141.- Euro
Männer in Hamburg: 3.443.- Euro
Frauen in Hamburg: 2.691.- Euro
Männer in Mecklenburg-Vorpommern: 1.958.- Euro
Frauen in Mecklenburg-Vorpommern: 1.836.- Euro
Das Statistische Bundesamt hat heute veröffentlicht, dass der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von weiblichen Führungskräften im Jahr 2010 um 30 Prozent niedriger ausfiel als der von männlichen Führungskräften. Insgesamt habe sich der Verdienstunterschied verglichen mit der letzten Erhebung 2006 um knapp einen Prozentpunkt (!) auf 22 Prozent leicht verringert. Mit steigendem Alter der Beschäftigten nehme der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern zu.
Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Frauen werden häufig ausgenutzt und unfair entlohnt – „Equal pay“ ist längst noch nicht überall die Wirklichkeit. Die Besserstellung von Frauen in der Arbeitswelt ist eine der größten Baustellen für die Gewerkschaften und Betriebsräte, aber auch für die Bundes- und Landespolitiker, denn die geringeren Einkünfte haben auch geringere Rentenansprüche zur Folge. Statt am verkorksten Betreuungsgeld herumzudoktern, sollten sich das Bundeskabinett und Ministerin Schröder endlich um diejenigen kümmern, die für gleiche Arbeit immer noch nicht gleiches Geld erhalten, die von Führungspositionen fern gehalten werden oder gering entlohnte Tätigkeiten annehmen müssen. Die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau in einem der reichsten Länder der Erde bleibt ein Skandal.“
Hamburgs DGB-Vorsitzender Uwe Grund: „Wir brauchen eine Politik für faire Löhne für alle Beschäftigten und es muss endlich Schluss sein mit der Lohndiskriminierung von Frauen. Altersarmut darf nicht zum Normalfall werden. Deswegen darf der Rentenbeitrag nicht gesenkt werden und ein Nachhaltigkeitsfaktor noch tiefer sinkende Renten verhindern. Die Einführung einer Mindestrente ist überfällig. “
Die Daten des DGB Nord beruhen auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind in den Lohnangaben berücksichtigt; Auszubildende, aber auch Teilzeitkräfte und Minijobber wurden nicht mitgezählt.