Nachhaltige Arbeitszeitgestaltung – aber wie? Der Antwort auf diese Frage widmet sich eine Projektgruppe der IG BCE Hamburg/Harburg aus Betriebsräten und Gewerkschaftern.
Die Initiative dazu ging von der 2. bezirklichen IG BCE-Vertrauensleute-konferenz im Januar 2014 aus. Im Mai gab es das erste Treffen. Nun ist am 18. Oktober ein Workshop über betriebliche Arbeitszeitmodelle geplant.
Tatsächlich: Das Thema brennt vielen Kolleginnen und Kollegen auf den Nägeln. Oliver Venzke vom Bezirk Hamburg-Harburg: „Alle interessierten Kolleginnen und Kollegen sind zu dem Workshop herzlich eingeladen. Wir wollen an dem Tag von vorhandenen Modellen lernen – im Guten, aber auch, wie man es besser machen kann.“ Dazu gehört, so Venzke weiter, welche Richtungsbestimmung die Arbeitszeitdebatte nehmen soll und wer sie antreibt. Venzke: „Früher ging es um generelle Arbeitszeitverkürzung, heute um größtmögliche Flexibilisierung –
aber bisher nur im Interesse der Arbeitgeber. Deswegen ist die Zeit reif für neue Ansätze aus Sicht der Beschäftigten und deren Durchsetzung: Flexibilisierung muss für beide Seiten stattfinden. Diese Einsicht der Arbeitgeber vermissen wir und wollen dem, eigene nachhaltige Vorschläge entgegensetzen. Entwickelt werden müssen Arbeitszeitmodelle, die auf unterschiedliche Lebensphasen und Lebenssituationen Rücksicht nehmen, und zwar im Rahmen unbefristeter Arbeitsverträge mit sicherem Einkommen – das ist die gesellschaftlich notwendige andere Seite der Medaille für die steigenden Flexibilitätsanforderungen einer globalen Industrie.“
Wie werden Arbeit und Leben besser vereinbart?
Es ist Alltag geworden, immer erreichbar zu sein, auch ad hoc einzuspringen, wenn ein Projekt oder die knappe Personaldecke das erfordert, oder bis tief in die Nacht zu arbeiten. Ständiger und zunehmender Leistungsdruck verschärfen die Situation, Arbeitszeiten ufern aus. Venzke: „Zusammen-gefasst: Es geht um nicht mehr als um die bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, ein Thema, das alle betrifft.“ Dr. Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaft-lichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI), bestätigt auch die Notwendigkeit der Hamburger Projektgruppe: „Aktuell gewinnt das Thema `Arbeitszeit ´ erneut stark an Bedeutung: Im Zentrum der Diskussion stehen die Gestaltung der Arbeitszeit im Lebensverlauf und die Möglichkeiten, wie flexiblere und auch kürzere Arbeitszeiten im Interesse der Beschäftigten gestaltet werden können.“ In dem Workshop werden Betriebsräte unter anderem berichten, wie es in ihren Betrieben um die Gestaltung der Arbeitszeiten bestellt ist.