Analphabetismus betrifft nicht nur die dritte Welt

Heute ist Weltalphabetisierungstag. Die UNESCO erinnert jedes Jahr am 8. September daran, dass aktuell 793 Millionen weltweit nicht richtig schreiben und lesen können. Auch in Deutschland sind davon Millionen betroffen.

Der Vorsitzende des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, der SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Pinneberg, Ernst Dieter Rossmann erklärt dazu: „Analphabetismus betrifft nicht nur die dritte Welt. Die Studie „leo.- Level-One Survey“ hat Anfang des Jahres ergeben, dass der funktionale Analphabetismus in Deutschland 7,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter betrifft. Das sind 14,5 % der Bevölkerung, die teilweise zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben können, nicht jedoch zusammenhängende Texte. Sie können somit keine Arbeitseinweisungen, geschweige denn Zeitungen oder Bücher lesen, obwohl mehr als die Hälfte von ihnen einen Job hat. Diese Erkenntnisse müssen alle Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft alarmieren, erst recht, wenn die Bundeskanzlerin für Deutschland den Anspruch einer „Bildungsrepublik“ ausgerufen hat.“

Die SPD-Bundestagfraktion will deshalb die Grundbildung und Alphabetisierung auf die bildungspolitische Agenda setzen. Rossmann: „Wir dürfen nicht länger wegschauen! Grundbildung und Alphabetisierung sind eine elementare Aufgabe der Bildungspolitik, ein persönlicher existentieller Bedarf und eine gesellschaftlich existenzielle Notwendigkeit, wenn wir nicht ganze Bevölkerungsgruppen aus dem gesellschaftlichen bzw. aus dem Erwerbsleben nachhaltig auszuschließen wollen. Wir fordern deshalb Bundesbildungsministerin Schavan auf, den von ihr angekündigten „Nationalen Pakt für Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland“ mit Leben zu füllen und alle Beteiligten zu einer konzertierten Aktion gegen den Analphabetismus in Deutschland zu bewegen.

Rossmann: „Wir brauchen deutlich mehr Alphabetisierungskurse, mehr Angebote berufsbegleitender Grundbildung und mehr soziale Begleitung der Betroffenen. Wir brauchen eine zielgruppenorientierte Medienkampagne, eine „ALPHA-Offensive“, damit Analphabetismus entstigmatisiert wird und die Betroffenen ermutigt werden, aus ihrer Anonymität herauszutreten und Kurse zu besuchen. Hierbei brauchen wir nicht nur die Massenmedien – wie Fernsehen und Radio -, sondern auch die Hilfe der Familien, der Vereine und der Nachbarschaft. Ebenso setzen wir uns ein für einen Ausbau des Berufsbildes Alphabetisierungs- und Grundbildungspädagoge.“

Dazu fordert die SPD-Bundestagfraktion 20 Millionen Euro mehr im Jahr als Beitrag des Bundes beim Einstieg in eine solche Alphabetisierungsoffensive, damit nicht nur knapp 20.000 Menschen im Jahr einen Alphabetisierungskurs machen können, sondern das Zehnfache davon.

1 Gedanke zu „Analphabetismus betrifft nicht nur die dritte Welt“

  1. Das mit der Medienkampagne scheint mir eine gute Idee zu sein. Damit sie erfahren, dass es nicht nur ihnen so geht. Kann man bestimmt ganz witzig gestalten.

    Und bis es genügend Grundbildungspädagogen gibt, beschäftigen sich bitte alle freiwillig etwas mit der Verständlichkeitsforschung. Einfach mal eingeben, das Wort…

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