Amazon: DGB rügt „modernen Sklavenhandel“

Die Bilder schockierten, vor allem die Kunden. In der ARD-Reportage „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ wurde ein skandlöser Umgang des größten Online-Händlers der Welt mit tausenden Wanderarbeitern dokumentiert. Die Gewerkschaft spricht von „modernem Sklavenhandel“.

Die ARD schildert die Praktiken so: „Deutlich weniger Lohn als bei der Anwerbung in Spanien versprochen, nach Feierabend stundenlanges Warten auf den überfüllten Bus, der sie über zig Kilometer Autobahn in ihre Unterkunft bringen soll. Sie leben zu zweit auf engstem Raum in einem zu dieser Jahreszeit verlassenen Ferienpark. Hier führt ein Sicherheitsdienst ein Regime, das auf Einschüchterung setzt und immer wieder in die Privatsphäre der Arbeiter eindringt. Wer sich wehrt, fliegt raus. Fristlos.“

Die Reportage in der Mediathek des Senders:

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/13402260_ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon

Der DGB Hessen-Thüringen hat die hessische Landesregierung aufgefordert, unverzüglich dafür zu sorgen, dass sich die Arbeitsbedingungen für LeiharbeiterInnen beim Internetversandhändler Amazon ändern.

Der nordhessische DGB-Regionsgeschäftsführer und Zuständige für den größten hessischen Amazon-Standort in Bad Hersfeld, Michael Rudolph: „Das System Amazon“ muss dringend beendet werden. Soziale Marktwirtschaft bedeutet nicht, Lücken der Arbeitsmarktgesetze für die Profitmaximierung zu missbrauchen. Sie bedeutet vor allem auch nicht, die Notsituation von Menschen schamlos auszunutzen“, sagte Rudolph. Was Amazon da offenbar betreibe, sei eine Art modernen Sklavenhandels.

Rudolph lobte die ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“. Sie habe endlich öffentlich gemacht, welche Zustände bei dem Versandhändler herrschten. „Der hessische Rundfunk hat mit diesem Film eine großartige journalistische Leistung abgeliefert und viel Mut bewiesen. Denn geredet wurde schon seit langem über die Zustände, aber hier bauten die beiden Journalisten Diane Löbl und Peter Onneken ein ganzes, erschreckendes Bild.“

Amazon, so Rudolph weiter, sei das Ergebnis falscher Arbeitsmarkt- und Europapolitik und Ausdruck eines offensichtlichen Sittenverfalls eines Teils der Wirtschaftselite. Die einseitige Austeritätspolitik habe dazu geführt, dass die Arbeitslosigkeit in vielen südlichen Ländern Europas massiv gestiegen sei. Rudolph: „Die Menschen dort greifen inzwischen nach jedem Strohhalm, auch den Bus nach Deutschland zu Amazon. Gleichzeitig macht die sogenannte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes überbordende Leiharbeit, befristete Verträge und staatlich geförderte Praktika in Unternehmen überhaupt erst möglich. Amazon ist das Resultat dieser Politik, kombiniert mit Managern, die es offenbar als Sport verstehen, Arbeitsmarktregeln zur Profitmaximierung zu missbrauchen.“

Die Arbeitsagenturen fordert der DGB Hessen-Thüringen auf, zu prüfen, ob Amazon geltende Regeln umgehe. Die Gewerkschaften kümmerten sich bereits vor Ort gezielt um die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Letztlich, so Rudolph, gehe es auch um den Schutz der Anständigen in der hessischen Wirtschaft. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die, die sich an die Regeln halten, im Wettbewerb ins Hintertreffen geraten.“

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