Am Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima haben mehrere zehntausend Menschen in sechs Regionen in Deutschland für den Atomausstieg demonstriert. Torsten Albig, SPD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein, beteiligte sich mit führenden Politikern der Grünen an der Aktion direkt vor dem AKW Brokdorf.
Albig machte deutlich, dass Atomausstieg und Energiewende auch ein Gebot der Ereignisse in Fukushima seien: „Wind ist die richtige Energie für unser Land.“ Auch der DGB Nord beteiligte sich an den Aktionen für den Atomausstieg. DGB-Chef Uwe Polkaehn forderte Bundes- und Landesregierung auf, „konsequent die Energiewende herbei zu führen, die regenerativen Energien zu fördern, Netz- und Speichertechnologien verstärkt auszubauen und die Energieeffizienz voran zu treiben“. Gerade für Norddeutschland gebe es hervorragende Chancen auf neue Arbeitsplätze und auf lukrative Geschäftsfelder, wenn eine ökologische Industriepolitik und nachhaltige Energiepolitik betrieben werde.
Zu den Forderungen der bundesweiten Demonstrationen gehörten auch die Einstellung der Urananreicherung im nordrhein-westfälischen Gronau und ein Neustart beim Umgang mit dem radioaktiven Atommüll. Gorleben und Schacht Konrad müssten als Endlagerstandorte aufgegeben und der Atommüll aus den Lagern Asse II und Morsleben herausgeholt werden.
In Japan, Frankreich, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Polen fanden ähnliche Kundgebungen statt, bei denen der Opfer der Atomkatastrophe gedacht und eine Abkehr von der Atomenergie gefordert wurde.
Zu den Demonstrationen in Brokdorf, Gundremmingen, Neckarwestheim, Gronau, Hannover und in der Region um die Atommülllager Asse und Schacht Konrad hatten regionale Bürgerinitiativen und die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, Attac, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Campact, die Bürgerinitiative Umweltschutz, ROBIN WOOD, die NaturFreunde Deutschlands, das Netzwerk Friedenskooperative sowie die Verbände IPPNW, contrAtom und urgewald aufgerufen.
Das Atomkraftwerk Brokdorf umzingelten mit einer Menschenkette rund 3000 Demonstranten, am AKW Gundremmingen versammelten sich 4000 und am AKW Neckarwestheim 5000 Menschen. In Hannover demonstrierten 7000 gegen die Atomenergienutzung, bei der Urananreicherungsanlage Gronau mehr als 4000. Bei einer 75 Kilometer langen Lichterkette in der Region um die Atommülllager Asse und Schacht Konrad am Abend rechnen die Organisatoren mit mehr als 20000 Teilnehmern.
Die eindrucksvollen Protestdemonstrationen sind für die Veranstalter ein deutliches Signal an die Bundesregierung, endlich die notwendigen Konsequenzen aus der Fukushima-Katastrophe zu ziehen. Der halbherzige und viel zu langsame Atomausstieg in Deutschland müsse deutlich beschleunigt und die Energiewende energisch vorangetrieben werden. Die Mehrheit der Bevölkerung sei für einen schnelleren Atomausstieg. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Norbert Röttgen müssten außerdem den Verharmlosern der Fukushima-Katastrophe in den Chefetagen der Energiekonzerne entschieden entgegentreten.