Besser spät als nie: Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich jetzt von einer Abhöraktion der „Bild“-Zeitung aus dem Jahr 1976 gegen den Schriftsteller Günter Wallraff distanziert.
Das „Hamburger Abendblatt“ zitiert heute eine Äußerung Döpfners gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Wir distanzieren uns aus Sicht des heutigen Managements und der Chefredaktion nachdrücklich von den damaligen Vorgängen.“
Döpfner rügte weiter, dass bei einer hausinternen Untersuchung keinerlei Unterlagen zur Abhöraktion entdeckt wurden: „Dass wir nichts finden, ist enttäuschend und legt den Verdacht nahe, dass es von Verlagsseite etwas zu verheimlichen gab.“
1976 waren nach Springer-Angaben in den Redaktionsräumen von „Bild“ Köln Wallraff-Telefonate abgewhört worden, u.a. mit dem Liedermacher Wolf Biermann. Ein Gerichtsverfahren wurde 1981 eingestellt.
Döpfner hatte angekündigt, sein Verlag wolle aufklären, „auf wessen Betreiben Wallraff abgehört wurde oder ob es eine Kooperation zwischen dem BND und der Kölner ,Bild‘-Redaktion gab und – wenn ja – wie diese zustande kam“. Er könne nicht ausschließen, dass Unterlagen eventuell absichtlich vernichtet wurden. Derzeit laufe noch eine Klage von Springer gegen den BND auf Akteneinsicht. Wallraff hatte Ende der 70er Jahre in dem Buch „Der Aufmacher“ über seine Erfahrungen in der „Bild“-Redaktion berichtet.