77 oder 82 oder älter oder jünger

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland ist erneut angestiegen, so das Statistische Bundesamt. Die Gewerkschaften weisen darauf hin, dass diese Feststellung für Geringverdiener nicht gilt.

Die Lebenserwartung beträgt nach der auf die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse bezogenen Periodensterbetafel 2009/2011 für neugeborene Jungen 77 Jahre und 9 Monate und für neugeborene Mädchen 82 Jahre und 9 Monate, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Damit erhöhte sich im Vergleich zur vorherigen Sterbetafel 2008/2010 die Lebenserwartung für neugeborene Jungen um 3 Monate und für Mädchen um 2 Monate. Wenn sich der in der Vergangenheit beobachtete Trend bei der Sterblichkeit in der Zukunft ungebrochen fortsetze, könne nach den Ergebnissen der Generationensterbetafel (Trendvariante 2) ein 2009 geborener Junge statistisch mit einer Lebenserwartung von 86 Jahren und 5 Monaten rechnen. Bei einem Mädchen sind es sogar 90 Jahre und 8 Monate.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Wie auch bei Einkommen, Vermögen und anderen Indikatoren sind Durchschnittswerte wenig aussagekräftig. Gerade erst hat die Bundesregierung zugegeben, dass Arbeitnehmer mit geringem Einkommen im Schnitt auf 75,5 Lebensjahre kommen (Stand 2010) – 2001 waren es noch 77,5 Jahre. Andere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass gut verdienende männliche Arbeitnehmer im Schnitt fast drei Jahre länger leben als die Bezieher von niedrigeren Einkommen und Renten. Und die Reichen haben ohnehin einen privilegierten Zugang zu Bildung, Gesundheitsdienstleistungen und heilen Lebenswelten. Deshalb trifft die Aussage zu: Arme und Geringverdiener sterben früher. In den neuen Bundesländern ist die Spaltung der Lebenserwartung besonders deutlich zu beobachten.

Die größten Gesundheitsrisiken tragen die, die am wenigsten Geld verdienen und die am stärksten unter Benachteiligungen leiden. Nötig sind deshalb eine Politik des sozialen Ausgleichs und deutliche Lohnzuwächse, damit die Chancen auf ein längeres Leben auch in der unteren Hälfte der Gesellschaft steigen. Dazu gehört auch ein stärkerer Beitrag der Besserverdienenden in das gesetzliche Rentensystem – nur eine solidarische Rentenfinanzierung sichert für alle einen auskömmlichen Lebensabend.“

Das Statistische Bundesamt teilte weiter mit, dass auch für ältere Menschen die Lebenserwartung weiter zugenommen habe. Nach der Sterbetafel 2009/2011 beläuft sich zum Beispiel die noch verbleibende Lebenserwartung – die sogenannte fernere Lebenserwartung – von 65-jährigen Männern auf weitere 17 Jahre und 6 Monate. 65-jährige Frauen können statistisch gesehen damit rechnen, noch weitere 20 Jahre und 8 Monate zu leben. Im Vergleich zur vorherigen Sterbetafel 2008/2010 hat damit die fernere Lebenserwartung bei den 65-jährigen Frauen um 2 Monate und bei den Männern um 1 Monat zugenommen.

Aus der Sterbetafel 2009/2011 lässt sich darüber hinaus ablesen, dass nach den aktuellen Sterblichkeitsverhältnissen statistisch gesehen jeder zweite Mann in Deutschland wenigstens 80 Jahre alt werden und jede zweite Frau sogar ihren 85. Geburtstag erleben kann. Wenn sich die Entwicklung der Lebenserwartung zukünftig so fortsetzt wie in der Vergangenheit, ist damit zu rechnen, dass die Lebenserwartung für beide Geschlechter weiter beträchtlich ansteigen wird.

Methodische Hinweise

Die aktuellen Periodensterbetafeln der amtlichen Statistik basieren auf den Daten über die Gestorbenen und die Durchschnittsbevölkerung der letzten drei Jahre. Es handelt sich hierbei also um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für diesen Zeitraum. Die fernere Lebenserwartung gibt daher an, wie viele weitere Lebensjahre Menschen eines bestimmten Alters nach den in der aktuellen Berichtsperiode – zum Beispiel 2009/2011 – geltenden Sterblichkeitsverhältnissen im Durchschnitt noch leben könnten. Eine Abschätzung der Entwicklung der Lebenserwartung in der Zukunft ist also, anders als bei sogenannten Generationensterbetafeln, nicht eingeschlossen. Zu Generationensterbetafeln hat das Statistische Bundesamt Modellrechnungen zur Lebenserwartung nach Geburtsjahrgängen veröffentlicht. Diese Modellrechnungen enthalten Generationensterbetafeln für die Geburtsjahrgänge von 1896 bis 2009.

Eine Generationensterbetafel beschreibt die Lebenserwartung der Angehörigen eines Geburtsjahrgangs. Hierzu werden die Sterbefälle eines Geburtsjahrgangs über die gesamte Lebenszeit hinweg betrachtet. Generationensterbetafeln sind als reine Modellrechnungen anzusehen, weil Schätzungen zur Entwicklung der Sterblichkeit der Geburtsjahrgänge notwendig sind, deren Angehörige noch leben. Je jünger dabei der betrachtete Jahrgang ist, desto unsicherer werden diese Schätzungen. Bei älteren Geburtsjahrgängen müssen zudem Datenlücken, Gebietsveränderungen und Wanderungsbewegungen berücksichtigt werden, die in Deutschland insbesondere durch die beiden Weltkriege verursacht wurden. Wenn sich der in der Vergangenheit beobachtete Trend bei der Sterblichkeit in der Zukunft ungebrochen fortsetzt, kann nach den Ergebnissen der Generationensterbetafel (Trendvariante 2) ein 2009 geborener Junge statistisch mit einer Lebenserwartung von 86 Jahren und 5 Monaten rechnen. Bei einem Mädchen sind es sogar 90 Jahre und 8 Monate.

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