Werbung: Mantel im Wind?

31. August 2007 |  


Ein paar Meldungen weiter unten steht’s: Der Bürgermeister hat behauptet, er habe aus dem Radio von den Werbe-Plänen seiner Schulsenatorin erfahren und diese dann zurückgepfiffen. Zweifel sind angebracht, meint GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch im Newsletter ihrer Bürgerschaftsfraktion. Wir dokumentieren.

(Von Christa Goetsch)

Liebe Leserinnen und Leser der “infos aus der gal-bürgerschaftsfraktion”,

so schnell geht es: Manch einer hatte noch gar nicht mitbekommen, dass es in Hamburgs Schulen in Zukunft Werbung für Handys oder Schokolade geben sollte – da war der ganze Spuk schon vorüber: Gestern wurde die neue Richtlinie für Werbung an Hamburgs Schulen zurückgezogen. Wegen der Elternproteste – so die Schulsenatorin – bleibt alles beim alten. „Salto rückwärts“ und „Bauchlandung für die Flopsenatorin“ titeln die Zeitungen heute. Dabei war der Elternprotest noch gar nicht richtig in Gang gekommen – dafür aber der Erste Bürgermeister in Wallung. In Bild, Welt und Abendblatt ist auch zu lesen warum: Das Aufreger-Thema sollte so schnell wir möglich aus der Welt. Nun hätte der Bürgermeister es ja dabei belassen können, die Senatorin in einem Telefonat von der Schnapsidee für Werbung in der Schule abzubringen. Doch hat er gleichzeitig per Interview die Öffentlichkeit wissen lassen, wie dumm er den Vorstoß findet und damit für eine Demontage erster Klasse seiner Schulsenatorin gesorgt. Wenn schon schlechte Presse, dachte Ole von Beust, dann sollte doch wenigstens mein Stern noch heller strahlen – der Ruf der Schulsenatorin ist sowieso ruiniert.

Geradezu rührend, aus welchem Stoff die Heldengeschichte des Bürgermeisters gesponnen ist. Er hätte das Ganze mit der Werbung in der Schule erst „aus dem Radio erfahren“, dann „sofort“ zum Hörer gegriffen und Dinges-Dierig zurückgepfiffen. Natürlich weil er aus „innerer Überzeugung“ gegen Werbung in der Schule ist. Da lohnt es sich genauer hinzusehen: Im Radio kam die erste Meldung bereits am Mittwochmorgen (22. August). Angerufen hat er die Schulsenatorin aber erst einen Tag später, am Donnerstag, dem 23. August, nachdem ihm die negativen Schlagzeilen zum Werbevorstoß seiner Schulsenatorin um die Ohren geflogen waren. Da liegt es doch nahe, dass Herr von Beust vor allem aus wahltaktischen Gründen so verärgert war. Schon wieder ist die Schulsenatorin dabei, mit Negativ-Schlagzeilen das Image der CDU zu verderben. So kommentiert auch das Abendblatt: Frau Dinges-Dierig wird immer mehr zur „Gefahr für die Parteifreunde“.

Wir finden: Diese Art und Weise der Schulpolitik ist ein Ärgernis und eine Gefahr für SchülerInnen. LehrerInnen und Eltern. Ein Bürgermeister, der sich in der Schulpolitik wahltaktisch verhält und sie jahrelang in die Hände des FDP-Hasardeurs Lange und dann in die der Politikdilettantin Dinges-Dierig gibt, trägt für den Pfusch bei Lehrerstellen, Schulbau, großen Klassen, Büchergeld, Schulschließung, Vergleichsarbeiten und vielem anderen mehr die volle Verantwortung – nicht für das handwerkliche Missgeschick im Einzelfall – aber für das jahrelange Chaos in Schulbehörde und Schulpolitik! Fazit: Die Schulpolitik ist nicht in guten Händen.


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