Teure Tarifflucht: 306 Millionen weniger für Beschäftigte

Fehlende Tarifbindung macht sich in Hamburg finanziell auf vielen Ebenen negativ bemerkbar. Würden für alle Beschäftigten Tarifverträge gelten, hätten sie rund 306 Millionen Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie. Weil Tarifbindung aber nur noch für 45 Prozent der Arbeitnehmer/-innen in der Hansestadt gilt, entgehen auch den Sozialversicherungen jährlich 189 Millionen Euro und dem Fiskus 75 Millionen Euro an Einkommensteuer.

Für den Hamburger Haushalt bedeutet das 43 Millionen Euro weniger in der Kasse. Die Zahlen stammen aus einer Berechnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der die letzte Verdienststrukturerhebung (VSE) nach Beschäftigten mit und ohne Tarifbindung des Statistischen Bundesamts zugrunde liegt.

„Mit ihrer Tarifflucht schaden Arbeitgeber den Beschäftigten und der Stadt. Was der Gemeinschaft dadurch entgeht, sind keine Peanuts. Das Geld wird gebraucht für den sozialen Ausgleich, für Investitionen in Infrastruktur und in Bildung. Die Unternehmen müssen sich die Frage nach ihrer sozialen Verantwortung gefallen lassen. Eine hohe Tarifbindung stärkt außerdem die Binnennachfrage und stabilisiert die Wirtschaft. Wir brauchen eine Rückkehr in Tarifverträge“, so Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger.

Von der Stadt fordert die DGB-Vorsitzende, dass öffentliche Aufträge und Fördergelder nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. „Hamburg darf nicht mit Steuergeldern auch noch Lohndumping unterstützen. Sie muss die Vergabe von öffentlichen Aufträgen an gute Bezahlungknüpfen“, betonte Karger. Das gelte gleichermaßen für die Wirtschaftsförderung.

Aber auch in einer Reform der Allgemeinverbindlicherklärung (AVE) von Tarifverträgen und besseren Regelungen zu Nachbindung und Nachwirkung von Tarifverträgen liege ein Hebel, um die Tarifbindung zu stärken. „Der Gesetzgeber muss seine Versprechen endlich einlösen und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträge erleichtern“, so Karger.

Weiterführende Informationen:

·         Forderungen zur Stärkung der Tarifbindung auf einen Blick: https://www.dgb.de/-/Z9E

·         Weitere Informationen zum DGB-Zukunftsdialog:https://www.dgb.de/zukunftsdialog

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